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Halle 2.2
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C.06
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Eine gemeinsame Schule für alle bis zum
zehnten Schuljahr, Auflösung der Klassen
nach dem vierten oder sechsten Schul-
jahr, ein Abenteuerprojektjahr im achten
Schuljahr (Pubertät), eine Trennung nach
dem zehnten Schuljahr in eine gymnasi-
ale Oberstufe oder eine Lehre mit weiterer
schulischer Begleitung (oder eine Berufs-
förderschule mit Lehre für alle, die den
Anforderungen des zehnten Schuljahrs
nicht gerecht wurden).
Ein Projekt als zentraler Ort
des Lernens
Bemerkenswert ist, wie Precht sich das
Lernen in Projekten vorstellt. Da späte-
stens ab der sechsten Klasse die Fächer
abgeschafft werden, sind neben den
Selbstlernphasen die Projekte der zentrale
Ort des Lernens. Jeder Schüler muss pro
Schuljahr an einer bestimmten Anzahl
von Projekten teilnehmen. Er trifft dort
auf Mitschüler unterschiedlichen Alters.
„Projekte sind eine Frage des Interesses
und der Leidenschaft. Da braucht man
nicht gleichaltrig zu sein, sondern ver-
gleichbar befähigt und motiviert“, erklärt
Precht. Um Projekte zu machen, werden
meist drei oder vier Lehrer aus verschie-
denen Fachbereichen benötigt. Außerdem
können externe Berufstätige hinzugezo-
gen werden. Precht denkt zum Beispiel
an pensionierte Experten, die als Hono-
rarkräfte engagiert werden. Es wäre aber
auch möglich, erstklassige Universitäts-
absolventen dafür zu gewinnen, vor ihrer
Karriere zwei Jahre lang an einer Schule
zu unterrichten. In mehreren Ländern
wurde dieser „Teach-First-Ansatz“ mit
Erfolg getestet.
Ein Projekt könnte zum Beispiel den Titel
„Klimawandel“ tragen. Der Erdkunde-
lehrer würde dann mit dem Physiklehrer
die meteorologischen Verhältnisse auf-
zeigen und der Politiklehrer könnte das
Phänomen der Klimakriege an der suda-
nesischen Darfur-Region erklären. Die
Schüler hätten zum Beispiel die Aufgabe,
Ideen zu sammeln, welche Lösungen
es für Klimakonflikte geben könnte. Die
Spielregeln der Wirtschafts- und Rechts-
systeme könnten so zusätzlich in dem
Projekt dargestellt werden.
Hirnforscher von Manfred Spitzer bis
Gerald Hüther sind sich laut Precht einig:
Der Mensch lernt das Allgemeine an Bei-
spielen und nicht durch das Lesen oder
gar Auswendiglernen theoretischer Texte
oder abstrakter Regeln. Dass mehrere
Lehrer in einem Projekt engagiert sind,
hat für die Schüler den Vorteil, dass sie
nicht abhängig sind von der Beurteilung
einer einzigen Person. Am Ende des Pro-
jekts begutachtet das Team der Projekt-
lehrer die Leistung der Schüler.
Selbst der „Revolutionär“ Precht kann
sich eine Schule ohne Leistungskontrolle
und ohne Leistungsziele nicht vorstellen.
„Kinder und Jugendliche wollen gefördert
und gefordert werden, um zu wachsen
und sich zu entfalten“, betont der Phi-
losoph. Die von ihm geforderte Abschaf-
fung von Zensuren bedeutet nicht, dass
ein Wettbewerb der Kinder untereinander
ausgeschlossen ist. Es dürfe jedoch kein
Zwangswettbewerb sein.
Lehrer sollten Potenziale
entfalten können
Fähigkeiten, die man in Form von Tests
sinnvoll messen könne, sollten durch
Klausuren weiterhin getestet werden. Sie
sollten aber nicht mit einer Note, sondern
mit einem (Entwicklungs-)Kommentar
versehen werden. Dazu müssen die Leh-
rer ihre Schüler sehr genau beobachten
und kennen. „Wer Ziffern-Zensuren ab-
schafft, kann das nur tun, wenn er eine
kleine Lerngruppe mit möglichst mehre-
ren Lehrern realisiert“, darüber ist sich
der Bildungsrevolutionär im Klaren. Im-
merhin wäre er damit seiner Vision ein
Stück näher gekommen: „Die Schule
macht die Jugendlichen fit für das Leben
und die Berufswelt, sie unterstützt sie
nach Kräften, ihre Potenziale zu entfal-
ten, ihre Neugier auf die faszinierende
Welt des Wissens zu lenken und sie bei
ihren Erfahrungen zu begleiten.“
Martin Pichler