Personalmagazin bAV Spezial 12/2026

Zurückhaltung beim Wechsel ist laut den GDV-Experten bei älteren Riester-Verträgen geboten. Als Gründe werden der hohe Garantiezins, die langjährig aufgebauten Ansprüche oder der bevorstehende Rentenbeginn genannt. Auch Familien mit mehreren Kindern wird empfohlen, genau zu kalkulieren und abzuwägen. Letztere Einschätzungen teilt Prof. Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Er verweist zusätzlich auf die bereits angefallenen Abschlusskosten, die bei vielen älteren Verträgen auf die ersten fünf Jahre verteilt und somit längst vollständig bezahlt wurden. Hauer: „Ein neuer Vertrag kann erneut Abschluss- und Vertriebskosten auf alle künftigen Beiträge auslösen, auch wenn diese dann über die gesamte Ansparphase verteilt werden.“ Für Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip, gibt es drei Personengruppen, für die es sich lohnt, der Riester-Rente treu zu bleiben. Erstens: Geringverdiener, wie beispielsweise oft Mütter in Teilzeit, die nur 60 Euro im Jahr einzahlen können. „Aber schon ab Einzahlungen von 25 Euro pro Monat ist ein Altersvorsorgedepot in aller Regel günstiger“, ergänzt Sulilatu. Zweitens: Wer einen sogenannten Wohn-Riester für eine eigene, selbstgenutzte Immobilie nutzt, oder dies vorhat, sollte erstmal dabei Aktienanlagen und dem Zinseszinseffekt. „Bei Anlagezeiträumen von 15 Jahren aufwärts plädieren wir für eine sehr hohe Aktienquote, möglichst von 100 Prozent“, sagt Sulilatu. Alternativ wird es aber auch bei den neuen Altersvorsorgedepots Versicherungslösungen geben, die mit geringeren Garantieniveaus wie 80 Prozent einen Mittelweg einschlagen oder gar mit einer 100-Prozent-Garantie auf RiesterSpuren unterwegs sind. Und wie ist es bei Riester-Renten, die im Rahmen der bAV abgeschlossen wurden? Nach Einschätzung des Chefredakteurs sind das nur wenige Fälle. Er nennt konkret die sogenannte Metallrente und erwar-tet, dass dort, in den Unternehmen oder Arbeitgeberverbänden der Branche, ein Altersvorsorgedepot angeboten wird, um einen Wechsel zu ermöglichen. Bei der Metallrente bestätigt man Interesse an den sich ergebenden Perspektiven, doch eine abschließende Bewertung stehe noch aus. Davon abgesehen dürfte es aufgrund der verschiedenen Produktanbieter ab 2027 für jeden eine passende Lösung geben. Um keinen Förder-Euro zu verschenken, reicht es, im Jahresverlauf den maximal förderfähigen Betrag einzuzahlen. Somit bleibt genügend Zeit, sich die künftigen Förderungen auf individuell passende Weise zu sichern. Riester-Rente Vorsorgedepot Garantie 100 Prozent Beitragsgarantie verpflichtend 0, 80 oder 100 Prozent wählbar Förderung Grundzulage 175 Euro, Kinderzulagen 185/300 Euro Beitragsbezogene Förderung: Grundzulage bis 540 Euro, Kinderzulage bis 300 Euro (je Kind) Mindesteigenbeitrag 4 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, mindestens 60 Euro 120 Euro jährlich, einkommensunabhängig Förderberechtigte vor allem rentenversicherungspflichtig Beschäftigte, Beamte; Selbstständige eingeschränkt Kreis wird erweitert, insbesondere auf alle Selbstständigen Anlage durch Garantie sicherheitsorientiert mehr Kapitalmarktanteil möglich Kosten keine vergleichbare gesetzliche Effektivkostendeckelung Standardprodukt mit maximal 1 Prozent Effektivkosten geplant Auszahlungsphase lebenslange Rente, bis zu 30 Prozent Kapitalentnahme zu Rentenbeginn möglich lebenslange Rente, zusätzlich Auszahlpläne möglich Zwei Vorsorge-Welten Quelle: GDV, Juni 2026 bleiben. Denn heute sei noch nicht klar, ob die neue Vorsorgewelt hierfür passende Angebote liefern wird. Drittens: Ein alter Riester-Bank-Sparplan, der mit geringen Gebühren verbunden ist, aber einen garantierten Zinssatz oberhalb von zwei Prozent bereitstellt. „Wenn eine solche sichere Geldanlage, frei von Aktienanlagen, gut ins Vorsorgeportfolio passt, gibt es keinen Änderungsbedarf“, so der Chefredakteur. „In den allermeisten Fällen ist ein Wechsel von der Riester-Rente ins Altersvorsorgedepot sinnvoll“, betont Sulilatu und will damit keinen Zweifel an der Grundausrichtung aufkommen lassen. Der Hauptgrund: erhebliche Kostenvorteile, die sich nach 20, 30 oder mehr Jahren in deutlichen Renditevorteilen widerspiegeln und bei monatlichen Sparraten von 100 Euro fünfstellig ausfallen können. Das Finanzportal bietet auf seiner Webseite, ähnlich wie andere Gesellschaften und Produktanbieter, Zugriff auf spezielle Online-Tools, mit denen Riester-Sparer ihre mögliche Wechselsituationen berechnen können. Geringe Kosten, hohe Renditechancen Neben den geringen Kosten basieren die Renditevorteile vor allem auf dem Garantieverzicht, den dadurch möglichen 24 Betriebliche Altersversorgung personalmagazin bAV

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