Seite 21 - wirtschaft_und_weiterbildung_2013_11-12

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11/12_2013
wirtschaft + weiterbildung
21
entwickelt wurde, umfasst folgende
(stark gekürzte) Empfehlungen:
1. Voraussetzungen
Die Stiftung Warentest rät dringend dazu,
in einem „Zulassungsverfahren“ die
benötigten Vorkenntnisse abzuprüfen.
„Idealerweise“ sollte jeder angehende
Coach ein Hochschulstudium und Berufs-
erfahrung mitbringen. Ein Anbieter sollte
klarmachen, dass der Coaching-Erfolg
sehr davon abhängt, ob ein Coach eine
Beratungsbeziehung zu seinem Klienten
aufbauen und halten kann. Um bezie-
hungsfähiger zu werden, sollte der No-
vize laut Stiftung Warentest die Fähigkeit
zur Selbstreflexion und die Bereitschaft
zur Arbeit an seiner Persönlichkeit aus-
drücklich bekunden.
2. Dauer
Die „Einstiegsqualifizierung“ zum Busi-
ness-Coach sollte mindestens 250 Zeit-
stunden umfassen. Da zusätzlich Zeit für
Selbststudium, Peergroup-Treffen und
Praxisanteile wie Intervision (Coachs be-
sprechen ihre Fälle untereinander) und
Supervision einzuplanen sind, sollte sich
eine Basis-Qualifikation über mindestens
zwölf Monate erstrecken. „Diese Zahl von
250 Stunden war für uns sehr schwierig
zu bestimmen“, gibt Dr. Anett Brauner
zu. Die Stiftung Warentest schlägt sich
damit eindeutig auf die Seite derer, die
einer „langen“ Coaching-Qualifizierung
das Wort reden, weil der angehende
Coach eine Persönlichkeitsentwicklung
durchlaufen muss und weil es inhaltlich
viel zu lernen gibt, um auf die Praxis
gut vorbereitet zu sein. In Zukunft kann
man davon ausgehen, dass es Institute
mit „Instant“-Angeboten schwer haben,
weil sie mehr denn je im Verdacht stehen
werden, reine Beratungstechniker auf den
Markt zu werfen. Allerdings sollte nie-
mand leichtfertig davon ausgehen, dass
„lang“ auch gleich „gut“ ist. Die notwen-
dige Auseinandersetzung mit der eigenen
Persönlichkeit muss den Teilnehmern
auch wirklich abverlangt werden. Wie
das im Vorfeld abgeklärt werden könnte
(Vorgespräche mit Ausbilder, Befragung
von Ehemaligen?), dazu macht die Stif-
tung Warentest keine Angaben.
3. Inhalte
In ihrem Kriterienkatalog unterscheidet
die Stiftung Warentest verschiedene Arten
von Inhalten. „Sehr ausführlich“ zu be-
handeln sind folgende Punkte:
• Die Grundlagen des Coachings (berufs-
ethische Grundsätze, Werte und Hal-
tungen, Fragen des Berufsrechts und
der Vertragsgestaltung ...).
• Der Ablauf von Coachings (Ablauf eines
Coaching-Prozesses vom Erstkontakt
über Ziel- und Auftragsklärung bis zum
Abschluss und zur Evaluation ...).
• Die Rollenkonzepte (Jeder Coach muss
sich seiner Rolle als Coach bewusst wer-
den. Die Stiftung Warentest sagt, dass
jeder Coach den Unterschied von Rolle,
Person, Position und Funktion kennen
sollte. Außerdem sollte jeder Coach die
Wirksamkeit der eigenen Person im
Coaching reflektieren können, denn die
eigene Person gilt als „wesentliches In-
strument im Coaching“. Optional kann
in der Qualifikation eine individuell pas-
sende Beraterrolle entwickelt werden).
• Die psychologischen Themen (Grund-
lagen der Persönlichkeitsentwicklung
und Verhaltensänderung sowie Potenzi-
alanalyse und -entwicklung ...).
• Die Bedeutung von Veränderungspro-
zessen für das Individuum (Coachs
sollten viel über berufliche Übergänge,
Karriereplanung lernen).
• Die Handhabung von Interventions-
techniken (lernen sollte der angehende
Coach die Methoden der Situations-,
Kontext- und Auftragsklärung; personal-
und systemdiagnostische Tools; Kom-
munikationstechniken; Methoden der
Beziehungsgestaltung; Selbstreflexion
und Veränderungstechniken; Methoden
des Stress- und des Zeitmanagements;
lösungsorientierte Techniken; Problem-
lösungs- und Entscheidungstechniken;
Konfliktanalyse, -klärung und -lösung;
Techniken des Medieneinsatzes).
• Die Erweiterung der persönlichen Kom-
petenz (jede Qualifizierung sollte eine
professionelle Haltung fördern).
Die Positionierung im Berufsfeld – jeder
Coach braucht ein Coaching-Konzept, ein
Netzwerk und eine Marketing-Strategie,
um Klienten zu bekommen – sollte im
Sinne des Kriterienkatalogs der Stiftung
Warentest „ausführlich“ behandelt wer-
den. Und dann gibt es noch Inhalte, die
„etwas weniger ausführlich“ zu behan-
deln sind. Dazu gehört ein fundiertes
Wissen über Organisationen (sie sind
mehr als die Summe der Individuen, die
in ihr arbeiten), ein Wissen über Füh-
rung und Management (verschiedene
Führungsstile erkennen und den Klienten
dabei unterstützen können, seine Füh-
rungskompetenz weiterzuentwickeln)
und ein Wissen über den Umgang mit
Krisen (Konflikte können zu Krisen wer-
den, deshalb sollte der zukünftige Coach
etwas über Krisenmanagement sowie
Stressmanagement gelernt haben).
r
Team „Weiterbildungstest“.
(v.l.) Dr. Michael Cordes (Leiter), Dr. Anett Brauner
(Projektleiterin) und Alrun Jappe (redaktionelle Leiterin).
Foto: Pichler