Immobilienwirtschaft 4/2025

74 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Verwaltung & Vermarktung Immobilienvermarktung Es ist ein Paket, das alles verspricht – „all in one“, so der Betreiber. „OneSystem“ bündelt sämtliche bisherigen Einzelangebote von ImmoScout24: von Eigentümer-Leads, CRM, ExposéErstellung, Energieausweisen bis hin zur Finanzierungsvorbereitung – als vertikal integriertes Dienstleistungsmodell sozusagen. Für Maklerinnen und Makler bedeutet dies: ein Ansprechpartner, eine Oberfläche, eine Rechnung. Es sinkt der Aufwand für administrative Tätigkeiten, während Reichweite und Abschlussgeschwindigkeit steigen. Offiziell nennt ImmoScout keine Preise, aber nach und nach sickern Zahlen durch: eine monatliche Grundgebühr in Höhe von 1.700 Euro. Hinzu kommen erfolgsabhängige Zahlungen: 50 Prozent der Provision bei durch das System generierten Leads, 20 Prozent bei staltung. Der Vertrieb kann sich auf den Kundenkontakt konzentrieren. Sein Fazit: OneSystem sei ein verlässlicher Partner für den Einstieg und das frühe Wachstum. Die Positionierung auf dem Markt müsse aber durch eigene Arbeit erfolgen. Leads und Sichtbarkeit seien nur die halbe Miete – Qualität und Kundenbindung blieben entscheidend für den eigenen Erfolg. Anders gesagt: Was ImmoScout24 unter „Sichtbarkeit“ versteht, ist in Wirklichkeit Reichweite. Ein Ladenlokal in Düsseldorf-Flingern stehe zum Beispiel rund um den Globus im Internet. Die individuelle Präsenz und Profilierung als Marke in seinem regionalen Markt könne die Plattform dem Makler dagegen nicht abnehmen. Kritiker sprechen von einem „Franchise-Modell ohne Etikett“. Ohne Label ist es aber kein Franchise-System. Gegen diese Einordnung wehrt sich ImmoScout24 zu Recht. Denn OneSystem hat nicht die typischen Eigenschaften eines Franchise: exklusive Markenrechte für den Nutzer, eine einheitliche Außendarstellung oder den Betrieb eines Geschäfts „im Namen von“ (ImmoScout24). Stattdessen bindet das Modell den Makler technologisch, vertraglich und prozessual eng an die Plattform – mit einem klaren Mehrwert für ImmoScout24 selbst. Das ist der eigentliche Knackpunkt. „Viele junge oder wenig erfahrene Makler profitieren anfangs vom Leistungsumfang TEXT Manfred Godek ALLE(S) IN EINER HAND Mit seinem neuen Produkt „OneSystem“ strukturiert ImmoScout24 sein Plattformgeschäft rund um den Immobilienverkauf RADIKAL NEU – und bindet Makler enger als je zuvor an den eigenen Eco-Kosmos. Das Konzept verspricht Effizienz, Sichtbarkeit und Rundum-Service. Doch der Preis ist hoch – in Euro. Und in unternehmerischer Freiheit. eigenen Kunden. Der tatsächliche Leistungsumfang könne flexibel gebucht werden, was Niklas Reith von Next Concept in Düsseldorf allerdings überrascht. Der Immobilienökonom (GdW) gehört zu den Kunden der ersten Stunde und zahlt die volle Grundgebühr. Dafür sieht er sich in seinem Makler-Geschäft bestens unterstützt. PARTNER FÜR DEN EINSTIEG Reith berichtet von klaren Vorteilen in der Prozessabwicklung, höherer Skalierbarkeit und besserer Planbarkeit des Geschäfts. Die Tools seien praxisnah, qualitativ hochwertig und im Alltag „eine echte Arbeitserleichterung“. Sichtbar nach außen sei davon nichts – seine Marke bleibe unabhängig. Gleichwohl übernähmen die Tools zentrale Aufgaben wie Bewertung, Dokumentation oder Exposé-Ge­ „LETZTLICH IST ONESYSTEM EIN SPIEGEL DER PLATTFORMÖKONOMIE: ATTRAKTIV, EFFIZIENT, ABER AUCH STRUKTURVERÄNDERND. WER MITMACHT,PROFITIERT – ZAHLT ABER AUCH MIT AUTONOMIE. WER DRAUSSEN BLEIBT, MUSS UM SICHTBARKEIT UND MARKTANTEILE KÄMPFEN.“ Prof. Raphael Spieker, Immobilienhochschule EBZ Business School

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