02_2013
wirtschaft + weiterbildung
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Abschlussprüfung erfolgreich besteht,
erhält ein entsprechendes Zertifikat. Für
die ersten beiden Kurse von Udacity im
Frühjahr 2012 hatten sich 90.000 Stu-
dierende angemeldet. Derzeit steht das
Angebot von Udacity kostenlos zur Ver-
fügung, denn das Unternehmen wird von
verschiedenen Beteiligungsgesellschaften
mit hohen Millionenbeträgen unterstützt.
Überwiegend kurze Lernvideos
Udacity ist längst nicht mehr der einzige
MOOC-Anbieter. Im April 2012 startete
„Coursera“
grün-
det von den Stanford-Professoren Andrew
Ng und Daphne Koller. Im Gegensatz zu
Udacity entwickelt Coursera keine Lernin-
halte, sondern bietet einer stetig wachsen-
den Zahl von Partneruniversitäten eine
technische Plattform, auf der diese ihre
eigenen Kurse anbieten können. Derzeit
sind es etwa 200 Kurse, für die sich be-
reits 2 Millionen Teilnehmer aus über 190
Ländern eingeschrieben haben. Das Kurs-
spektrum umfasst nicht nur technische
Themen, sondern auch 14 Kurse in der
Rubrik „Business und Management“. Wie
bei Udacity stehen auch hier kurze Lern-
videos im Zentrum. Daneben gibt es noch
„edX“
ne gemeinsame
Initiative des Massachusetts Institute of
Technology und der Harvard University,
der inzwischen weitere Universitäten
beigetreten sind. Gerade das MIT will na-
türlich an die Tradition anknüpfen, die es
mit seiner OpenCourseWare-Initiative im
Jahr 2002 begonnen hatte. Damals war
das MIT die erste Hochschule, die ihre
Kursmaterialien offen ins Netz stellte und
damit die weltweite Bewegung der „Open
Educational Resources“ (OER) einläutete.
Für den ersten offiziellen Kurs von edX
haben sich dementsprechend im letzten
Herbst 370.000 Studierende angemeldet.
Blick zurück zu den Anfängen
Von MOOCs wird seit 2008 gesprochen.
Damals entschlossen sich zwei Kanadier,
Stephen Downes und George Siemens,
einen offenen Kurs mit dem Titel „Con-
nectivism and Connective Knowledge“
anzubieten, der sich über 12 Wochen er-
streckte und an dem 25 Studierende der
University of Manitoba und 2.300 Stu-
dierende weltweit teilnahmen. Mit Blick
auf die Zahl der Teilnehmer und den of-
fenen Charakter des Kurses setzte sich
schnell der Begriff „Massive Open Online
Course“ durch. Der erste MOOC (und
viele weitere, die dieses Konzept aufnah-
men) lehnte sich stark an die Lerntheorie
des Connectivism an: Nicht die Vermitt-
lung von Expertenwissen steht hier im
Vordergrund, sondern
1.
die Vernetzung der Teilnehmer und
2.
ihre aktive Auseinandersetzung mit
den Lernthemen.
In der Regel wird nicht auf einer vorge-
gebenen Lernplattform gelernt, sondern
die Teilnehmer nutzen die Tools und In-
strumente, die sie kennen, um sich aktiv
am Kurs zu beteiligen. Deshalb wird in
diesem Fall auch gerne von „cMOOCs“
gesprochen (cMOOCs heben auf „Know-
ledge Creation“ab), während Kurse, die
in der Nachfolge des Stanford-Angebots
Wie könnten Unternehmen von MOOCs profitieren?
1.
Unternehmen könnten gezielt einzelne MOOCs in ihre
Fachausbildungen oder Führungskräfteentwicklungen auf-
nehmen. Interne Bildungsexperten müssten im Vorfeld die
passenden Kurse auswählen, ihre Qualität prüfen und ein
breites Feld an aktuellen Selbstlernangeboten prüfen.
2.
Vor allem cMOOCs, die mehr auf die Vernetzung der Teil-
nehmer und Informationen setzen und dafür das Potenzial
von Social Media nutzen, sind hervorragende Lern- und
Experimentierfelder. Hier sollten sich Personalentwickler
selbst ein Bild von den Möglichkeiten des vernetzten Ler-
nens machen, bevor sie entsprechende Lernumgebungen
in den Unternehmen umsetzen.
3.
MOOCs unterstützen Trends im E-Learning, die auch an
anderen Stellen bereits beobachtet wurden. So stehen
kurze Videolektionen derzeit im Zentrum aller offenen
Online-Kurse. Die E-Learning-Konferenz „Online Educa
2012“ in Berlin unterstrich: „Für die Generation Z ist Video
Personalentwicklung.
Personaler werden sich schnell daran gewöhnen müssen, dass ihnen
Jobsuchende oder Mitarbeiter Zertifikate von MOOC-Anbietern präsentieren. Darüber hinaus gibt
es eine Reihe von weiteren Optionen, MOOCs und die betriebliche Weiterbildung zusammenzu-
bringen:
längst das erste Medium, um sich mitzuteilen, sich auszu-
drücken und natürlich auch zu lernen.“
4.
MOOCs setzen Trends im E-Learning: Unter dem Stich-
wort „Learning Analytics“ werden zukünftig Konzepte und
Instrumente entwickelt werden, um die vielfältigen Lernak-
tivitäten im Netz auszuwerten und gezielte Rückmeldungen
zu geben. Das kann den einzelnen Lerner betreffen, aber
auch eine Lerngruppe oder die gesamte Organisation und
reicht weit über das bekannte Bildungscontrolling hinaus.
Ein anderes Beispiel für einen Trend ist die „Gamification“.
Um zu verhindern, dass Studierende kurz nach Beginn
eines Online-Kurses Interesse und Motivation verlieren,
werden MOOC-Anbieter ihre Kurse permanent weiterentwi-
ckeln – zum Beispiel mit neuen Formen des spielerischen
Wettbewerbs oder kleinen Auszeichnungen für erfolgreiche
Lernaktivitäten.
Jochen Robes
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