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wirtschaft + weiterbildung
03_2014
Kopper und Pohl haben sich die Mühe
gemacht, in der Praxis eine Vielzahl von
Schnelllese- und Merktechniken auszu-
probieren. Viele waren hilfreich, aber am
besten gefiel ihnen die „SQ3R-Methode“
(siehe Kasten auf dieser Seite). Die Me-
thode zwingt den Lerner dazu, zuerst Fra-
gen an einen Text zu formulieren, bevor
er ihn liest und dann das Wichtigste mit
eigenen Worten wiederholt.
„SQ3R half nicht nur, viel Zeit zu sparen,
sondern auch, das neu aufgenommene
Wissen im Langzeitgedächtnis besser
abzuspeichern“, so die Turbo-Studenten
in ihrem Buch. Man verliere sich beim
Lernen nicht in Details, strukturiere den
Lernstoff, erfasse ihn geordnet und spei-
chere ihn vernetzt im Gehirn ab. „Wir
haben keine schnellere und effizientere
Technik gefunden, denn sie verknüpft am
besten das gezielte Erfassen durch Lesen
mit dem gleichzeitigen Reflektieren des
Stoffs.“ Diese Lesetechnik wurde bereits
im Jahr 1946 entwickelt. Sie erfordert Ei-
R
geninitiative, dafür bleibt das mit ihr er-
fasste Wissen länger im Gedächtnis. Die
Methode ist zeitintensiv. Ihre Befürworter
betonen, es wäre falsch, die einzelnen
SQ3R-Schritte zusammenzufassen, denn
so geht die Effizienz der Methode schlag-
artig verloren.
Professor Fischer bestätigt, dass es sich
bei SQ3R um eine „besonders umfas-
sende Lernstrategie“ handelt, die sich in
mehreren Studien als effektiv erwiesen
hat – und das auch bei Menschen, denen
das Lernen nicht leicht falle. „Einige Stu-
dien zeigen aber auch, dass manchmal
einfaches Fragenstellen ebenso effektiv
ist wie die komplexe SQ3R-Strategie“,
gibt Fischer zu bedenken. „In letzter Zeit
wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht
besser ist, kleinere und flexiblere Strate-
gien zu vermitteln, die vielfältiger einge-
setzt werden können und nicht nur beim
Textlesen wie die SQ3R-Methode.“
Zerlegt in Einzelteile bleibt dann von der
SQ3R-Methode laut Fischer Folgendes
übrig: 1. Elaboration (neue Informatio-
nen durch Aktivieren von Vorwissen bes-
ser behalten), 2. Testing beziehungsweise
das Abrufen des Gelernten und 3. Meta-
kognition, der geplante und selbstüber-
wachte Einsatz von Lernstrategien, um
Lernziele zu erreichen.
3 Das Pareto-Prinzip nutzen
„Sich verzetteln läuft ebenso auf Zeit-
verschwendung hinaus wie Faulenzen“,
davon war Marcel Kopper immer über-
zeugt. Um das Studium in der vorgese-
henen Rekordzeit zu bewältigen, kam
es für die drei Studenten darauf an, das
Wesentliche vom Unwesentlichen zu
trennen. Dazu setzten sie auf das Pareto-
Prinzip. Der italienische Gelehrte Vilfredo
Pareto hatte bereits im 19. Jahrhundert
herausgefunden, dass es eine erstaun-
liche Beziehung zwischen Anstrengung
und Ertrag gibt: Mit einem Arbeitsauf-
wand von 20 Prozent erzielt man in der
Im Master-Studium bestens bewährt: Die SQ3R-Methode
Schnelllesetechnik.
Die Turbo-Studenten haben bekannte Lese- und Merk-Techniken ausprobiert und sich
für die SQ3R-Methode entschieden, weil sie neues Wissen schnell ins Langzeitgedächtnis bringt.
Bei der „SQ3R-Methode“ erschließt sich
ein Lernender den Inhalt eines fremden
Sachtextes in fünf Schritten. Die Buchsta-
benfolge SQ3R steht für die Abfolge fol-
gender Schritte:
1
Survey (Überblick verschaffen).
Hier geht es darum, dass man den Text
durchblättert, die optischen Elemente wie
Grafiken oder Cartoons aufnimmt und über
die visuellen Elemente einen emotionalen
Bezug zum Text herstellt. Außerdem sollte
man sich fragen „Worum wird es in dem
Text gehen?“ und „Was weiß ich bereits
darüber?“. Der Leser vergewissert sich des
vorhandenen Wissens.
2
Questions (Fragen stellen).
Das ist das Herzstück der Methode. Die
Frage, die man sich stellen muss, heißt:
Was will ich wissen, wenn ich diesen Text
lese? Der Hauptgrund, weshalb man sofort
wieder vergisst, was man gelesen hat,
besteht darin, dass man beim Lesen kei-
nen bestimmten Zweck verfolgt.
3
Read (lesen und Notizen machen).
Man muss jetzt ein leeres Blatt Papier
neben den Text legen und die wichtigsten
Fakten und ihre Bedeutung aus dem Text
herausfiltern und handschriftlich notieren.
Mit diesem Teil wird man die meiste Zeit
zubringen.
4
Recite (zusammenfassen).
Man sollte kurz wiedergeben, was man sich
unter Punkt 3 notiert hat. Dabei sollte man
sich die Notitzen laut vorlesen, um sich die
Zusammenfassung einzuprägen. Indem
man sich die Information noch einmal
akustisch vergegenwärtigt, wird sie besser
hängen bleiben. Anschließend sollte man
sich zehn Minuten Pause gönnen. Das ist
notwendig, um dem Gehirn dabei zu helfen,
Informationen ins Langzeitgedächtnis zu
speichern. Bei dem Kapitel „Recite“ kommt
es darauf an, dass man laut spricht, weil
das das Gehirn beim Lernen unterstützt –
insbesondere, wenn man auf seine Unter-
lagen verzichtet und aus dem Kopf heraus
die Wiederholung startet. Die Fragen, die
man sich unter Punkt 2 gestellt hat, sollten
natürlich vollständig beantwortet sein,
ansonsten muss man den Text noch einmal
lesen oder sich zusätzliche Informationen
beschaffen.
5
Review (wiederholen).
Dazu hat man seine schriftlichen Noti-
zen gemacht; Man nutzt sie jetzt, um die
Inhalte noch einmal zu wiederholen und so
dafür zu sorgen, dass sie im Gedächtnis
abgespeichert werden.