Seite 47 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_07-08

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07/08_2013
wirtschaft + weiterbildung
47
r
Ratgeber.
Die britische Coaching-Expertin
Jenny Rogers setzt auf klare Strukturen
und lösungsorientierte Fragen.
grundsätzlich machbar erscheint. Auch
Klarheit über einen Sachverhalt zu ge-
winnen kann ein sehr erstrebenswertes
und sinnvolles Ziel sein. Geeignete Fra-
gen in dieser Phase sind laut Rogers zum
Beispiel:
• Wo genau liegt unser Fokus in diesem
Gespräch?
• Welche Hilfe brauchen Sie von mir in
Bezug auf …?
• Wenn Sie heute mit dem, was Ihnen
am Herzen liegt, aus dem Gespräch
gehen würden, was hätte sich für Sie
verändert?
• Welches Ergebnis möchten Sie aus dem
heutigen Gespräch ziehen?
Schritt 2:
Situation (Stand der Dinge)
Nun geht es darum, im Rahmen einer
Bestandsanalyse die Lücke zwischen der
idealen Lösung und der gegenwärtigen
Situation zu eruieren. Dabei sollten auch
die psychologischen und realen Kosten
erfasst werden, die entstehen, wenn der
Klient in seiner aktuellen Situation ste-
cken bleibt. Auf diese Weise wird der Kli-
ent herausgefordert, Energie für die Ver-
änderung bereitzustellen. Wichtig ist der
Autorin, dass mit der Analyse der Situa-
tion nicht zu viel Zeit verbracht wird und
sich der Fokus schnell auf das angestrebte
Ergebnis richtet. In diesem Stadium wer-
den aber noch keine Lösungen gesucht.
Nützliche Fragen dieser Phase sind zum
Beispiel:
• Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
• Was steht für Sie auf dem Spiel?
• Worin besteht die Lücke zwischen
dem, was Sie anstreben (ideales Ergeb-
nis) und der jetzigen Situation? Was
steht im Weg?
• Was wird passieren, wenn Sie nichts
tun?
• Wie wichtig ist Ihnen das Thema auf
einer Skala von 1 bis 10?
• Wie viel Energie haben Sie, um dieses
Thema anzugehen (auf einer Skala 1
bis 10)?
Schritt 3:
Choices and Consequences
(Optionen und ihre Folgen)
Diese Phase ist das Herzstück des Coa-
ching-Prozesses. Hier soll der Klient ein
Gespür für die eigenen Ressourcen und
seine Kontrollmöglichkeiten erlangen:
„When you feel resourceful you feel in
control, and when you feel in control you
feel confident.“ Das Gefühl der Kontrolle
stützt sich dabei auf das Wissen, dass
es Wahlmöglichkeiten gibt. Der Coach
ermutigt den Klienten, verschiedene
Optionen zu definieren, wobei bereits
die Möglichkeit, zwischen Handeln und
Nicht-Handeln zu entscheiden, gewürdigt
werden sollte. An diesem Punkt ist das
Auftreten einer Reihe von Hemmnissen
und Schwierigkeiten möglich und die
Frage nach den Folgen des Nicht-Han-
delns bewirkt dann oft die entscheidende
Motivation zur Veränderung. Bei der
Suche nach Optionen hat sich laut Rogers
das Brainstorming bewährt, bei welchem
ohne Wertung, spielerisch und kreativ,
alles aufgeschrieben werden sollte, was
dem Klienten zu dem Thema in den Sinn
kommt.
Außerdem sollte der Coach nie außer
Acht lassen, dass sein Gesprächspartner
vermutlich schon in der Vergangenheit
versucht hat, sein Problem zu lösen. Da-
rauf kann man respektvoll aufbauen und
Fragen stellen wie:
• Was haben Sie bereits versucht?
• Was war ansatzweise erfolgreich und
warum?
• Welche Möglichkeiten sehen Sie noch?
In einem nächsten Schritt kann der Kli-
ent diejenigen Möglichkeiten auswäh-
len, welche es wert scheinen, sich weiter
damit zu beschäftigen. Auf diese Weise
sollten sich mindestens drei brauchbare
Ideen generieren lassen. Im nächsten
Schritt werden diese hinsichtlich ver-
schiedener Kriterien auf ihre Konsequen-
zen (Vor- und Nachteile) hin untersucht.
Dabei helfen folgende Fragen:
Zeit:
Wie lange braucht diese Option
(kurz-, mittel- und langfristige Auswir-
kungen)?
Geld:
Was würde diese Option kosten?
Personal:
Welche Widerstände sind zu
erwarten? Wie könnte ihnen begegnet
werden?
Praktikabilität:
Inwieweit ist diese Op-
tion überhaupt umsetzbar?
Persönlicher Einsatz:
Was müssten Sie
selbst verändern? Welche Unterstüt-
zung bräuchten Sie?
Unbeabsichtigte negative Konsequen-
zen:
Was müsste für diese Lösung auf-
gegeben werden?
Schritt 4:
Action (Aktionsplan)
Nun entscheidet der Klient, welche der
Wahlmöglichkeiten ihm am geeignetsten
erscheint, um zum Ziel zu kommen. Die
Rolle des Coachs besteht an dieser Stelle
darin, den Klienten zu ermuntern, exakt
zu benennen, was er tun wird. Dabei
muss klar werden, dass die Verantwor-
tung für die Ausführung der einzelnen
Schritte beim Klienten selbst liegt. Der