Immobilienwirtschaft 4/2025

44 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Schwerpunkt Expo Real 2025 – Energetische Sanierung MÜTHER-PAVILLON Rostock MERGENTHALER Eschborn Auf dem ehemaligen Ostseemesse-Gelände in Rostock-Schutow steht ein architektonisches Unikat: der Hyparschalen-Pavillon von Ulrich Müther aus dem Jahr 1966. Jahrzehntelang leerstehend, energetisch ineffizient und ohne moderne Heizung galt das denkmalgeschützte Gebäude lange als Problemfall – bis eine umfassende Sanierung Denkmalschutz und Klimaschutz beispielhaft vereinte. Heute dient der Pavillon als hocheffiziente Verkaufs- und Ausstellungsfläche. „Geht nicht, gibt’s nicht – das war unsere Devise“, erinnert sich Hans-Christian Berndt, Geschäftsführer der Helmut Lehner GmbH, an die Anfangsphase. Da viele Lösungen außerhalb bestehender Normen lagen, war technisches Neuland zu betreten. Herzstück der Modernisierung ist eine kaskadierte Sole-Wasser-Wärmepumpe (Viessmann Vitocal G 350 G) mit 84 kW Heizleistung. Die Wärme stammt aus einem 570 m² großen GeoCollect-Flächenkollektor, der in zwei Ebenen bis zu 1,5 Meter tief liegt. „Insgesamt nutzen wir damit rund sechs Meter Verlegetiefe“, erklärt Manfred Blödorn vom SHK-Fachbetrieb. Damit die Sichtbetonarchitektur unberührt bleibt, verschwand die gesamte Technik in einem unterirdischen „Ground-Cube“. Das System erreicht eine Jahresarbeitszahl von ≥ 5,5 und ermöglicht im Sommer passive Kühlung über die Fußbodenheizung – überschüssige Wärme wird ins Erdreich zurückgeführt. Anstelle einer klassischen Klimaanlage temperiert das System nur den unteren Aufenthaltsbereich. Nach drei Jahren Betrieb bestätigen die Messergebnisse den Ansatz: Der Energiebedarf liegt bei 103 kWh/m²a – vergleichbar mit einem KfW-Effizienzhaus 40 EE. „Das ist keine Klimaanlage. Wer eiskalte Raumluft erwartet, liegt falsch“, ergänzt Blödorn. Große Pufferspeicher optimieren den Wärmepumpenbetrieb, Warmwasser wird dezentral per Durchlauferhitzer erzeugt. Beim leerstehenden Bürokomplex Mergenthaler aus den 1980erJahren in Eschborn wurde ein anderer Weg gegangen. Er wurde vollständig entkernt, energetisch und technologisch auf den neuesten Stand gebracht und architektonisch aufgewertet. Durch die Wiederverwendung der Rohbausubstanz konnte der CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem Neubau um 42% reduziert werden. Zentrale Bausteine des Energiekonzepts sind 45 Erdwärmesonden, kombiniert mit einer Sole-Wasser- und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie einer 300 m² großen Photovoltaikanlage auf dem Dach. Ergänzt wird das System durch Ökostrombezug, eine hochdämmende Fassade und außenliegenden Sonnenschutz. Der Endenergiebedarf liegt damit rund 68 % unter dem Referenzwert vergleichbarer Neubauten. Auch die Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle. In Zusammenarbeit mit Bluerange wurde eine sensorbasierte Gebäudesteuerung entwickelt, die Energieverbräuche intelligent an die tatsächliche Nutzung anpasst. Das „Building Brain“ erfasst pro Raum Daten wie Belegung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Helligkeit und CO2-Werte. So können Mieter auf aktuelle Verbrauchsdaten zugreifen, anstatt sich auf jahrealte Abrechnungen zu verlassen. Eine neue, ästhetische Fassade und optimierte Grundrisse schaffen hochwertige Arbeitswelten.

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