Interview 45 tagen: Viele Unternehmen planen ihre Außendienstmeetings oder ihre Führungskräftetagungen bis ins Detail — und kümmern sich nicht um ein Abendprogramm. Ein Fehler? Maik Hörz: Aus meiner Sicht, ja. Eine Tagung endet für die meisten Teilnehmenden nicht mit dem letzten Programmpunkt im Tagungsraum. Sie geht am Abend weiter, nur informeller. Genau dort beim gemeinsamen Essen oder an der Bar, entstehen Gespräche, die im offiziellen Rahmen oft gar nicht stattfinden. Ich gehe davon aus, dass am Stammtisch mehr Geschäfte und neue Ideen entstanden sind als in vielen formellen Sitzungen. Reicht dafür schon ein Zusammensitzen in einer Bar? Ein Lagerfeuer mit Marshmallows und einer Flasche Bier hat nach Corona teilweise schon genügt, weil die Menschen das Bedürfnis hatten, gemeinsam wieder etwas zu erleben. Das ist zwar noch kein strukturiertes Teamevent, aber genau darin liegt seine Stärke. Die Teilnehmenden entdecken sich am Abend persönlich, testen Gedanken und bauen Vertrauen auf, ohne dass ein Moderator dazwischensteht. Wer allerdings gezielt an Kommunikation, Vertrauen oder Zusammenarbeit arbeiten möchte, braucht ein Format, das mehr leistet als reine Unterhaltung. Wo genau ziehen Sie die Grenze zwischen Rahmenprogramm und eigenständigem Event? Als wir die ersten Rahmenprogramme für unsere Tagungskunden entwickelt haben, waren das klassische Freizeit- und Unterhaltungsangebote: Go-Kart, Bogenschießen, Fackelwanderungen oder eben das Lagerfeuer. Sie bringen Menschen zusammen und sorgen für ein gemeinsames Erlebnis. In Gesprächen mit Trainern, Kunden und Teilnehmern haben wir schnell gemerkt, dass solche Aktivitäten viel mehr leisten können, wenn sie gezielt mit Seminarinhalten verbunden werden. Ein Event geht deshalb für mich weiter: Es greift Inhalte des Tages auf und überträgt theoretische Themen wie „Zusammenarbeit“ in eine gemeinsame Erfahrung. Transfer als echter Mehrwert? Ich spreche in diesem Zusammenhang gern vom „Return on Interaction“ – Menschen sollen das Hotel nicht nur mit einem abgeschlossenen Seminar oder einer gelungenen Tagung im Kopf verlassen, sondern mit gemeinsamen Erinnerungen, neuen Erkenntnissen und einer stärkeren Verbindung zueinander. Die entscheidende Frage lautet, was die Teilnehmenden aus der gemeinsamen Zeit mitnehmen. Entstehen Vertrauen, Aha-Momente oder neue Verbindungen, die auch nach der Veranstaltung Bestand haben? Ein gutes Event ist deshalb nicht nur Beschäftigung. Es schafft einen emotionalen und inhaltlichen Transfer. Können Sie das an einem konkreten Format festmachen? Sehr gut lässt sich das an unserer „Teamschmiede“ zeigen. Gemeinsam mit einem Kunstschmied entwickeln die Teilnehmenden zunächst die Idee für eine Skulptur und schmieden sie anschließend selbst. Der Schmied unterstützt fachlich, nimmt ihnen die Arbeit aber nicht ab. Dadurch entsteht immer ein individuelles Werk, und das Format eignet sich besonders für Teamentwicklung oder die gemeinsame Planung der Jahresziele. Ein Ziel wird dabei im wahrsten Sinne des Wortes in Eisen geschmiedet. Wie überzeugend war das in der Praxis? Ein herausragendes Beispiel war ein langfristiges Schmiedeprojekt für ein großes Unternehmen. Rund 350 Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen arbeiteten über mehrere Seminare hinweg an einer gemeinsamen Skulptur, jede Abteilung steuerte eigene Elemente bei. Die fertige Arbeit ist etwa neun Meter lang und vier Meter hoch und steht heute in der Eingangshalle des Unternehmens. Das ist kein einzelnes Erlebnis, sondern ein dauerhaft sichtbares Symbol der Zusammenarbeit. Genau solche Formate verstehe ich als besonders gelungenes Event. Zahlt sich dieser Aufwand beziehungsweise die Investition für die auftraggebenden Unternehmen auch wirtschaftlich aus? Dieses Format funktioniert natürlich auch bei kleinen Teams. Und unsere Kunden sind durchaus bereit, etwas mehr zu investieren, wenn ein Erlebnis lange in Erinnerung bleibt, die Zusammenarbeit im Team verbessert oder einen echten emotionalen Transfer auslöst. Nachhaltigkeit bedeutet für mich deshalb nicht nur Ressourcenschonung, sondern auch, dass eine Veranstaltung etwas hinterlässt und nicht mit dem letzten Programmpunkt sofort vergessen ist. Welche Möglichkeiten gibt es bei Spielen, die einen Abend begleiten? Sehr beliebt sind spielerische Formate, wie zum Beispiel „Quizine“, ein interaktives Dinner- und Teamquiz auf Tablets, das 2008 (damals Nokia 770) von uns entwickelt wurde. Die Teilnehmenden spielen während eines Dinners in Tischteams gegeneinander. Dabei müssen sich vier bis sechs Personen gemeinsam auf Antworten einigen, Bilderrätsel lösen, Dinge sortieren oder unterschiedliche Wissensbereiche miteinander verbinden. Das Quiz kann auch individualisiert werden, wenn der Kunde Fragen über seine Branche und Produktwelt einbringt. Die Kommunikation am Tisch ist ein wesentlicher Bestandteil des Formats. Jeder weiß etwas anderes und bringt eigene Erfahrungen ein. Der Hotelier Maik Hörz entwickelte sein Hotel Schönbuch in Pliezhausen bei Stuttgart im Laufe der Jahre zu einem bekannten, vielfach ausgezeichneten Tagungs- und Eventhotel. Ratsuchende Kollegen veranlassten ihn, eine eigene Eventagentur zu gründen, die individuelle Veranstaltungskonzepte entwickelt, bei denen die zwischenmenschliche Kommunikation im Mittelpunkt steht. Hier erklärt er, warum ein kluges Abendprogramm den Erfolg einer Tagung mitentscheiden kann.
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