Immobilienwirtschaft 3/2026

16 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Schwerpunkt Bestandssanierung Einerseits hat die Europäische Union das Ziel ausgegeben, den Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu machen, und mit der Europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) festgelegt, in welchen Stufen die Energieeffizienz von Gebäuden in den nächsten Jahren verbessert werden soll. Noch ehrgeiziger ist die Bundesrepublik mit ihrem Ziel, bereits 2045 klimaneutral zu sein. Auf der anderen Seite verfehlt der Gebäudesektor die Vorgaben deutlich. Eine Reduktion der Emissionen auf 65 Millionen Tonnen CO2 bis zum Jahr 2030 sei zwar möglich, stellt die Deutsche Energie-Agentur (dena) in ihrem „Gebäudereport 2026“ fest, um gleichzeitig einzuschränken: „Die Zielerreichung bleibt jedoch ohne kontinuierliche und verlässliche Maßnahmen herausfordernd.“ Ob Bundesregierung und Bundestag solche Maßnahmen entschlossen einleiten, scheint vor dem Hintergrund des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (das bei Redaktionsschluss noch nicht verabschiedet war) fraglich zu sein. SERIELLE SANIERUNG ALS AUSWEG? Umso wichtiger sind Impulse, die aus der Branche selbst kommen. Dabei steht ein Ansatz im Vordergrund: die serielle Sanierung. Sie soll mittels digitalisierter Prozesse und vorgefertigter Elemente die Kosten senken und das Tempo beschleunigen. „Serielles Sanieren ist ein Puzzlestein zur Beschleunigung der Transformation im Gebäudesektor“, sagt Andreas Kipp, Leiter Vertrieb und Marketing bei der Renowate GmbH. Das Düsseldorfer Unternehmen ist eines von fünf Gründungsmitgliedern der Deutschen Allianz für Serielle Sanierung (DASS), zu der sich im April dieses Jahres außerdem B&O Bau, die ecoworks GmbH, die Niersberger Group und Saint-Gobain pre.formance zusammengeschlossen haben. Die neue Allianz steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit der dena, die seit Jahren mit der Energiesprong-Initiative das serielle Sanieren vorantreibt. Ein weiterer Anstoß kommt vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.: Er hat im Dezember 2025 den Startschuss für die Arbeit an einer Rahmenvereinbarung für serielles Sanieren gegeben. Diese soll sich an der Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen orientieren, die der GdW 2018 Fragt man Dr. Sören Gröbel, ob das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 realistisch ist, so bekommt man eine skeptische Antwort. „Aus immobilienwirtschaftlicher Sicht ist das Klimaneutralitätsziel aufgrund zweier Hürden sehr ambitioniert“, sagt der Director of Living Research Germany bei JLL. Diese Hürden seien die fehlenden wirtschaftlichen Anreize und die Herausforderungen der technischen Machbarkeit. „Technisch wäre für dieses Ziel mehr als eine Verdoppelung der Sanierungsquote nötig“, stellt der Fachmann fest. Das sei angesichts des Fachkräftemangels im Handwerk unrealistisch. Tatsächlich liegt die Sanierungsquote weit unterhalb der rund zwei Prozent, die als erforderlich gelten, um die Klimaziele zu erreichen. Nach Angaben des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (Buveg) ist die Quote zuletzt sogar gesunken: Während sie bei Wohngebäuden im Jahr 2022 immerhin noch 0,88 Prozent betragen hatte, waren es 2025 nur noch 0,67 Prozent. Bei Nichtwohngebäuden ermittelte die Buveg für 2025 eine Quote von 0,92 Prozent. Von einem „besorgniserregenden Niveau“ spricht deshalb Buveg-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs. Er fordert: „Deutschland braucht nicht nur einen Bau-Turbo, sondern dringend auch einen Sanierungsbooster!“ WIDERSPRÜCHLICHE SIGNALE DER POLITIK Nur: Woher sollen die Impulse für diesen Booster kommen? Von der Politik, könnte die Antwort lauten. Doch diese sendet widersprüchliche Signale. WO BLEIBT DER SANIERUNGSBOOSTER? Bis zum Jahr 2050 soll der Gebäudebestand in der EU KLIMANEUTRAL sein, in Deutschland sogar schon fünf Jahre früher. Doch die Sanierung kommt so schleppend voran, dass sich die Zweifel mehren, ob dieses Ziel wirklich zu erreichen ist. Branchenvertreter versuchen deshalb, mit neuen Ansätzen Schwung ins Sanierungsgeschehen zu bringen. TEXT Christian Hunziker

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==