grundls grundgesetz
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wirtschaft + weiterbildung
09_2013
Nach einer Studie werden in Deutschland fast 33
Arbeitstage pro Jahr und Mitarbeiter verschwen-
det. An dieser Zahl haben überflüssige Meetings,
in denen die falschen Leute schlecht vorbereitet
sitzen, einen großen Anteil. Ohne eine klare und
zielgerichtete Führung breiten sich in Meetings drei
Seuchen aus:
1. Lockere Beziehungspflege-Veranstaltungen
Sie entstehen, wenn Menschen mit starker Bezie-
hungsorientierung mangelhaft vorbereitet aufeinan-
dertreffen. Im Handumdrehen gewinnen die Motive
Zusammensitzen, Kaffee schlürfen, Plätzchen
naschen und gegenseitiges Bestätigen die Ober-
hand. Alle fühlen sich gut, nichts passiert.
2. Rechthaberische Experten-Konkurrenztreffen
Sie sind der Fall, wenn mehr als zwei Experten mit
geringem Selbstwertgefühl aufeinandertreffen.
Kaum zu glauben: Intelligente Menschen mit her-
vorragender Ausbildung fallen in vorsintflutliche
Denkmuster zurück. Es geht nicht um die beste
Lösung, sondern nur ums Recht haben und das
Durchpauken der eigenen Position. Ein Hahnen-
kampf ohne brauchbare Ergebnisse.
3. Trockene Zahlen-Daten-Fakten-Events
Sie werden von selbstverliebten Theoretikern ver-
anstaltet, die am liebsten die ganze Welt mit einer
Excel-Tabelle erfassen würden. Das ist öder als
eine Telefonbuchlesung und so belebend wie eine
Wüstendurchquerung ohne Wasser. So wichtig ihre
Statistiken auch sein mögen – sie erreichen nie
das Herz der Mitarbeiter.
Die Herausforderung:
Menschen sind entweder
beziehungs- oder ergebnisorientiert. Die ersten
lieben Meetings, die zweiten hassen sie. Da aber
beide Pole wichtig sind, braucht es eine bezie-
hungsorientierte Ergebniskultur. Diese erreichen
Sie, wenn Sie die Stärken Kopf, Herz und Hand
zusammenführen. Der Kopf betrachtet die Zahlen,
Daten und Fakten. Er bringt einen klaren Blick auf
Notwendigkeiten. Das Herz sorgt für Kreativität
und Inspiration wie bei einem Künstler, der „um die
Ecke denkt“. Die Hand steht fürs Zupacken, die
Werkzeuge, das Umsetzen. Bei Teamzusammen-
stellungen müssen sich diese drei Stärken gegen-
seitig ergänzen, statt in Konkurrenz zu treten. So
wird die vielbeschworene „Vielfältigkeit“ in die
Praxis umgesetzt.
Es ist schon erstaunlich, wie leichtfertig Führungs-
kräfte mit der wertvollen Ressource Zeit umgehen.
Dass Meetings unglaublich zeit- und kostenintensiv
sind, wird oft vergessen, weil die Ernst-
haftigkeit fehlt. Diese Ernsthaftigkeit zeigt
sich in der Vorbereitung. Eine professio-
nelle Vorbereitung sorgt dafür, dass schon
beim Zusammenkommen Klarheit über
den aktuellen Stand vorhanden ist. Jeder
weiß, warum dieses Treffen wichtig ist und wohin
die Reise gehen soll.
Die Kombination von Kopf, Herz und Hand macht
Teams und deren Meetings erst rund. Fehlt der
Kopf, mangelt es am nüchternen Blick. Fehlt das
Herz, fehlen Kreativität, Leidenschaft und Enga-
gement. Fehlt die Hand, leiden das Zupacken und
Umsetzen. Das endlich zu wissen, hat aber auch
einen Nachteil: Es gibt keine Ausreden mehr für
ergebnisschwache Meetings!
Paragraf 18
Mit Kopf, Herz
und Hand – auch
in Meetings!
Boris Grundl ist Managementtrainer, Unternehmer, Autor sowie Inhaber der Grundl Leadership Akademie, die Unternehmen befähigt,
ihrer Führungsverantwortung gerecht zu werden. Grundl gilt bei Managern und Medien als „der Menschenentwickler“ (Süddeutsche Zeitung).
Sein neues Buch heißt: „Die Zeit der Macher ist vorbei. Warum wir neue Vorbilder brauchen.“ (Econ Verlag, 2012, 304 Seiten, 19,99 Euro).
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Boris Grundl
Dass Meetings unglaublich zeit- und
kostenintensiv sind, wird oft vergessen,
weil die Ernsthaftigkeit fehlt.
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