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Controller magazin
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DIE EINFÜHRUNG EINES DATA
WAREHOUSES IM CONTROLLING
Betriebswirtschaftliches Konzept, Projektorganisation
und Implementierungsstrategie
von Uwe Möllnitz, Hamburg
Dipl.-Kfm. (Univ.) Uwe /Cöllnitz ist Berater der
PUTZ & PARTNER Unternehmensberatung
GmbH, Hamburg und beschäftig sich schwer–
punktmäßigmit derbetnebswirtschaftlichen Kon–
zeption und Einfühnjng von l^anagement-lnfor-
mationssystemen.
E-li/lail:Uwe-Moellnitz§
leder kennt es, das Problem der ständig
steigenden Datenflut. Gerade der Mana–
ger und der Controller ertrinken förmlich
in den nicht selten weit verstreuten, aus
den operat iven Transakt ionssystemen
wie SAP R/3 oder Baan generierten Da–
ten. Trotzdem b l e i ben häuf ig die wi rk –
l ich entscheidungsrelevanten Informa–
t i onen unberücks i cht igt . Es fehlt das
Wissen darum, auf welche Information
es letztlich ankommt , in welcher Ecke der
unendl ichen Weiten des Informationssy–
stems diese verborgen liegen und wie sie
verfügbar gemacht werden können.
Seit Anfang der achtziger lahre gibt es
mit dem DW ein informationstechnisches
Werkzeug, das konzipiert wurde, um die–
se Datenflut zu handeln und die betriebs–
wirtschaftl iche Analyse von unterneh–
mensweiten Datenbasen zu ermögl ichen.
In der Unternehmenspraxis sind DWPro -
jekte nicht selten ein Misserfolg. Sei es,
wei l sie nie fertig werden oder weil der
Projektaufwand in keinem akzeptablen
Verhältnis mehr zum Anwendernutzen
steht. Auf alle Fälle fehlt es fast immer an
einem schlüssigen betr iebswi rtschaft –
lichen Konzept und einer straffen, zielge–
richteten Vorgehensweise bei der Imple–
mentierung eines DW-Konzepts.
Die folgenden Ausführungen stellen dar,
welche Besonderheiten ein DWProjekt
auszeichnen und wo mögl iche Stolper–
steine liegen. Es wi rd eine in der Unter–
n e hme n s p r a x i s b ewä h r t e Pro j ekt –
organisation und erprobte Vorgehens–
weise vorgestellt, die eine erfolgreiche
Implement ierung eines DW-Konzepts
gewährleisten.
1.
Charakteristika des Data Ware-
house-Konzepts
Bei dem DW-Konzept handelt es sich um
eine neuere Entwicklung im Bereich der
Integrationsstrategien für Management –
informationen.
Technisch gesehen besteht ein DW aus
vielen verschiedenen Softwarekompo–
nenten, die alle aufeinander abgestimmt
sind und untereinander agieren müssen
(Abb. 1). Dieses Zusammenspiel zu orga–
nisieren, ist informationstechnisch eine
sehr herausfordernde Aufgabe. Viele DW-
Projekte scheitern daran, dass der Blick
des Projektmanagements sich auf diese
Aufgabe einengt und der größte Teil der
Projektarbeit zur Lösung dieser Aufgabe
aufgewendet wi rd.
Im Mi ttelpunkt der Systemarchitektur
steht eine von den operationalen DV-
Systemen isolierte, unternehmenswei te
Datenbank, dieanhand einer konsequen–
ten Themenausr ichtung unternehmens–
relevanter Sachverhalte (z. B. Absatz–
kanäle, Kunden- und Produktkri terien
etc.) speziell für Endbenutzer aufgebaut
ist. Sie enthält entsprechend vereinheit–
lichte, integrierte Daten, die im Sinne
entscheidungsrelevanter Informationen
eher einer Zei traumbetrachtung unter–
liegen.
Werden von den Entscheidungsträgern
eines Unternehmens für bestimmte Be–
reiche zeitpunktaktuel le Daten nachge–
fragt, kann die Implementierung eines
Operat ional Data Store (ODS) ergänzend
zu der eigentlichen DW-Datenbasis zur
Überbrückung der zwischen zwei Daten–
übernahmen entstehenden Zeitspanne
sinnvol l sein.
Die Vereinheitl ichung der Daten wi rd
mittels sog. Metadaten erreicht. Meta–
daten sind, etwas vereinfacht gesagt, „In–
format ionen über Informat ionen" . Sie
werden benötigt, um die Quelle, die Ge–
schichte und viele andere Aspekte von
Daten zu beschreiben. Bet r iebswi r t –
schaftliche Metadaten sind z. B. Regeln,
Beschreibungen und Definitionen für das
Ber ichtswesen. Technische Metadaten
beschreiben Strukturen und Zuordnungs–
regeln für die Da t enex t r ak t i on und
-bereitstellung.
Wichtiger als die reine technische Reali–
sierung sind die betriebswirtschaftl ichen
Aufgaben, die vor der Einführung eines
DWSys temsge l ös t werden müssen: be–
t r i eb sw i r t s c ha f t l i c he
Kenng r ößen
entscheidungsorientiert zu harmonisie–
ren, zu organisieren und zu präsentieren,
um so Führungswissen entstehen zu las–
sen. Nur durch eine konsequente Berück-
s i c h t i gung de r für Ma n a g eme n t –
informat ionen geforderten Qual i täts–
kriterien bei der Erstellung eines DW-Kon–
zepts kann die entscheidungsorientiert;e
Informationsversorgung spürbar verbes–
sert werden.
Das Aufzeigen von Handlungs- und Ent–
scheidungsalternativen und -zusammen–
hängen durch What - I f -Ana l ysen , Sze-
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