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1|2015
Die Wahrnehmung von Sicherheit im Wohnum-
feld durch die Bewohner wird vor allem durch die
alltäglichen Gefährdungen der Sicherheit sowie
durch Störungen der öffentlichen Ordnung ge-
prägt. Dabei sind Sicherheit und Ordnung in der
Stadt und der oft fließende Übergang zwischen
beidem immer wieder kontrovers diskutierte
Themen.
Was die einen als urbanes Lebensgefühl empfin-
den, sehen andere als Bedrohung oder gar Sach-
beschädigung. Auch bezieht sich die Sicherheit
imWohnumfeld in der Regel auf im öffentlichen
Raumwahrnehmbare Formen von Ordnungsstö-
rungen oder Kriminalität. Andere Formen von
Kriminalität, die ggf. sogar größeren gesamt-
gesellschaftlichen Schaden anrichten, bleiben
dagegen weitgehend unsichtbar.
Gewährleistung von Sicherheit
Für die Gewährleistung von Sicherheit in den
Städten ist zunächst die Polizei zuständig; die
Erwartungen der Bürger richten sich aber auch
an die Kommunen und im Wohnbereich auch
an die Unternehmen der Wohnungswirtschaft.
Die Ergebnisse von Kommunalbefragungen des
Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu)
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zeigen
die Vielfalt der Akteure, die zusammenarbeiten,
um sichere Städte zu gewährleisten: Polizei und
Feuerwehr, Bauverwaltung, Jugendämter, Sozial-
ämter und Schulämter, einzelne Bürger, Vereine
und Vertreter der Kommunalpolitik werden z. B.
von Ordnungsämtern als Kooperationspartner
genannt.
DieWohnungswirtschaft ist für mehr als die Hälf-
te der vom Difu befragten Stadtplanungsämter
ein wichtiger Partner im Bereich der urbanen
Sicherheit. Urbane Sicherheit kann also als eine
gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe verstan-
den werden.
Sicherheitsrelevante Aspekte, insbesondere im
Bereich der Kriminalprävention, werden auch in
die Entwicklung von Quartieren integriert. Im
Rahmen der städtebaulichen Kriminalprävention
imWohnumfeld geht es um die Schaffung siche-
rer öffentlicher Räume, deren Belebung und den
Umgang mit Nutzungskonflikten. Konzepte dafür
wurden für unterschiedliche Stadtbereiche von
Großwohnsiedlungen über Einfamilienhausge-
biete bis zu Gewerbegebieten entwickelt.
Technische und soziale Maßnahmen
Auch technische Maßnahmen im Wohnumfeld,
wie beispielsweise die Installation von Videoka-
meras, die Verbesserung des Einbruchsschutzes
oder veränderte Beleuchtungskonzepte können
zur Sicherheit im Wohnumfeld beitragen. Hier
zeigt sich, dass diese vor allem dann erfolgreich
sind, wenn sie in breitere Strategien der Krimi-
nalprävention eingebunden werden.
Weitere organisatorische Maßnahmen der Krimi-
nalprävention können die Sicherheit im Wohn-
umfeld verbessern. Dazu gehören beispielsweise
Projekte zur Stärkung des sozialen Miteinanders
und zur aktiven Einbeziehung von Bewohnern in
die Quartiersentwicklung, die Einrichtung von
Vor-Ort-Büros verschiedener Akteure und die
Kooperation der Beteiligten.
Die Integration von Sicherheitsaspekten in die
Quartiersentwicklung sollte nicht zu einer „Ver-
sicherheitlichung“ führen. Es muss beispielswei-
se klar sein, das nicht jeder Nutzungskonflikt die
Ordnung beeinträchtigt und nicht jede Störung
eine Bedrohung der Sicherheit ist. Ist das Quartier
der Bezugsrahmen für kriminalpräventive Maß-
nahmen, geht damit auch die Gefahr einher, zur
Stigmatisierung der betroffenen Quartiere beizu-
tragen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass Ak-
teure davor zurückschrecken, sich der Schaffung
sicherer Quartiere zu widmen. Die Beschäftigung
mit Sicherheit imQuartier bedeutet nicht, dass es
sich um ein besonders unsicheres Quartier han-
delt, sondern dass die Erwartungen aller Bürger
an die Lebensqualität ernst genommen werden.
Forschung
Der Kriminalprävention imWohnumfeld widmet
sich auch ein gemeinsames Forschungsvorhaben
namens „Transdisziplinäre Sicherheitsstrategien
für Polizei, Wohnungsunternehmen und Kom-
munen (TRANSIT)“ des Landeskriminalamts
Niedersachsen und des Deutschen Instituts für
Urbanistik zusammen mit der F+B Forschung und
Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt
GmbH
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. Es soll transdisziplinäre Sicherheitsstra-
tegien für Polizei, Kommunen und Wohnungs-
wirtschaft und kriminalpräventive Maßnahmen
imWohnumfeld untersuchen und so aufarbeiten,
dass sie in die Alltagsorganisation und in das All-
tagshandeln der einzelnen Beteiligten eingebet-
tet werden können.
Hanna Blieffert
Arbeitsbereich Wirtschaft und
Finanzen
Deutsches Institut für Urbanistik
Berlin
Holger Floeting
Arbeitsbereich Wirtschaft und
Finanzen
Deutsches Institut für Urbanistik
Berlin
Fotos: David Ausserhofer
Das Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“ ist ein För-
derprogramm der Bundesregierung. Unter Federführung des Bundes-
ministeriums für Bildung und Forschung trägt es vor dem Hintergrund
globaler Herausforderungen dazu bei, die zivile Sicherheit in Deutsch-
land zu erhöhen.
In fast 200 verschiedenen Projekten arbeiten Akteure aus Wissen-
schaft, Wirtschaft und Staat gemeinsam an innovativen Lösungen, die
sich in die Praxis umsetzen lassen und zu unserer Gesellschaft passen.
Seit 2007 wurden im Programm knapp 400 Mio. € Fördermittel zur
Verfügung gestellt. Einen Schwerpunkt bildet die urbane Sicherheit. Hier werden aktuell zehn
Projekte gefördert.
Eines dieser zehn Projekte ist das Forschungsvorhaben „Transdisziplinäre Sicherheitsstrate-
gien für Polizei, Wohnungsunternehmen und Kommunen (TRANSIT)“. Es wird gefördert vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung.
RAHMENPROGRAMM „FORSCHUNG FÜR DIE ZIVILE SICHERHEIT“
Weitere Informationen:
d
Neubau und Sanierung
Energie und Technik
Rechtssprechung
Haufe Gruppe
Markt und Management
Stadtbau und Stadtentwicklung
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Nähere Informationen in: Floeting, H./ A. Seidel-Schulze,
Sicherheit in der Stadt – eine Gemeinschaftsaufgabe.
Difu-Paper, Berlin 2012. Rahmenbedingungen, Praxis-
beispiele und internationale Erfahrungen werden von
Wissenschaftlern und Praktikern auch im aktuellen Band
der „Edition Difu - Stadt Forschung Praxis“ dargestellt:
Floeting, H. (2015): Sicherheit in der Stadt. Berlin 2015.
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Assoziierte Partner sind der Verband der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e.V.
(vdw), der Niedersächsische Städtetag, die Polizeiaka-
demie Niedersachsen, das Design Against Crime Solution
Centre (DAC) der University of Salford, das Laboratorio
Qualitá urbane e Sicurezza des Politecnico di Milano und
die Gruppe Planung der Stadtbaudirektion der Stadt
Wien.