und Recherche sind wir weit – das klappt gut. Aber Präsentationen erstellen, Visuals entlang einer Storyline finden – da hakt es noch“, nennt die Leiterin der Allianz U ein Beispiel. Frust gehört dazu. Manchmal spuckt die KI wenig Brauchbares aus. Manchmal kostet das Herumprobieren mehr Zeit als es spart oder die KI-Outputs generieren Mehrarbeit, Stichwort „Workslop“. Trotzdem heißt es: dranbleiben. „Was heute noch nicht geht, klappt vielleicht in vier Wochen.“ Bei Kokoschka im Team gibt es ein monatliches Meeting, in dem jedes Teammitglied eigene Use Cases präsentieren kann. Sie fragt jedes Mal aktiv danach. Die Vorbildrolle zieht allerdings nur, wenn Führungskräfte sich wirklich mit KI auskennen und eigene Erfahrungen machen. Die Initiative „Tech it Easy“ setzt hier an: Agile Master helfen bei der Unterstützung von agilen Methoden mit KI. „Wir schulen Führungskräfte intensiv. Und wir erwarten mehr von ihnen als von Mitarbeitenden ohne Führungsrolle. Sie müssen verstehen, was KI für das Geschäft bedeutet.“ Alle rund 17.000 Führungskräfte weltweit durchlaufen das Leuchtturmprogramm #Lead. In einem Jahr stehen sechs Module auf dem Plan – Resilienz, radikale Offenheit, Kommunikation und kritisches Denken. Auf der technischen Seite gehören Datenmanagement und KI zum Curriculum. Die Module sind eng verknüpft. Bei KI etwa geht es auch um kritisches Denken. Schließlich komme es darauf an, dass Menschen für KI-Ergebnisse Verantwortung tragen. „Selbst wenn KI funktioniert, bleiben Menschen am Steuer. Man kann ja nicht sagen, ‚Die KI hat’s mir so gegeben‘“, betont Kokoschka. Wer das Programm durchlaufen hat, erhält einen Leadership Passport – und soll danach pro Jahr 43 Lernstunden investieren, um am Ball zu bleiben. Das Allianz-U-Team setzt immer wieder neue Schwerpunkte. 2026 soll außerdem ein KI-Coach für Führungskräfte bereitstehen. Die Idee: schwierige Gespräche simulieren und sich gezielt vorbereiten. Daneben gibt es spezifische Leadership-Programme, die auch KI-Themen enthalten – abgestimmt auf die jeweilige Führungsebene. Bei Top- und Senior-Executives liegt der Fokus stark auf Vision und unternehmerischen Auswirkungen. Automatisierte Schadensfälle Um zu erzählen, was das alles in der Praxis heißt, sind Melanie Bloch, Teamleiterin Rechtsschutz Schaden Spezial der Allianz Versicherungs-AG, und die Schadenmanagerin Ann-Katrin Schmücker aus ihrem Team von Berlin angereist. „Immer öfter rufen Kunden an, wenn sie ein Rechtsproblem haben“, erzählt Volljuristin Schmücker. Einige Anfragen landen zuerst bei einer Anwaltshotline. Dort erhalten Kunden sofort eine erste Beratung – auch in Fällen, die nicht unter den Versicherungsschutz fallen. Zudem wenden sich Kanzleien an die Allianz, um eine Deckungszusage zu erhalten: die Bestätigung, dass der Versicherer die Kosten eines Rechtsstreits trägt. Die Unterlagen reichen sie teils unmittelbar nach dem Vorfall ein, manchmal aber auch erst lange nach Abschluss des Falls – mitunter kurz vor der Verjährung. „KI liest eingereichte Dokumente aus und legt den Schaden automatisch im Kundensystem an“, erklärt Schmücker. Es ist die erste konkrete KI-Anwendung in ihrem Team. Die Lösung erkennt Leistungsart, Datum und groben Sachverhalt. Streitwert, Instanz, versicherte Person oder zuständiger Rechtsanwalt – all das müssen die Mitarbeitenden nicht mehr selbst erfassen. Geben Kunden am Telefon ihre Schaden- oder Vertragsnummer an, öffnet sich direkt die Akte. Im Dezember bei Einführung funktionierte das in 45 Prozent der Fälle, inzwischen liegt die Quote bei 75 Prozent. Bei jedem vierten Fall scheitert die KI. Die Vorgänge landen dann bei einem Schadenmanager oder einer Schadenmanagerin, mitsamt KI-Protokoll, das unklare Punkte auflistet. „Komplexe Sachverhalte wie schwere Personenschäden erfordern ein tiefes Studium der Akten“, so Schmücker. Die KI hat auch Probleme Wenn sich jemand mit KI schwertut, sollte man nachhaken, um die Gründe zu erfahren. Auch wichtig: offene Kommunikation zu Ängsten und die Erlaubnis, Fehler machen zu dürfen. 33 Entwicklung
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