11/12_2013
wirtschaft + weiterbildung
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60er-Jahre. Der Duft von Muffins, Kaffee
und Hotdogs sprachen für sich. Die Besu-
cher strömten zu diesem Stand, weil es
schwer war, außerhalb der teuren Mes-
serestaurants etwas Essbares zu bekom-
men – und weil ein Stand ohne Werbe-
botschaften erst recht neugierig machte.
„Wir wollen den Besuchern etwas Gutes
tun und freuen uns einfach auf möglichst
viele Kontakte“, so Rosenkranz, Chef von
41 (zum Teil fest angestellten) Trainern
und 13 Bürokräften. Allein der Image-
gewinn dürfte für das Team Connex er-
heblich sein, denn bereits am ersten
Messetag wurde ein Standbesuch beim
„Rosenkranz-Restaurant“ als Geheimtipp
gehandelt.
Genauso ausgefallen ging es auf dem
Stand von CSI Training, München, zu.
CSI ist die seit langem erfolgreichste ame-
rikanische TV-Serie. Eine Titelgeschichte
im „Stern“ arbeitete heraus, dass gerade
die Art der Teamarbeit, wie sie hier darge-
stellt wird, die Serie so beliebt macht. CSI
Training bietet nun spezielle Teamtrai-
nings nach US-Vorbid an: In einer Stunde
bilden die Münchener die Teilnehmer
eines Seminars zu Tatortermittlern aus,
dann sorgen sie für einen „Leichenfund“
und die Seminargruppe muss den Mord
aufklären. Anschließend wird der Team
prozess reflektiert, denn nur „durch Re-
flexion wird ein Spiel zum Lehrstück“.
Wie sehr stören die Vorträge
des Rahmenprogramms?
In eine ähnliche Richtung gehen auch die
Angebote des „Krimimobils“ aus Berlin.
Bundesweit werden „Dinner-Krimi-Ko-
mödien“ durchgeführt, bei denen das Pu-
blikum Gastrollen zugewiesen bekommt
und die Auftraggeber noch firmenspezi-
fische Besonderheiten in die Handlung
einbauen lassen können.
Reiner Voss, der 74-jährige Gründer der
Voss und Partner GmbH, Hamburg, der
sein Trainingsinstitut längst seiner Toch-
ter Julia übertragen hat, ließ sich auf
dem Messestand des Wiley Verlags als
Gast blicken. Voss und Partner ist ein Ver-
triebspartner des Wiley-Produkts „Disg-
Modell“, eines Persönlichkeitsinventars,
das menschliches Verhalten beschreiben
und analysieren will. Der Nutzen des
Werkzeugs wurde auf der Messe wer-
bewirksam in die Frage gekleidet: „Was
wäre, wenn man den Menschen ihre Be-
dürfnisse ansehen könnte?“ Die Standbe-
satzung hatte kleine Anstecker besorgt,
mit denen man eines seiner zentralen
Bedürfnisse den Mitmenschen mitteilen
konnte.
Reiner Voss, der in den 80er- und 90er-
Jahren bedeutende US-Tools wie die „Ma-
nagerkonferenz“ (Thomas Gordon) oder
das „Situative Führen“ von Ken Blan-
chard als Lizenz nach Deutschland geholt
hatte, war als Elder Trainsman nicht nur
bei den Mitarbeitern benachbarter Aus-
steller ein gefragter Gesprächspartner.
Auch mit Personalentwicklern und älte-
ren Trainerkollegen, die zufällig am Stand
vorbeikamen, entwickelten sich lebhafte
Gespräche. Dabei fiel Voss auf, dass es
Schwankungen in den Besucherströmen
gab. Immer wenn ein attraktiver Vortrag
in einer Messehalle stattgefunden habe,
sei für die Aussteller eine Besucherebbe
spürbar gewesen. So hätten die Aussteller
alleine am Mittwoch gegen nacheinander
auftretende Promi-Redner wie Richard
David Precht, Thomas Sattelberger, Ru-
pert Lay, Peter Kruse und Jutta Rump an-
kämpfen müssen. Die Messegesellschaft
sollte hier mehr Rücksicht auf die Bedürf-
nisse der Aussteller nehmen, so Voss.
Martin Pichler
Fotos: Pichler
Messerundgang II.
Viele Vor-
tragsveranstaltungen platzten
aus allen Nähten. Individueller
bedient wurden die Besucher
im „Diner“ von Wolfgang
Rosenkranz (hier mit Tochter
Janine), der auf der Messe sei-
nen 60. Geburtstag feierte. Ins
Mittelalter entführte Marketing-
berater Benjamin Schulz, Chef
der Werdewelt GmbH.
Messerundgang I.
Das Berliner „Krimimobil“ brauchte sich um Standdekorationen keine Sorgen zu machen – die Requisiten der Dinner-
krimis boten reichlich Auswahl. Reiner Voss musste sich da schon mehr einfallen lassen, um sein Disg-Profil auf den Punkt zu bringen.