mit mehr als 30 lokalen Vereinen. Mehr als 200
Ehrenamtliche engagieren sich, als Hausbetreuer,
Concierge oder in Mieterbeiräten. Auf der Stadt-
teilkonferenz tauschen die vielen Akteure regel-
mäßig ihre Erfahrungen aus und bereiten Aktionen
wie „Gemeinsam für ein sauberes Wohngebiet“
oder das jährliche Stadtteilfest vor.
Sogar alte Mieter kommen zurück
Ein weiterer Baustein für den neuen Roten Berg
war die Sanierung der Gebäude, die 2009 begann.
Fassaden wurden neu und fröhlich gestaltet, mit
Zebra, Giraffe und Palme wurden optische Anlei-
hen vom benachbarten Zoo genommen. 4 Mio. €
wurden in diverse Sanierungsmaßnahmen mit
energetischem Schwerpunkt investiert. Die Re-
duzierung der Nebenkosten kommt vor allemden
Mietern zugute. Der Kraftakt führte zum Erfolg:
Nach fünf Jahren ist ein buntes Miteinander im
Viertel entstanden. Wärmer, menschlicher und
sauberer sei es geworden, ist die einhellige Mei-
nung. „Die Mieter interessieren sich wieder für-
einander, für ihr Umfeld und bringen sich ein“,
sagt eine Bewohnerin.
„Man spürt bereits beim Betreten des Gebietes,
dass sich der Rote Berg positiv entwickelt“, er-
gänzt Schönherr. Vandalismusschäden und Graffi-
tischmierereien gibt es kaummehr, der Leerstand
liegt nur noch bei 2%, die durchschnittlichen
Mieterlöse konnten um rund 30 % gesteigert
werden. Damit hat sich das Projekt auch für die
KoWo „gelohnt“. Inzwischen investieren auch
andere Eigentümer wieder in ihre Häuser; damit
verbessert sich das Image des Roten Bergs weiter.
Neumieter kommen aus allen sozialen Schichten,
sogar alte Mieter kehren zurück. „Die Wohnungen
sind praktisch, geräumig undmit einer Kaltmiete
von 4,29 €/m
2
günstig. Der Fahrstuhl hält in den
17-geschossigen Häusern in jeder Etage, die Be-
wohner fühlen sich sicher, weil sich die Nachbarn
umeinander kümmern, im Eingang der Mieter-
concierge hinter einer Glastür sitzt und ohnehin
überall etwas los ist“, zählt sie die Vorzüge auf.
Vorbildfunktion
„Der Kommunalen Wohnungsgesellschaft ist es
auf unspektakuläre, aber deshalb umso nach-
haltigere Weise gelungen, den sozialen Zusam-
menhalt in einem ehemals von Leerstand und
sozialen Problemen gekennzeichneten Wohnge-
biet zu fördern“, würdigte die Jury das Projekt.
„Gerade in der Normalität des Zusammenspiels
kostengünstiger und niedrigschwelliger Ange-
bote für die Mieter liegt hier das Vorbildhafte.“
Tatsächlich sind die Maßnahmen nicht besonders
teuer: Etwa 50.000 € im Jahr wendet die KoWo
für die sozialen Projekte auf, die ohne staatliche
Förderung auskommen. Finanziert werden sie aus
dem ehemaligen Marketing-Etat, denn das kom-
munale Unternehmen verzichtet inzwischen auf
jede Formöffentlicher Werbung, ob Imagekampa-
gne, Plakatwerbung oder Kugelschreiber. „Schön,
dass wir unsere 13.000Wohnungen trotzdemver-
mieten können“, kommentiert Marketingleiterin
Schönherr mit leichter Ironie.
Auch um die dauerhafte Beständigkeit der Pro-
jekte macht man sich imUnternehmen keine Sor-
gen: „Die Mieter haben durch ihre Eigeninitiative
Interesse an der langfristigenWeiterführung und
Weiterentwicklung der Projekte. Die KoWo wird
weiterhin die Räumlichkeiten für alle Projekte
kostenfrei zur Verfügung stellen, wird Ansprech-
partner für alle Akteure bleiben, ihnen mit Rat
und Tat zur Seite zu stehen, sie weiterhin moti-
vieren und das Engagement vor Ort würdigen“,
erklärt sie.
Zwei Gutachten zur Sozialrendite, die die KoWo
in den Jahren 2009 und 2012 erstellen ließ, be-
weisen, dass der Aufwand für das Unternehmen
in günstigemVerhältnis zumwirtschaftlichen wie
sozialen Ertrag steht. „Der Zusatznutzen für das
Gemeinwesen ist nicht hoch genug einzuschätzen
und zeigt, welchen gesellschaftlichen Mehrwert
ein kommunales Wohnungsunternehmen neben
seiner klassischen Aufgabe als Vermieter für die
Stadt erbringen kann. Wir freuen uns, wenn wir
damit Anregungen schaffen und in Erfurt Interes-
se wecken, weitere Projekte anzustoßen, um die
Wohnquartiere für unsere Bürger weiterzuentwi-
ckeln“, betont KoWo Geschäftsführer Friedrich
Hermann.
Wichtig waren die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, auch wenn sie erst nach den
sozialen Projekten starteten. Sie sind sichtbares Zeichen des Neuanfangs und Aufbruchs am Roten Berg
Wer ein rüstiger Rentner bleiben möchte, muss auch trainieren. Die Seniorensportgruppe KoWo Sport –
hier nutzen engagierte Mieter die von der KoWo zur Verfügung gestellten Räume
Quelle aller Fotos auf dieser Seite: KoWo
STÄDTEBAU UND STADTENTWICKLUNG
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12|2014