Seite 25 - wirtschaft_und_weiterbildung_2014_07-08

Basic HTML-Version

07/08_2014
wirtschaft + weiterbildung
25
Buhse: Zu Hause im Neuland
Dr. Willms Buhse war im Juni 2009 der
Held unserer Titelgeschichte. Der Ham-
burger Unternehmensberater brachte
damals 17-jährige „Digital Natives“ mit
Konzernvorständen zusammen. Sie er-
klärten den Bossen, wie sie in die „Enter-
prise-2.0-Liga“ aufzusteigen können.
Buhse, der sich seit zehn Jahren mit der
digitalen Transformation von Unterneh-
men befasst, hat nun ein Buch veröffent-
licht, in dem Unternehmen wie Bayer,
Bosch, Deutsche Telekom und SWR
davon berichten, wie sie das Internet ver-
ändert hat.
Aus ihnen wurden digital geprägte Un-
ternehmen, die sich an Werten wie Ver-
netzung, Offenheit, Partizipation und
insbesondere Agilität orientieren. Alte
Geschäfts- und Führungsmodelle wur-
den ausrangiert. Der Autor sensibilisiert
dafür, wie wichtig es ist, beim Mentali-
tätswandel, den uns das Internet diktiert,
mitzumachen. Er zeigt eindrucksvoll,
welche ungeheuren Chancen im Netz lie-
gen. Trainer und Berater müssen dieses
Buch lesen – schon allein, weil die „Wirt-
schaftswoche“ (16. 6.) einen vierseitigen
Vorabdruck veröffentlicht hat und das
Buch so in den Chefetagen zu einem Dis-
kussionsthema geworden sein dürfte.
Bodell: Nahtoderfahrung
Lisa Bodell ist Chefin von „Futurethink“,
einer Innovationsberatung mit Sitz in
New York. Zu ihren deutschen Kunden
zählen Boehringer Ingelheim, Bosch,
AXA sowie Vodafone. Bodells Motto:
Wenn man sich schon mal mit der Vor-
stellung des Firmenzusammenbruchs be-
schäftigt hat, kann man viel beherzter die
Neugestaltung angehen.
Die Beraterin setzt auf (abteilungsüber-
greifende) Gruppenarbeiten. Ihr wich-
tigster Workshoptyp heißt „Kill the
Company“: Manager überlegen, womit
ein kapitalkräftiger Wettbewerber dem
eigenen Unternehmen schaden könnte.
Mittels Brainstorming wird gemeinsam
nach den schmerzhaftesten Angriffszie-
len gesucht. Anschließend werden die
Schwachpunkte thematisch sortiert und
gewichtet. Im Buch werden noch elf
weitere Workshop-Designs zum Thema
„Unternehmenskultur ändern“ aufgeli-
stet. Besonders beliebt sind angeblich die
sogenannten „Innovationsparties“ mit
Häppchen, Sekt und Wein. Eingeladen
sind alle, aber rein kommt nur, wer einen
schriftlichen Lösungsvorschlag zu einem
vorher definierten Problem mitbringt.
Wer neue Tools für Change-Prozesse
sucht, liegt mit diesem Buch richtig.
Vorbild: So geht Bestseller
Fragt man Lektoren, was man tun müsse,
um mit einem Fachbuch einen Bestseller
zu landen, dann erhält man den Tipp:
„Klicken Sie bei Amazon auf die Rubrik
´Bestseller´ und dann auf eine der vorge-
gebenen Unterrubriken, in die Ihr Thema
passt. Dann schauen sie sich dort die drei
Spitzenreiter an und lernen Sie am kon-
kreten Beispiel wie man es macht.“
Mitte Juni stand im Amazon-Bestseller-
Ranking in der Unterrubrik „Kreativität
für Job und Karriere“ das Buch „Durch
die Decke denken“ auf Platz eins. Dieses
Buch sollte man mit in den Urlaub neh-
men, um zu lernen, was ein modernes
Fachbuch auszeichnet:
1.
Ein nützlicher Inhalt. Wir lernen, was
ein Manager über die Innovationsme-
thode „Design Thinking“ wissen muss.
2.
Ein leicht lesbarer, bildhafter und trotz-
dem informativer Schreibstil. Dafür
wurde extra der „Brand-eins“-Journa-
list Thomas Ramge engagiert.
3.
Ein „schön“ aufbereiteter Text. Insbe-
sondere Ablaufpläne und die Toolbox
wurden von einem Layoutprofi anspre-
chend gestaltet.
Herausgekommen ist ein Buch der neuen
Art: grafisch eine Freude, verständlich,
mit praktischem Nutzen für die Leser.
Willms Buhse:
„Management by Inter-
net: Neue Führungsmodelle für Unter-
nehmen in Zeiten der digitalen Trans-
formation“, Verlag Börsenmedien,
Berlin, 2014, 240 Seiten, 24,99 Euro
Lisa Bodell:
„Kill the Company: 12
Killer-Tools für die Wiedergeburt Ihres
Unternehmens“, Campus Verlag,
Frankfurt am Main, September 2013,
223 Seiten, 34,99 Euro
Jürgen Erbeldinger, Thomas Ramge,
Erik Spiekermann (Illustrator):
„Durch
die Decke denken: Design Thinking in
der Praxis“, Redline Verlag, München,
2013, 224 Seiten, 24,99 Euro