Business Schools 6 personalmagazin Business Schools 2026 KI verändert“, meint Sameer Hasija, Dean für Executive Education und für den asiatischen Campus der globalen Business School Insead, die ihren Unternehmenssitz in Frankreich hat. Laut dem Technologieprofessor läuft es immer auf zwei Fragen hinaus: „Wie schafft etwas Wert?“ und „Wie können wir diesen Wert nutzen?“. Im Fall der KI ist das noch nicht klar. Die Technologie entwickelt sich zu schnell, als dass man sich nur auf bestimmte Werkzeuge konzentrieren könnte. „Der Fokus liegt daher nicht nur auf der KI, sondern auch auf Metakompetenzen wie kritischem Denken und dem Lernen, wie man lernt.“ Insead verfolgt einen pyramidenartigen, mehrschichtigen Ansatz: Die Grundlage besteht darin, dass die Lernenden verstehen, was die Technologie ausmacht. Dann können sie damit experimentieren und praktische Erfahrungen sammeln. Anschließend werden sie in ein strategisches Szenario versetzt – sollen eine Strategie formulieren, eine Führungsherausforderung oder eine Fallstudie. Sie müssen sich überlegen, wie KI dieses Szenario verändert. Und schließlich bekommen sie Frameworks an die Hand, um einen Aktionsplan zu entwerfen. Motive für den KI-Einsatz unterscheiden sich Die Harvard Business School wiederum hat ein Vier-Säulen-Modell entwickelt, das auch andere Schulen adaptiert haben – zum Beispiel die IMD mit Hauptcampus im Schweizer Lausanne (siehe Interview ab Seite 12). Chefinnovatorin Sarah Toms setzt auf Veränderung von unten und oben. „Für Kompetenzaufbau und Kreativität braucht man bottom-up-Ansätze, für Nachhaltigkeit Prozesse und Wirkung top-down“, sagt sie. Wie die meisten Top-Schulen legt sich die IMD nicht nur auf ein Tool fest, sondern nutzt eine Multi-LLM-Plattform. Diese hat IMD 2023 in nur sechs Wochen an den Start gebracht – zuerst als Minimal Viable Product. Den 500 Führungskräften im Programm „Orchestrating Winning Performance“ sagte Toms offen: „Das ist ein Experiment. Probieren Sie es!“ Aus diesem gemeinsamen Versuch entstand ein leistungsfähiges und skalierbares Kernprodukt. Die Business School experimentiert auch mit chinesischen Modellen, vor allem mit Open Source, die sie in Europa hosten kann. „Das ist das Beste aus zwei Welten. In Autoindustrie, Telekommunikation und Green-Tech kommen derzeit unglaublich spannende Innovationen aus China“, so Toms. Wer neue Technik rechtssicher einführen will, braucht der Chief Innovation Managerin zufolge Fachleute verschiedener Disziplinen: Im Technologieteam widmen sich Mitarbeitende zu 100 Prozent dem Thema. Im Rechtsteam ist ein Jurist spezialisiert auf digitale Fragen. „Wir leben Zusammenarbeit und Unternehmertum. Das prägt auch die Beziehungen zu unseren Dozenten und zu allen, die neue Ideen in unsere Studiengänge bringen.“ Die IMD baute früh technisches Wissen auf, auch mit Partnern wie Microsoft. Das Unternehmen hilft bis heute beim Wachstum und beim Aufbau eigener Kompetenzen in Europa. Zugleich arbeitet die Business School mit kleineren Technologiefirmen zusammen, auch hier ihres Fachwissens wegen. „Vor ein paar Jahren konnte kaum jemand mit generativer KI umgehen. Deshalb müssen wir gezielt Talente für dieses Feld ausbilden.