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wirtschaft + weiterbildung
09_2014
Seit dem Rücktritt von Philipp Lahm macht
sich Fußball-Deutschland Sorgen um den
Nachfolger. Führungsexperte Jörg Rumpf
stellt aber fest: Das Team braucht keinen
klassischen Leader, da es traditionelle Füh-
rungsmuster durchbrochen hat.
Die Nation setzt große Hoffnung auf Lahms
Nachfolger. Wie wichtig ist ein guter Leader?
Jörg Rumpf:
Ein guter Leader ist auch heute
sehr wichtig für ein Team – aber die Anfor-
derungen haben sich geändert. Die nach-
wachsenden Generationen verlangen nicht
mehr den allwissenden Führer, der eigent-
lich alles am besten selbst machen würde.
Die deutsche Elf spiegelt die Entwicklung
in der Gesellschaft mit Migrationshinter-
gründen und gelebter Vielfalt. Eine integra-
tive Führungsfigur kann da sehr stark zum
Erfolg beitragen. Philipp Lahm war nicht
der klassische Führer, sondern dem Team-
erfolg verschrieben.
Sind traditionelle Führungsmuster überholt?
Rumpf:
Die Zeit der Alpha-Tiere in der
Führungsrolle ist definitiv vorbei. Wir
brauchen Führungskräfte, die es verstehen,
Werte zu vermitteln, Vielfalt zu erkennen
und das Team auf das gemeinsame Ziel
auszurichten. Nehmen Sie die National-
mannschaft: Der ganze Kader besteht doch
aus hervorragenden Einzelspielern mit
einem hohen Marktwert. Wie kriegt man
FÜHRUNG
sie dazu, sich einem Teamgedanken unter-
zuordnen? Der außerordentliche Teamgeist
der deutschen Mannschaft ist einem neuen
Führungsstil zu verdanken: Alle waren
auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet, das
keiner allein, sondern nur dieses Team
gemeinsam zu erreichen in der Lage war.
Das hätte klassische, hierarchische Füh-
rung niemals vermocht.
Wie sieht moderne Führung aus?
Rumpf:
Traditionelle Führung war von Ego-
zentrik geprägt. Sie hatte das Wissen und
die Macht und fühlte sich als der einzige
Erfolgsgarant, dem alle folgen mussten.
Wir haben den Begriff der „altrozentri-
schen Führung“ als Gegenbild eingeführt:
Nicht der Chef, sondern das Team steht im
Mittelpunkt.
„Die Zeit der Alpha-Tiere ist vorbei“
Im Juni fand in Hamburg der
zweite Sommerworkshop
des HR Global Network Ger-
many statt. Dabei gab es zwei
Schwerpunkte: die aktuellen
Herausforderungen der globa-
len Wirtschaft und die Human-
Resources-Szene in den Nieder-
landen. Gastreferenten aus dem
Nachbarland zeigten anhand
von Beispielen, wie Unterneh-
men sich zukunftsorientiert
positionieren können.
Der Marktforscher Lünen-
donk hat zum neunten Mal die
Umsätze der 25 größten Wirt-
schafsprüfungsgesellschaften,
Steuerberatungsgesellschaften
und Netzwerke ermittelt. Die
Top 25 konnten demnach 2013
ihren Umsatz um 5,4 Prozent
steigern. Zwischen vier und
fünf Prozent liegen auch die
Erwartungen für 2014, wobei
das Wachstum oft durch Zukauf
von anderen Unternehmensbe-
ratungen oder kleineren Wirt-
schaftsprüfungsgesellschaften
herrührt. Während im letzten
Jahr noch 97 Gesellschaften
befragt wurden, waren es im
Zeitraum Februar bis Juni 2014
noch 94 – Tendenz sinkend.
Die Marktkonzentration nimmt
weiterhin zu; kleinere Gesell-
schaften verkaufen ihr Geschäft
an größere. Zudem bleibt der
Honorardruck das größte Pro-
blem der Branche, welches ins-
besondere die marktdominie-
renden „Big 4“ mit ihrer großen
Produktpalette viel besser kom-
pensieren können.
Impulse aus den
Niederlanden
Honorardruck als
Leitmotiv
GLOBAL NETWORK WORKSHOP
LÜNENDONK-LISTE
Jörg Rumpf
ist Vice
President Leadership
Transformation der Hay
Group in Deutschland,
Österreich und der
Schweiz.
Foto: Hay Group
Die Leuphana Universität Lüneburg hat
im Auftrag der Deutschen Telekom einen
MOOC entwickelt. Hinter der Abkürzung
„MOOC“ verbirgt sich hier jedoch kein
Massive Open Online Course, sondern
ein Mentored Open Online Course. Anders
als der herkömmliche MOOC soll sich die
Mentoren-Variante durch eine intensivere
Betreuung der Lerner auszeichnen. Das
Konzept wurde im vergangenen Jahr zum
ersten Mal erprobt, und zwar im Kurs „Ideal
City of the 21st Century” unter der Leitung
WEITERBILDUNG
Vom Massive zum Mentored Open Online Kurs
des Architekten Daniel Libeskind. Während
bei Libeskind die Visualisierung einer Ideal­
stadt Thema des Mentoren-MOOCs war, hat
die Lüneburger Uni für ihren Kunden einen
Kurs zu den Themen „Unternehmergeist“,
„Innovationskraft“ und „Zusammenarbeit
in virtuellen Teams“ konzipiert. Passend
zum Auftragsunternehmen Telekom soll
der neue MOOC sowohl Grundlagenwissen
als auch die praktische Arbeit an der Ent­
wicklung innovativer Produktideen für die
Telekommunikation vermitteln.