Seite 32 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_09

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personal- und organisationsentwicklung
32
wirtschaft + weiterbildung
09_2014
Arbeit anderer Mitarbeiter ist, können
Wissensmonopole entstehen. Das neu
eingeführte Wissensmanagement-System
hilft, dieses Wissen allen zur Verfügung
zu stellen.
Swisscom hat die Erfahrung gemacht,
dass die Mitarbeiter das neue Tool auch
aus diesem Grund gut angenommen
haben: Sie finden es spannend, sich mit
anderen auszutauschen, und sehen einen
Vorteil darin, das Wissen anderer für den
Erfolg der eigenen Arbeit nutzbar zu ma-
chen. „Bisher gelangte man bei Swisscom
nur mit viel Geduld und Aufwand an spe-
zifische Informationen“, berichtet etwa
Laura von Rohr, die als Business Analyst
in dem Unternehmen tätig ist. „Damit
das Ganze aber funktioniert, benötigt es
Menschen mit unterschiedlichem Fach-
und Swisscom-Wissen.“ Aber auch den
betriebswirtschaftlichen Nutzen schätzen
die User. Beat Fischer, Leiter des Compe-
tence Center Engineering East, stellt fest:
„Ich investiere jeden Tag zehn Minuten
in ‚Ask the Brain‘ und stelle somit mein
Swisscom-Wissen anderen zu Verfügung.
Meine zehn Minuten Invest generieren
einen X-mal zehn Minuten Return on In-
vest. Quintessenz: Der Gesamtaufwand
aller Swisscom-Mitarbeiter für die Suche
nach Informationen wird reduziert.“
Der Return on Invest lässt sich mithilfe
des Tools ermitteln: In einer integrierten
Funktion kann der Fragesteller nach jeder
Antwort schätzen, wie viel Zeit er durch
den Einsatz der Technologie gespart hat.
Die Summe aller User-Schätzungen be-
läuft sich bereits auf mehrere Tausend
Stunden nach den ersten zwölf Monaten.
In diesem ersten Jahr wurden auf „Ask
the Brain“ über 2.000 Fragen gestellt. 95
Prozent aller Fragen wurden beantwortet
und ein Drittel davon in weniger als einer
halben Stunde, sogar über die Hälfte der
Fragen in weniger als zwei Stunden. 75
Prozent der Antworten bewerteten die
Fragesteller mit „wirklich hilfreich “ oder
„vollständig.“ Swisscom rechnet den
betriebswirtschaftlichen Nutzen der Lö-
sung nach einem Jahr Einsatz auf über
fünf Millionen Schweizer Franken. Mit
steigender Nutzung und Vernetzung sieht
das Unternehmen zusätzliches Steige-
rungspotenzial.
Ruggero Crameri, Pascal Kaufmann
R
Foto: Swisscom
Austausch.
Früher mussten Swisscom-Mitarbeiter Informationen oft mit Aufwand
und Geduld suchen. Heute geschieht dies meist schnell und auf Knopfdruck.
Forschung an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine
Das Zürcher Softwareunternehmen Starmind Internatio-
nal AG entwickelt selbstlernende Wissensmanagement-
Systeme und implementiert diese in Unternehmen. Dabei
stützen sich die Schweizer sowohl auf neurowissenschaft-
liche Erkenntnisse als auch auf moderne Netzwerktech-
nologie. Die Nähe zu Themen wie „künstliche Intelligenz“
und „Hirnforschung“ zeigt sich bereits in den Biografien
der beiden Firmengründer: Pascal Kaufmann war zunächst
an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH)
Zürich sowie der Northwestern University, USA, als Neu-
rowissenschaftler tätig. Sein Forschungsschwerpunkt ist
und war die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.
Hintergrund.
Das Schweizer IT-Unternehmen Starmind nutzt die Erkenntnisse der Hirnforschung,
um selbstlernende Wissensmanagement-Tools zu entwickeln und zu implementieren.
Während eines Forschungsaufenthalts in Chicago entwi-
ckelte Kaufmann bereits 2001 die Idee eines künstlichen
Gehirns, auf dem Expertenwissen hinterlegt und jederzeit
abrufbar ist. Marc Vontobel, Mitgründer von Starmind und
Programmierer, schuf daraufhin die ersten Prototypen des
Systems. Die Algorithmen basierten dabei damals wie
heute auf den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen
über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Nach
einer weiteren Entwicklungsphase am Labor für künstliche
Intelligenz der Universität Zürich gründeten Kaufmann und
Vontobel schließlich 2010 zusammen die Starmind Inter-
national AG in Zürich.