Seite 30 - 1999-06

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Controller magazin
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BEWERTUNG
ÖKOLOGIEORIENTIERTER
CONTROLLING–
INSTRUMENTE
Erarbeitet im Rahmen
des Projektes Elektra
von Ursula Boeber und Ralf J . Ostendorf, Witten
Ursula Boeber, Diplom-Volkswirtin,
Wisserischaftliche Mitarbeiterin im
Projekt ELEKTRA an der Universi–
tät Witten/Herdecke im Bereich
Management und Controlling.
R. J. Ostendod,
Diplom-Ökonom,
Wissenschaltlicher Mitarbeiter im
Projekt ELEKTRA an der phvaten
Universität Witten/Herdecke.
Im betriebswirtsci iafti icl ien Schr i fttum-
werden verschiedene Instrumente zur
Bewältigung der ökologischen Heraus–
f o r de r ung
d i sku t i e r t .
E i ndeu t i ge
Handlungsempfehlungen lassen sich für
die Anwender jedoch meist nicht ablei–
ten. Besonders kleine und mittlere Unter–
nehmen (KMU) sind oft aufgrund perso–
neller Restriktionen nicht in der Lage, die–
se zu beurteilen, mit der Konsequenz,
dass ökologieorientierte Instrumente nur
in Ausnahmefäl len Verwendung finden.
Im Rahmen dieses Aufsatzes wi rd ein
Ansatz vorgestellt, mit dem Instmmente
des ökologischen Managements schema–
tisch bewertet werden können. Ein zielge–
richteter Einsatz wi rd somit ermöglicht.
1
EINLEITUNG
Ein Gmndproblem, mit dem sich Indu–
strieunternehmen seit Mi tte der 80er Jah–
re konf ront i er t sehen , ist die Kom–
p l ex i tät szunahme der unternehmer i –
schen Handlungsfelder ' Eine der wesent–
lichen Determinanten dieser Entwicklung
ist die zunehmende Notwendigkeit, öko–
logische Sachverhalte im Wettbewerb
berücksichtigen zu müssen.^
Zur Bewältigung der ökologischen Her–
ausforderung muss die Unternehmung
aus der nahezu unübersichtl ichen Viel–
zahl der publ izierten Instrumente und
Ansätze^ die für sie geeigneten heraus–
finden." Dabei erwächst aus der Praxis–
ferne eine weitere Schwierigkeit vieler
Publ ikationen. ' Kleine und mittlere Un–
ternehmen (KMU) sind aufgrund ihrer
meist restriktiven Personalausstattung
von dieser Informationsflut besonders
betroffen. Allein die Sichtung und Ein–
schätzung überfordert hier regelmäßig
die verfügbaren Ressourcen. Zur Lösung
dieser Problematik soll hier ein Beitrag
geleistet werden, indem ein praktikables
Konzept zur systematischen Bewertung
öko l og i scher I ns t rumente erarbei tet
wi rd. "
2
ANALYSE AUSGEWÄHLTER ÖKO–
LOGISCHER INSTRUMENTE
Die Klassifizierung der ökologischen In
Strumente erfolgt durch drei verschiede–
ne Dimensionen, so dass zwischen der
Repo r t i ng - , de r Ana l y s e - u n d de r
Entscheidungs-Ebene unterschieden wer–
den kann. Einen Überbl ick vermittelt die
nachfolgende Abbi ldung 1.
Das Vorgehen liegt in einer Quantifizie–
rung verschiedener Bewertungsebenen.
Die hier vorgestel lten Ebenen werden
durch eine Punktbewertung zueinander
gewichtet. In dem vori iegenden Konzept
sind insgesamt 200 Punkte erreichbar,
von denen 100 im Reporting-, 50 im Ana–
lyse- und 50 im Entscheidungsbereich
erzielbar sind. In der konkreten Anwen–
dung bi lden diese Maximalwerte die Soll–
vorgabe, an denen sich die zu prüfenden
Instrumente messen lassen müssen.
2.1
Reporting-Ebene
Aufgabe der Reporting-Ebene ist die Dar–
stellung eines Überbl icks des Ist-Zustan–
des. je nach Inst rument werden Ver–
brauche, Kosten etc. untersucht. Ein be–
tr iebl iches Informat ionssystem dient
nicht nur als Informationsquelle, sondern
auch als Unterstützung des Manage–
ments im Bereich der Planung und Kon–
trol le. ' Insofern wi rd der Reporting-Ebe–
ne in dieser Systematik ein hoher Stellen–
wert beigemessen.
Um eine fachgerechte, praxisorientierte
und objektive Bewertung der verschiede–
nen Instrumente zu erreichen, werden
die folgenden fünf Beurteilungskriterien
zu Grunde gelegt:
• Erfassbarkeit,
• Pflegeaufwand,
• Informationsgehalt,
• Bewertung und
• langfristige Aussagefähigkeit.
Diese werden hierarchisch gegl iedert.
Die erstmalige Sammlung der Daten wi rd
hier als Erfassbarkeit bezeichnet und ist
zum Beispiel in Personen-Tagen messbar
je geringer der erforderiiche Arbeitsauf–
wand ist, desto besser ist das Instrument
zu bewerten. Aus Praktikabilitätsgründen
sollte die Erfassung der Daten nicht zu
arbei tsaufwendig sein, um unterneh–
mensinterne Widerstände der Mitarbei –
ter von vornherein zu vermeiden. Hohe
Bedeutung ist dem Pflegeaufwand eines
Informationssystems im fortlaufenden
Einsatz beizumessen, wei l eine Aktual i –
sierung des Reports permanent und ein–
fach sein sollte. Dies gilt besonders für
den Einsatz in KMU, die durch restriktive
Ressourcenausstattungen gekennzeich–
net sind. Auch hier kann die Messung
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