Seite 57 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_07-08

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07/08_2014
wirtschaft + weiterbildung
57
Global.
Gerhard Rübling, Trumpf, erläuterte
seine Verhandlungserfahrungen in China.
Kongress.
Alle Vorträge und
Debatten fanden in der Großen
Halle des Cruise Center Altona
statt, was erheblich zum Open-
Space-Charakter beitrug.
Neu.
Die DGFP-Geschäftsführerin Katharina
Heuer hat ein neues Format etabliert.
Große Einigkeit herrschte darüber, dass
die Welt einen globalen Ordnungsrahmen
brauche. Allerdings war nicht erkenn-
bar, wie dieser geschaffen werden sollte.
Hickel wies zwar auf die Regulierungen
hin, die im Finanzsektor geschaffen wur-
den und die er ausdrücklich lobte. Doch
Hanns Heinrich Schumacher, Leiter der
Ständigen Vertretung Deutschland bei
den Vereinten Nationen, sah für andere
Bereiche kein Licht am Horizont. Durch
die Anschläge vom 11. September 2001
seien alle multilateralen Initiativen der
Staaten zur Verständigung über soziale
Standards zurückgeworfen worden. Auch
die Vorgänge auf der Krim und in der Uk-
raine, die zum Ausschluss von Russland
aus der G8 führten, würden internatio-
nale Absprachen erschweren.
Aus Unternehmenssicht wurde die Glo-
balisierung positiv gesehen, die Heraus-
forderungen für das Management seien
aber gewaltig. „Globalisierung ist für die
Unternehmen nicht so einfach, wie wir
uns das oft vorstellen“, räumte Gerhard
Rübling, Arbeitsdirektor von Trumpf und
Vorsitzender der DGFP ein. „Die Globa-
lisierung erlebten wir als Crashkurs in
Demut“, bekannte er, als er von langjähri-
gen Verhandlungen der Firma Trumpf mit
chinesischen Partnern berichtete.
Wissensarbeit wird ersetzt
Einen erfrischenden Blick auf die globale,
technologische Entwicklung entwarf Pro-
fessor Franz Josef Radermacher von der
Universität Ulm in seinem Vortrag: „Wir
werden von Technik überrollt“, sagte er.
Es gebe eine neue Qualität von Compu-
tern, die dem Menschen überlegen seien
und auch Auswirkungen auf die Arbeits-
welt hätten. Durch die Computertechnik
sei nicht nur die Rationalisierung von
einfachen Arbeiten bedroht, sondern
erstmals auch die Wissensarbeit. „Wir
schaffen technologische Intelligenzsys-
teme, die den Menschen ersetzen“, so
Radermacher.
Informationen würden so zum alles be-
stimmenden Produktionsfaktor – was
die Arbeitsorganisation verändere. „In
der neuen Arbeitswelt gibt es nur wenige
Spitzenpositionen, die die knappen Res-
sourcen verteilen“, wandte er sich an die
HR-Leute im Plenum und widersprach
damit allen Szenarien von „New Work“,
die von der Verflachung von Hierarchien
und der Zunahme von qualifizierten Wis-
sensjobs ausgehen. „Das ist eine Illusion.
HR muss künftig die Position am Kaffee-
automaten so aufladen, dass alle glauben,
das sei eine wichtige Aufgabe.“ Das Ma-
nagement von enttäuschten Erwartungen
wird – folgt man der Einschätzung von
Radermacher – zu einer Schlüsselaufgabe
von HR und den Führungskräften.
Im Kongress wurde viel diskutiert, auf
Vorträge mit How-to-do-Charakter wurde
bewusst verzichtet. Es gab keine paral-
lelen Vortragsveranstaltungen, alle Refe-
rate und Spotlights fanden in der großen
Halle des Cruise Center Altona statt. Über
World-Café-Elemente traten die Teilneh-
mer in Kontakt zu den Referenten und
konnten aktives Netzwerken betreiben.
Es war eine anregende Open-Space-At-
mosphäre in der Großen Halle des Cruise
Center Altona, die den Kongress zu einem
kurzweiligen und außergewöhnlichen Er-
lebnis machte.
Reiner Straub