Immobilienwirtschaft 3/2026

70 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Verwaltung & Vermarktung Vergütungsmodelle Der Engpass wird deutlicher: Bereits rund 42 Prozent der Verwaltungen haben eine Mindestgröße für WEG eingeführt, zudem lehnen 14 Prozent neue WEG grundsätzlich ab. Für kleine Gemeinschaften wird es damit zunehmend schwer, professionelle Betreuung zu finden. Es gibt immer mehr verwalterlose WEG mit dem Resultat, dass langfristig die Funktionsfähigkeit vieler Gemeinschaften gefährdet ist. Ein noch in der Erprobung befindliches Vergütungsmodell, gestaffelt nach zu erbringenden Leistungen, soll Abhilfe schaffen. Mit dieser Form der Leistungsaufstellung könne jeder Kunde sofort sehen, was er für sein Geld bekommt und was eben nicht, meint Martin Kaßler, Geschäftsführer des VDIV (s. Interview S. 74). Für 2025 waren im Bestand durchschnittlich Preiserhöhungen von 12,4 Prozent geplant, bei kleinen Objekten sind es laut neuem VDIV-Branchenbarometer sogar bis zu 17,4 Prozent. Ergänzend gewinnen Grundgebühren und Mindestgrößen weiter an Bedeutung. „Damit entwickeln sich Honorarmodelle zunehmend differenziert und betriebswirtschaftlich fundiert“, so Martin Kaßler. Doch bei etwa der Hälfte der VDIVMitglieder sei die Kalkulation zugleich nicht richtig ausgeführt und neller Verwalter gerne ins eigene Portfolio holen. Zumal sich die Bereitschaft von Bestands-WEG, mehr zu bezahlen – auch in Form von Sondervergütungen – in Grenzen hält, auch wenn der zeitliche Aufwand seitens der WEG-Verwaltung weiter steigt. Als Gegenmaßnahme werden so genannte Abwehrangebote mit hohen Preisen erstellt oder es wird der Leistungskatalog eingeschränkt. Für Martin Kaßler muss das System deutlicher auf Wirtschaftlichkeit getrimmt werden – dazu zählt nach seinen Worten die Sichtbarkeit der Aufgabenvielfalt ebenso wie die Priorisierung der Ressourcen. Am Ende entscheide die Vergütung über die Zukunftsfähigkeit, warnt Kaßler. Die realen Steigerungen in der Abrechnung für WEG-Verwalter sind seit Jahren sehr gering, der Betrag ist über Jahre lediglich minimal erhöht worden. Für Kaßler sind die stetig steigenden Investitionen seiner Mitglieder in IT und KI synonym für den Druck in der Branche, die Schlagkraft mit Blick auf den Umsatz zu steigern. Beides könnten aber nur Bausteine zur Effizienzsteigerung sein, die die grundsätzlichen Probleme der Branche etwas lindern – und zugleich die Attraktivität der Branche als moderner Arbeitgeber steigern. TEXT Hansjörg Werth PAKETLÖSUNGEN ALS CHANCE? VDIV-Umfragen bestätigen FEHLENDE KAPAZITÄTEN in der Verwalterbranche. Klassische Abrechnungsmodelle werden der wachsenden Aufgabenvielfalt nicht mehr gerecht. Erste Baukastensysteme kommen an den Markt. Die können eine Chance sein für kleinere Eigentümergemeinschaften. stehe somit betriebswirtschaftlich auf lange Sicht eher auf tönernen Füßen. Die praktischen Zahlenbeispiele sprächen für sich, bestätigt Kaßlers Verwalterkollege Olaf Dümpert aus Hamburg, der in erster Linie im Zinshausgeschäft aktiv ist und dessen Leidenschaft der WEG-Verwaltung gilt. In einem gemeinsamen Podcast mit Kaßler geht die Rechnung der beiden Verwalterprofis wie folgt auf: Bei einem Objektwert von 290.000 Euro liege die Verwaltervergütung bei durchschnittlich 28 Euro pro Monat, was anteilig pro Jahr etwa 0,12 Prozent des Objektwerts seien. Hier frage man sich doch, so Dümpert in Richtung Kaßler, „warum wir nicht Vermögensverwalter geworden sind“. Denn da werde in der Regel etwa fünf Prozent als jährliches Honorar kalkuliert. WICHTIG: MEHR WIRTSCHAFTLICHKEIT IM SYSTEM Einsatz und Ertrag müssen passen, gerade kleinere WEG-Verwaltungen erfahren in diesen Tagen, dass die Spielregeln vonseiten des Verwalters kommen – und nicht umgekehrt. Anstrengende Wohngemeinschaften, wo viel Gesprächs- und Beratungsbedarf herrscht, will heute kein professio1 FREUDE MACHEN Das schaffen nicht alle Pakete. Manche sind sperrig. Und Rechtssicherheit ist nicht überall inklusive

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==