Seite 15 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_02

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02_2014
wirtschaft + weiterbildung
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seine Furcht eingestanden. Mandela gab zu, dass er in seiner
Zeit im Untergrund viel Angst gehabt hatte. Aber als Anführer
habe er das die Leute nicht merken lassen dürfen, sondern
habe den Anschein zu wahren gehabt, mutig zu sein. Mandela
lernte, vorzugeben, furchtlos zu sein und dadurch andere zu
beeindrucken. Diese Haltung perfektionierte er während seiner
Haftzeit auf Robben Island. Dort ging er beim Hofgang aufrecht
in stolzer Haltung. Seinen Mitgefangenen, die das sahen, half
diese Haltung, den Mut nicht zu verlieren. Er war ein Rollen-
modell für sie. Auch Führungskräfte sollten sich „rollenadä-
quat“ verhalten und nicht jammern, wenn ihr Unternehmen
oder ihre Branche in einer Krise steckt, sondern zuversichtlich
voranschreiten.
2 Lass die anderen denken, sie stünden
an der Spitze.
Bei den Treffen der Stammesältesten aus Mandelas Stamm ließ
der König zuerst alle anderen sprechen. Erst als alle geendet
hatten, sprach der König und fasste zusammen, was sie gesagt
hatten. Die Aufgabe eines Chefs sei es nicht, so war Mandela
überzeugt, den Menschen zu sagen, was sie zu tun hätten,
sondern einen Konsens zu formulieren. Deshalb dürfe man
als Anführer nicht zu früh in eine Debatte eingreifen. Er selbst
verfolgte diese Taktik des Zuhörens und fasste anschließend
langsam und methodisch klug zusammen, was seine Vorredner
gesagt hatten. Auf diese Weise gelang es ihm, alle Ansichten
zu würdigen, ergänzt durch seine eigene Sicht. So gelang es
ihm immer wieder, die Dinge unauffällig in die von ihm ge-
wünschte Richtung zu dirigieren. Es sei weise, sagte Mandela,
Menschen zu überzeugen, bestimmte Dinge zu tun und sie
glauben zu lassen, es sei ihre eigene Idee gewesen.
3 Kenne deinen Feind.
Kenne das Parteiprogramm deiner Gegner besser als dein ei-
genes, sagte schon Konrad Adenauer. Mandela hatte eine
ähnliche Einstellung. Er begann die Sprache der weißen Süd-
afrikaner, das Afrikaans, zu lernen. Er wollte ihre Weltsicht
verstehen, denn er wusste, dass er eines Tages mit ihnen über
die Rassentrennung würde verhandeln müssen. Indem er die
Sprache seiner Feinde beherrschte, konnte er ihre Stärken und
Schwächen verstehen und seine Verhandlungen darauf aus-
richten. Zugleich machte er sich auf diese Weise bei ihnen
beliebt. Dazu trug auch bei, dass er sich Wissen über die Nati-
onalsportart Rugby aneignete.
4 Umarme deine Rivalen.
Vielen Mitstreitern traute Mandela in Wahrheit nicht. Dennoch
war er überzeugt davon, dass es besser sei, sich mit ihnen zu
beraten, sie in Entscheidungen einzubeziehen und mit ihnen
Lebewohl.
In Berlin legten Menschen Blu-
men vor der Südafrikanischen Botschaft
nieder. Südafrika feierte Mandela bereits
zu Lebzeiten mit mehreren sympathisch-
farbenfrohen Briefmarken.
R
Foto: catwalker / shutterstock.de