Seite 32 - personalmagazin_2012_10

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personalmagazin 10 / 12
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Management
_weiterbildung
Insolvenz nicht ausgeschlossen
hintergrund.
Die Debatte zur Umsatzsteuerbefreiung der Weiterbildung läuft heiß:
Trainer und Akademien fürchten fatale Folgen, Personalentwickler sind alarmiert.
Hinzu kommt die zusätzliche Mehr-
belastung durch den Wegfall der
Vorsteueranrechnung aus einem Büro-
gebäudeerwerb: Im Jahr 2011 wurde auf
privater Gesellschafterebene mit dem
Bau eines Bürogebäudes begonnen, das
2012 fertiggestellt und bezogen wurde.
Die abgeschlossene Immobilienfinanzie-
rung sah die Anrechnung der Vorsteuer
vor. Mit der Verabschiedung des Jahres-
steuergesetzes in der vorgesehenen Fas-
sung wären rund 250.000 Euro an das
Finanzamt zurückzuzahlen.
Ein weiteres existenzielles Risiko für
uns: Das IFU-Institut wurde 2007 über
ein ‚Management Buy out‘ erworben und
Kredite über eine Landesbürgschaft ab-
gesichert. Die Kredite könnten nun nicht
mehr bedient werden.
Meine Maßnahmen werden sich da-
rauf konzentrieren, mit den Banken eine
Regelung zu finden, dass die Kapital-
dienstleistungen zeitlich gestreckt wer-
den. Des Weiteren werde ich versuchen,
die Kosten in meinemUnternehmen wei-
ter zu drücken und die Seminargebühr
zu erhöhen. Aber eine Erhöhung der
Seminargebühr um etwa zwölf Prozent,
die erforderlich wäre, ist auf dem Markt
nicht umsetzbar. Es ist nur eine Preiser-
höhung von höchstens vier Prozent re-
alistisch. Würde ich die kompletten
Zusatzkosten auf die Seminargebühr
umlegen, wäre die Gefahr zu groß, dass
viel weniger Seminare gebucht würden.“
Trainer sind genauso betroffen
Gerhard Gieschen ist Trainer und gleich-
zeitig Miteigentümer der Akademie für
Geschäftserfolg in Tübingen. Er kann
das Thema also von beiden Seiten be-
leuchten: „Diese Gesetzesänderung be-
trifft jeden professionell agierenden
Trainer im Firmenkundengeschäft.
Denn ob Werbung, Reisekosten, Trai-
ningsmaterial oder Subunternehmer –
wenn der Vorsteuerabzug wegfällt, wird
es 19 Prozent teurer. Um das an die Kun-
den weiterzugeben, bedeutet es je nach
Kostenstruktur eine Preiserhöhung von
sechs bis zwölf Prozent. Wer die nicht
durchsetzen kann, wird 2013 deutlich
weniger verdienen.
Wegen einer Preiserhöhung in diesem
Umfang wird der Trainingsmarkt nicht
zusammenbrechen – wohl aber Trai-
nings gestrichen. Diesen Umsatzausfall
werden vor allem schwach positionierte
Trainer von „Butter-und-Brot-Trainings“
B
ereits in Ausgabe 9/2012 hat
das Personalmagazin auf ein
komplexes Problem aufmerk-
sam gemacht: Die Bundesregie-
rung will mit dem Jahressteuergesetz
2013 eine EU-Richtlinie umsetzen und
Bildungsleistungen von der Umsatz-
steuer befreien. Dies hat Folgen für die
Preispolitik der gewerblichen Anbieter,
die mit Kostenerhöhungen rechnen.
Wir haben bei den betroffenen Weiter-
bildungsanbietern, Trainern und Perso-
nalentwicklern nachgefragt, wie sie die
Situation einschätzen.
Nachzahlung ist existenzbedrohend
Jürgen Kneip, Geschäftsführer des
IFU-Instituts, sieht finanzielle Auswir-
kungen im sechsstelligen Eurobereich
auf das Institut zukommen: „Der Weg-
fall der Vorsteueranrechnung von zirka
12,1 Prozent würde zusätzliche Kosten
in Höhe von rund 726.000 Euro pro Jahr
verursachen. Gleichzeitig würde daraus
eine Verminderung von Körperschaft-
und Gewerbesteuer von etwa 38 Prozent
resultieren, also rund 276.000 Euro, so-
dass im Ergebnis eine Kostenmehrbelas-
tung von ungefähr 450.000 Euro für das
Unternehmen verbliebe.
Von
Kristina Enderle da Silva
und
Michael Miller
(Red.)
„Der Gewinn für Firmenkundentrainer wird
wohl um ein Drittel einbrechen. Das tut weh.“
Gerhard Gieschen, Selbstständiger Trainer und Miteigentümer der
Akademie für Geschäftserfolg in Tübingen
„Das geplante Jahressteuergesetz birgt für
uns existenzbedrohende Risiken.“
Jürgen Kneip, Geschäftsführer, IFU-Institut für Unternehmensführung GmbH