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personalmagazin 10 / 12
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Organisation
_Change Management
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
sind oder aus dem Tagesgeschäft heraus
entstehen. Und da geht der Mensch die
kleinen Schritte leichter als die großen.
personalmagazin:
Was heißt das konkret
für den Unternehmensalltag?
Nußbaum:
Ich glaube, wir müssen Verän-
derungen in den Alltag einbauen. Statt
große, zeitfressende Projekte zu fahren,
sollten Führungskräfte und Mitarbei-
ter ständig im Dialog dazu bleiben, was
man an der persönlichen Leistungsfä-
higkeit und der Organisation verbessern
könnte. So bilden sich Charaktere und
Organisationstypen heraus, mit denen
sie jede Veränderung anpacken können.
personalmagazin:
Das klingt schön. Aber
die großen Veränderungsanlässe können
Sie ja nicht einfach ausblenden?
Nußbaum:
Dennoch behaupte ich: Auch in
viele sogenannte Zwangslagen ist man
nur hineingeschlittert, weil man viele
Jahre lang nicht das Ohr an der Beleg-
schaft hatte. Und strategisch induzierte
Veränderungsprozesse könnten auch
minimiert werden. Strategien werden
heute ja leider wie die Oberhemden ge-
wechselt.
personalmagazin:
Forschungen zeigen, das
der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Liegt
das Problem nicht darin, dass Wandel
prinzipiell auf Widerstand stößt?
Nußbaum:
Nicht dann, wenn die Verände-
rung einen Ausweg oder eine Verbesse-
rung aufzeigt. Wenn Sie das in kleinen
Schritten in den Alltag einbinden, neh-
men die Probleme ab und die Produkti-
vität bleibt gewahrt.
„Change neu denken“
INTERVIEW.
Kleine Schritte statt große Projekte empfiehlt ein Topberater, der von großen
Veränderungsvorhaben eigentlich profitiert. Zu viel laufe schief, sagt Albert Nußbaum.
personalmagazin:
Zum Thema „Change Ma-
nagement“ gibt es zahlreiche Studien von
Unternehmensberatungen. Auch Mercuri
Urval hat nun eine groß angelegte Studie
vorgelegt. Warum braucht es das?
Albert Nußbaum:
Wir arbeiten mit Füh-
rungskräften. Da hören wir viele Klagen,
dass eine regelrechte Change-Welle den
Mittelstand überrollt und gravierende
Auswirkungen auf die Produktivität hat.
Dem wollten wir nachgehen.
personalmagazin:
Was haben Sie herausge-
funden?
Nußbaum:
Die von uns befragten Füh-
rungskräfte beklagen während eines
Change-Projekts Produktivitätsverluste
von 40 Prozent und schätzen den Ziel-
erreichungsgrad der Projekte auf 70
Prozent. Wenn wenigstens die Ziele er-
reicht würden, wäre das ja okay. Wenn
aber die Produktivität auch noch leidet,
dann müssen sich die Unternehmen fra-
gen: Sind diese Projekte überhaupt ziel-
führend?
personalmagazin:
Wie lautet Ihre Antwort
auf diese Frage?
Nußbaum:
Im Lichte unserer Studie sind
diese Veränderungsprojekte weitgehend
für die Katz.
personalmagazin:
Was folgt daraus für das
Change Management?
Nußbaum:
Wir müssen Change Manage-
ment neu denken. Bisher läuft da viel
auf Prozessebene, die Menschen blei-
ben außen vor. Das Topmanagement
arbeitet mit Unternehmensberatern et-
was aus. Das mittlere Management ist
oft nicht einbezogen, soll es hinterher
aber umsetzen. Da werden aus Betrof-
fenen nur selten Beteiligte. Überhaupt
glaube ich: Wenn ein Veränderungspro-
jekt nötig wird, hat man im Alltag viel
liegen gelassen.
personalmagazin:
Dann plädieren Sie
dafür, schon in die Konzeption und
Entscheidungsfindung zu Veränderungs-
projekten möglichst viele einzubinden?
Ist das realistisch?
Nußbaum:
Ich gebe zu, alle zu involvieren
ist schwierig. Vor allem in Notlagen oder
bei Fusionen. Aber das ist nicht der Re-
gelfall von Veränderungsprojekten. Ich
spreche hier von Veränderungsprozes-
sen, die zum Beispiel strategisch bedingt
dr. Albert nussbaum
ist Geschäfts-
führer des Beratungsunter­nehmens Mercuri
Urval in Deutschland.