Immobilienwirtschaft 4/2025

Drohnen 1992, Nachhaltigkeit 1996, Elektromobilität und Energiespeicherung 2015: Für den richtig großen Geschäftserfolg ist mein Timing immer deutlich zu früh gewesen. Als Unternehmer und Manager bin ich dennoch mit meinem Business der letzten drei Jahrzehnte ganz zufrieden. In Bezug auf Nachhaltigkeit etwa fand ich bereits in den 1990er Jahren eine Branche, die mich für meine Kompetenz in diesem Thema auch bezahlt hat. Das waren die Brauereien. Sie wollten große Kostenreduzierungen umsetzen, um nicht vom Markt zu verschwinden. Ihre größten Einsparpotenziale lagen in Abfall, Abwasser, Energie. Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen, wie schön! Auch deshalb kann ich mich mit dem Produkt Bier gut identifizieren. Während der Corona-Zeit beschloss ich, mir des Bieres Sensorik und Historie, seine Stile und deren Herkunft beibringen zu lassen. Ich wollte buchstäblich alles lernen, was man grundsätzlich über Bier wissen muss. Hierzu wurde ich einige Wochen in Obertrum im Kiesbye BierKULTURhaus kaserniert. Dort erfuhr ich auch wirklich vieles über das spritzige Kulturgut. Brauen ist Handwerkskunst. Voller Ehrfurcht blickte ich des Tags in die offenen Gärbottiche mit Hopfenspiel oder Trummer Pils. Des Abends dann wurde es mitunter bierselig mit meinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Das Bierbrauen zumindest auf Anfängerniveau zu erlernen, war ein richtiges Highlight in meinem Leben. Als diplomierter Biersommelier verließ ich das Salzburger Land. Nach einigem Bitten und Betteln ermöglichte mir dann ein befreundeter Münchner Gastwirt, das Erlernte auch in der Praxis zu erproben. In seinem halbautomatischen Sudhaus aus den 1980er Jahren durfte ich brauen. Er stellte mir Annalena, eine echte Brauerin, an die Seite – zwecks Überwachung meiner Aktivitäten. Aus 390 Kilogramm Malz, zweieinhalb Kilo Hopfen, unzähligen Hektolitern Brau-, Reinigungs- und Kühlwasser wurden schließlich 6.000 Halbe untergäriger Zwickel. Zwei Monate später liefen sie im Brauhaus am Kapuzinerplatz gut gekühlt aus dem Hahn. Und die meisten Gäste wussten nicht, dass bei dieser Charge auch ein kleines bisschen Handwerkskunst von mir im Glas war. Und was hat es gebracht? Freude, mit eigenen Händen ein über 6.000 Jahre entwickeltes Kulturgut erschaffen zu können. Erkenntnis, dass Bierbrauen ein Knochenjob ist. Demut angesichts der Härte eines jeden noch so schönen Handwerksberufs, wenn man damit seinen Lebensunterhalt verdienen muss. ROBERT OETTL ist seit 1995 Unternehmer und Manager in Immobiliendienstleistungs- und -beratungsunternehmen, PropTech-Investor und CEO von ORO VENTURES UNTERGÄRIGER ZWICKEL BIER SELBST ERSCHAFFEN war ein Vierteljahrhundert lang mein Traum. Mit Corona kam die Chance auf handwerk- liche Annäherung an dieses Kulturgut. 98 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Culture Club Mein schönstes Kulturerlebnis

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