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wirtschaft + weiterbildung
03_2014
Initiativen im EU-Ausland gegen hohe
Abbruchquoten
AUSBILDUNG
Initiativen.
Junge Menschen sollen europa-
weit in der Ausbildung gehalten werden.
Wissensarbeit nimmt heute
einen großen Stellenwert in
den Unternehmen ein. Doch
wie ist es um die Wissenspro-
duktivität in den Unterneh-
men bestellt? Hier herrscht
noch einiger Nachholbedarf,
belegt eine Studie von Haufe-
Lexware in Zusammenarbeit
mit dem Institut für Markt-
forschung (MIFM) München.
Denn immerhin jeder Vierte
der 300 Studienteilnehmer gibt
an, dass ihm bei seiner Arbeit
nicht immer die richtigen Infor-
mationen und das richtige
Wissen zu Verfügung stehen.
Hauptursachen dafür sind laut
diesen Befragten, dass sie nicht
wissen, wo Informationen
abgelegt sind (71 Prozent) oder
wo sie suchen können (71 Pro-
WISSENSMANAGEMENT
zent). Zudem fehlen Tools, um
Informationen zu speichern (43
Prozent). Mehr als jeder Zweite
sagt zudem, dass Kollegen
nicht bereit sind, ihr Wissen zu
teilen.
Diese Eregbnisse überraschen
vor dem Hintergrund, dass
den befragten leitenden Ange-
stellten und Geschäftsfüh­rern
durchaus bewusst ist, wie
wichtig die Wissensproduktivi-
tät für ihr Unternehmen ist: 90
Prozent stimmen der Aussage
zu, dass ein Zusammenhang
zwischen Innovations- und
Wettbewerbsfähigkeit sowie
Wissensproduktivität besteht.
Gleichzeitig sehen 76 Prozent
Einsparpotenziale bei einem
effizienteren Umgang mit der
Ressource Wissen.
Unternehmen nutzen ihr Wissen nicht produktiv genug
Dass eine mangelhafte Wis-
sensbasis viele Risiken mit sich
bringt, zeigen weitere Antwor-
ten der Studienteilnehmer: 82
Prozent der Befragten sehen
eintretende Doppelarbeiten
als konkrete Folge von nicht
vollständiger, veralteter oder
fehlerhafter Wissensbasis an.
69 Prozent glauben, dass man
dann Aufgaben falsch erledige.
Fehlentscheidungen befürchten
66 Prozent. Weitere 53 Prozent
schätzen geringere Motivation
als Folge einer mangelhaften
Wissensbasis ein.
Die größte Herausforderung
zum Thema „Wissensproduk-
tivität“ liegt laut 61 Prozent
der Befragten entsprechend
darin, dass der Austausch von
Informationen im Unterneh-
men nicht klappt und dadurch
Mehrarbeit entsteht.
Gerade für Personalentwick-
ler interessant ist auch, wie
neue Mitarbeiter an relevantes
Wissen kommen: 84 Prozent
der Befragten geben an, dass
alte Mitarbeiter neue Kollegen
informieren. 68 Prozent nutzen
dafür das Intranet und genauso
viele setzen auf Einführungs-
veranstaltungen. Regelmäßige
Meetings sollen bei 62 Pro-
zent der Befragten die nötigen
Informatioen vermitteln. Bei 55
Prozent erfolgt der Austausch
über Infobroschüren, bei 42
Prozent über Newsletter und
bei weiteren 42 Prozent über
Arbeitsgruppen. Collaboration
Tools sind nur bei 24 Prozent
der Befragten im Einsatz.
Deutschland ist nicht das einzige EU-Land,
das Probleme damit hat, junge Menschen
im (Aus-)Bildungssystem zu halten: EU-
weit kämpfen Schulen und Ausbildungs-
betriebe mit hohen Abbrecherquoten. In
einem Kurzbericht zum Thema „Junge
Menschen in der (beruflichen) Bildung
halten“ stellt das Europäische Zentrum für
die Förderung der Berufsbildung (Cedefop)
Maßnahmen vor, die die EU-Länder ent-
wickelt haben, um die Quote der Ausbil-
dungsabbrüche zu senken. So fokussieren
sich laut dem Bericht viele Länder in der
Berufsbildung auf Lernende mit Migra-
tionshintergrund: Sie legen besonderes
Augenmerk auf den Sprachunterricht für
diese Auszubildenden. Daneben haben
einige Länder Überbrückungsprogramme
eingerichtet mit Schwerpunkt auf Karriere-
planungskompetenzen für Auszubildende.
Dort könnten junge Menschen Schlüssel-
kompetenzen erwerben oder aktualisieren.
Diese Überbrückungsprogramme bilden
Pakete, die Ausbildung in Grundkompe-
tenzen, aber auch Praktika, Coaching und
Mentoring enthalten.
In der Tschechischen Republik gibt es
laut dem Bericht Unternehmenspartner-
schaften mit Schulen. Die Lerner erhalten
dabei einen Arbeitsplatz auf ihrem Qua-
lifikationsniveau, wenn sie sich für einen
bestimmten Zeitraum vertraglich an das
Unternehmen binden.
In Litauen stellen Unternehmen Ausbil-
dungsplätze für Arbeitslose zur Verfügung
und erhalten dafür Steuererleichterungen,
berichtet das Cedefop weiter. Dort werden
außerdem arbeitspraktische Ausbildungs-
phasen in der formalen Bildung anerkannt
und früheres Lernen beziehungsweise frü-
her erworbene Erfahrung können zu einer
beruflichen Qualifikation führen.