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03_2014
wirtschaft + weiterbildung
41
Seit Beginn der Ermittlung des Stunden-
satzes im Jahr 2004 stieg dieser Wert
(trotz Einbruchs im Jahr 2009) jährlich
um durchschnittlich 1,5 Prozent - deut-
lich oberhalb des Reallohnindexes, der
in diesem Zeitraum lediglich um durch-
schnittlich 0,4 Prozent anstieg. Erwar-
tungsgemäß liegen dabei die durch-
schnittlichen Stundensätze von Coa-
chings, die von den Arbeitgebern der
Klienten bezahlt wurden, mit 183 Euro
(Vorjahr: 187 Euro) deutlich höher als bei
privat gezahlten Coachings mit 124 Euro
pro Stunde (Vorjahr: 126 Euro).
Rund 41 Prozent der befragten Coachs be-
richten immerhin von einer Verbesserung
ihrer wirtschaftlichen Situation im Ver-
gleich zum Jahr 2012. 44 Prozent meinen,
keine wesentliche Veränderung feststellen
zu können und nur rund 9 Prozent muss-
ten eine Verschlechterung feststellen. Der
Trend der vergangenen Jahre, dass ein
Coach mit mehr Berufserfahrung auch
höhere Stundensätze realisieren kann,
setzte sich auch im Jahr 2013 fort.
24 Coaching-Prozesse
im Schnitt pro Jahr
Danach erzielten vor allem Profis mit
mehr als 10 Jahren Berufserfahrung als
Coach überdurchschnittliche Stunden-
sätze. Ein weiterer Faktor bei der Höhe
der Stundensätze ist die Anzahl der Coa-
ching-Prozesse, die ein Coach im Jahr
durchführt. Die durchschnittliche Anzahl
der Coaching-Prozesse je Coach erreichte
dabei mit 24,4 wieder das hohe Niveau
von 2008 (2011 und 2012 waren es rund
22 Prozesse im Jahr). Überdurchschnitt-
liche Stundensätze wurden vor allem bei
Coachs mit 30 bis 50 Prozessen pro Jahr
erzielt. Auf diese Anzahl kamen aber le-
diglich 13 Prozent der befragten Coachs.
Gleichzeitig ging die durchschnittliche
Anzahl der Stunden je Coaching-Prozess
tendenziell zurück.
Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn
man den zeitlichen Einsatz der Coachs
anschaut. Hier werden die überdurch-
schnittlichen Stundensätze von jenen
erreicht, die entweder Vollzeit arbeiten
oder sogar einen Arbeitseinsatz oberhalb
der Vollzeit erreichen. Diese Daten legen
nahe, dass der Markt diejenigen Coachs
mit überdurchschnittlichen Honoraren
belohnt, die langjährige Erfahrung als
Coach mitbringen und über eine hohe
Praxiserfahrung durch viele Coaching-
Prozesse im Jahr verfügen.
In der Literatur zum Thema Coaching fin-
det sich stets ein Kriterium, welches als
Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches
Coaching gilt: Die Freiwilligkeit. Coaching
soll gute Leute unterstützen noch besser
zu werden, indem der entwicklungsfreu-
dige Coaching-Klient einen Sparringspart-
ner auf Augenhöhe sucht und mit ihm
oder ihr spezielle Situationen reflektiert.
Doch inwiefern ist das auch die Realität
in den heutigen Unternehmen? Die Frage
„Wer gab zum Coaching den Anstoß?“
soll helfen die Antwort darauf zu finden.
Tatsächlich kam der Anstoß für das Coa-
ching nach Angaben von Coachs (67
Prozent sagten das) und den Klienten
(63 Prozent sagten das) in der Mehrheit
der Fälle vom Coaching-Klienten selbst.
Offensichtlich geht Coaching tatsächlich
in der Mehrzahl der Fälle vom Coaching-
Klienten aus, was eine gewisse Freiwil-
ligkeit unterstellt. Gleichzeitig bleibt aber
festzuhalten, dass häufig genug auch der
Anstoß vom Vorgesetzten (nach Coach-
Angaben in 18 und nach Coaching-Klient-
Angaben in 25 Prozent der Fälle) oder der
Personalabteilung kam (nach Coach-An-
gaben in 14 Prozent und nach Coaching-
Klient-Angaben in acht Prozent der Fälle).
Das heißt natürlich nicht automatisch,
dass das Coaching unfreiwillig war. Doch
entspricht das Bild des Coaching-Klien-
ten, der von sich aus nach einer Entwick-
lung strebt, nicht vollständig der Realität.
In gut einem Drittel der Fälle kommt der
Anstoß zum Coaching eben nicht vom
Klienten. Und ob die Anregung zu einem
Coaching-Prozess vom Chef oder der Per-
sonalabteilung so einfach dankend abge-
lehnt werden kann, ist zumindest zu hin-
terfragen. Was die Frage nach dem An-
stoß allerdings nicht beantworten kann,
ist die Art der Zusammenarbeit zwischen
Coach und Coaching-­Klient. Sollte sich
hier keine vertrauensvolle, freiwillige
Zusammenarbeit entwickeln (unabhän-
gig davon, wer das Coaching angestoßen
hat), so wird das Coaching wohl kaum
erfolgreich verlaufen können.
Was sind wichtige Kriterien
für die Coach-Auswahl?
Das Durchschnittsalter eines Coaching-
Klienten beträgt 46 Jahre und liegt damit
knapp unter dem durchschnittlichen
Alter der Coachs von fast 50 Jahren. Mit
Blick auf die Position im Unternehmen
zeigen die Angaben der Coaching-Klien-
ten, dass tatsächlich die meisten Klien-
ten aus dem Bereich des Managements
kommen (Top-Management 30 Prozent,
Mittel-Management 40 Prozent und un-
teres Management 17 Prozent), wohinge-
gen nur 13 Prozent der Befragten aus der
Mitarbeiterebene kamen. Immerhin 71
Prozent der befragten Coaching-Klienten
verfügen dabei über eigene Personal-
Coaching-Honorare im Jahr 2013
leicht rückläufig
Einnahmen.
Entwicklung des durchschnittlichen Stunden-Honorars
(netto für 60 Minuten) in Euro in den letzten 10 Jahren.
Quelle: Coaching-Umfrage 2013, Middendorf
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
140
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156
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