“ Für die Akad University als Fernhochschule steht Flexibilität strategisch an vorderster Stelle – auch wenn es um KI geht. „Wir setzen KI nur ein, wenn wir damit entweder als Hochschule Prozesse optimieren können oder wir damit die Kompetenzen der Full Fabric herausgegeben hat. Grundlage ist eine Online-Befragung von 1.863 Personen aus 40 Ländern im vergangenen Dezember und Januar – darunter Studierende, Lehrkräfte und Fachpersonal im Bildungsbereich, Alumni sowie Arbeitgeber. Demnach arbeiten etwa zwei Drittel der Business Schools (73 Prozent) zwar an KI-Richtlinien. Diese sind jedoch selten schon umfassend. Oft decken sie nur Teilbereiche wie die Lehre ab – regeln etwa, dass keine Vorratsdatenspeicherung erlaubt ist und Lehrkräfte und Studierende keine persönlichen Informationen nutzen dürfen. Sie lassen aber Forschung, Auswahl oder Bewertung der Lernergebnisse außen vor. Zudem seien diese Regelwerke meist reaktiv und hinkten der technischen Entwicklung hinterher. Dahinter stecke auch ein Mangel an technischem Know-how: „Besonders Schulen, die nicht Teil einer größeren, fachübergreifenden Universität sind, fehlt es oft an notwendigem Technikwissen“, so Crisp. Diese Schwierigkeiten kommen für Wirtschaftshochschulen zur Unzeit. Der Marktdruck ist groß, da KI-Wissen zunehmend über alternative, kostengünstigere Kanäle wie Youtube oder spezialisierte Online-Anbieter verfügbar ist. Dies zwingt sie verstärkt dazu, ihre teuren Vollzeit-Programme zu überdenken und flexiblere, modulare Modelle zu entwickeln. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung ihrer Zielgruppe. Das legt unter anderem eine Befragung im Auftrag der Arkansas State University Ende 2025 nahe. Unter 181 US-amerikanischen MBA-Studierenden sagten knapp neun von zehn, Automatisierung, Datenstrategie und digitale Technologien müssten ins Pflichtprogramm ihres Studiums. 59 Prozent fanden, ihr Studiengang vermittle neue Kompetenzen nicht gut genug. Mehr als jeder Zehnte hielt das eigene Programm sogar für rückständig oder veraltet. 82 Prozent erklärten, sie würden eher ein MBA-Programm wählen oder empfehlen, das gezielt auf eine technologiegetriebene Wirtschaft vorbereitet. Dafür wären sie auch bereit, mehr zu zahlen: im Schnitt 18 Prozent höhere Studiengebühren. Verschiedene KI-Strategien an Business Schools Ein ähnliches Stimmungsbild zeichnet sich in Deutschland ab. Die Hochschul-App Uni Now fragte Ende 2025 Studierende auf ihrer Plattform, in welcher Form sie sich KI-Inhalte wünschen und was Hochschulen diesbezüglich anbieten. Nur ein Drittel von 713 Studierenden sagte: KI ist fester Bestandteil meines Studiums. Ein Viertel erlebte das Thema zum Zeitpunkt der Befragung an der eigenen Hochschule gar nicht, weitere 35 Prozent nur am Rand – etwa in einzelnen Seminaren oder Projekten. Auf die Frage: „In welcher Form wünscht du dir KI-Inhalte in deinem Studium?“ antworteten 637 Studierende. Fast die Hälfte, 47 Prozent, wünschen sich mehr praktische Anwendungen und Tools, 24 Prozent wollen tiefer in Algorithmen, Ethik und gesellschaftliche Folgen eintauchen und 14 Prozent wünschen sich Projektarbeiten mit Praxisbezug. Diese Wünsche kommen nicht von ungefähr. Laut dem Bericht „See the Future“ erwarten mehr als drei Viertel der Arbeitgeber, dass Studierende schon beim Berufseinstieg Erfahrung mit KI-Tools mitbringen. Die Business Schools, die sich schon länger intensiv mit KI auseinandersetzen, haben meist eine Strategie ausgearbeitet, die zum eigenen Markenkern passt. „KI ist zweifellos wichtig, doch der entscheidende Faktor ist nach wie vor das Management. Es geht darum zu erklären, wie sich Management durch Fotos: Evelyn Freja / Connected Archives
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