Seite 10 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_07-08

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wirtschaft + weiterbildung
07/08_2013
Luca Parmitano.
Dem Aufenthalt im All ging Coaching auf der Erde voraus.
Neue Ausbildung zum betrieblichen
Gesundheitsmanager
Gesundheitsmanagement
Das betriebliche Gesundheits-
management steht in immer
mehr Unternehmen oben auf
der HR-Agenda. Doch das
Berufsbild „Gesundheitsmana-
ger im Betrieb“ ist bisher laut
dem Bundesverband Betrieb-
liches Gesundheitsmanage-
ment (BBGM) nicht geregelt
oder geschützt. Ein Blick auf
den in Deutschland beste-
henden Ausbildungsmarkt
offenbart diverse Aus-, Fort-
und Weiterbildungslehrgänge
im Bereich des betrieblichen
Gesundhe i t smanagement s
(BGM): Die Eingangsvoraus-
setzungen, der Ausbildungs-
umfang, Titel und Preise diffe-
rieren stark, so der BBGM. Um
bestimmte Qualitätsstandards
Coaching
Von Astronauten lernen
Ende Mai ist der italienische Astronaut
Luca Parmitano ins All gestartet. Vorher
wurde er von der Berliner Psychologin
Natalie Schuppenhauer gecoacht. Sie
erklärt, wie das Training ablief und was
auch am Boden Gebliebene von einem
Astronauten-Coaching lernen können.
Frau Schuppenhauer, was haben Sie Luca
Parmitano mit auf den Weg gegeben?
Natalie Schuppenhauer:
Das Ziel des Coa-
chings war, Luca darauf vorzubereiten,
kritische Situationen zu erkennen, vor-
wegzunehmen und ihm Tools an die Hand
zu geben, um in einer solchen Situation
gut und kompetent reagieren zu können.
Man hat nämlich festgestellt, dass bei den
meisten Vorfällen in der Luft- und Raum-
fahrt die wesentlichen Informationen mit
an Bord waren, aber nicht richtig genutzt
wurden. Man versucht also im Training,
die Situation gedanklich vorwegzunehmen
und sich optimal darauf einzustellen. Das
ist ein bisschen wie im Sport – daher kennt
man die Themen „Peak Performance Trai-
ning“ und „Mental Training“ ja schon.
Wie sehen solche kritischen Situationen
konkret aus?
Schuppenhauer:
Ein Astronaut muss auf
viele Dinge vorbereitet sein – das können
stressige Situationen während des Flugs
sein, wenn zum Beispiel ein wichtiges
Gerät ausfällt, aber auch das Aufeinander-
treffen unterschiedlicher Kulturen an Bord.
Dazu haben verschiedene Raumfahrt­
agenturen gemeinsam einen ziemlich lan-
gen Anforderungskatalog für Astronauten
erstellt: Sie sollen zum Beispiel kommuni-
zieren, im Team arbeiten, Entscheidungen
treffen, mit Stress umgehen können und die
eigene Persönlichkeit gut kennen. Dahinter
stehen dann verschiedene Verhaltenswei-
sen. Bei „Kommunizieren“ wäre das zum
Beispiel: „knapp und präzise“.
Inwiefern kann man die Herausforderungen
im All auf die im Unternehmen übertragen?
Schuppenhauer:
Es gibt hier ganz viele
Themen, die auch auf Unternehmen über-
tragbar sind, zum Beispiel: Wie arbeite ich
mit interkulturellen Teams? Wie kommuni-
ziere ich möglichst offen und transparent?
Wie schaffe ich es, dass die Informatio-
nen immer an die richtige Stelle kommen?
Wie bin ich eine gute Führungskraft?
Wie schaffe ich es, auch in Phasen der
Belas­tung produktiv und erfolgreich zu
handeln?
Was können Führungskräfte und andere am
Boden Gebliebene von Astronauten lernen?
Schuppenhauer:
Was mich an Luca und
den anderen Astronauten am meisten
beeindruckt hat, ist der Wille und das
große Interesse daran, sich immer weiter-
zuentwickeln. Als Psychologe werden Sie
ja oft so ein bisschen schief angeschaut.
Dieses Feedback habe ich von den Astro-
nauten überhaupt nicht bekommen, son-
dern: Was hast Du an Wissen, was mich
besser machen kann? Von dieser Heran-
gehensweise kann sich jeder Mensch ein
Stückchen abschneiden.
zu etablieren, hat der Verband
nun grundlegende Richtlinien
für Fortbildungsstandards ent-
worfen. Aus diesen Vorüber-
legungen und aus anderen
Quellen (zum Beispiel europä-
ischer Qualifikationsrahmen,
eine Marktanalyse und eine
Studie zum Anforderungspro-
fil von Gesundheitsmanagern)
wurde dann ein dreistufiges
Ausbildungskonzept erarbei-
tet, welches Fachkräfte adäquat
an ihre Aufgaben heranführen
und als Orientierung für andere
Ausbildungsinstitutionen die-
nen soll.
Weitere Informationen zu den
Richtlinien und dem Ausbil-
dungskonzept finden Sie unter
Foto: ESA