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wirtschaft + weiterbildung
11/12_2013
Aus den rund 300 in Deutschland ange-
botenen Coaching-Ausbildungen pickte
sich die Stiftung Warentest ausgerechnet
acht weitgehend unbekannte Lehrgänge
zum Testen heraus. „Was soll diese ein-
geschränkte Auswahl?“, fragte sich die
Mehrheit der Journalisten, die von der
Stiftung Warentest nach Berlin zur Prä-
sentation der Ergebnisse eingeladen wor-
den waren. Die Selektion ergab sich aus
der Arbeitsweise der Stiftung. Sie muss
auf die Kosten achten (ein Test sollte in
einem gewissen Zeitrahmen abgeschlos-
sen sein) und über Anbieter schreiben,
für die sich möglichst viele Menschen
interessieren. Am Anfang des Tests der
Coaching-Ausbildungen standen deshalb
folgende Auswahlkriterien:
• Es kam nur eine berufsbegleitende Coa-
ching-Qualifizierung in Betracht.
• Sie sollte maximal 6.000 Euro kosten,
um für viele erschwinglich zu sein.
• Sie sollte maximal ein Jahr dauern, aber
mindestens 80 Unterrichtseinheiten
umfassen.
• Starttermin musste aus organisato-
rischen Gründen zwischen Juli und No-
vember 2011 sein.
• Die Ausbildung sollte in einer Stadt
mit mindestens 120.000 Einwohnern
stattfinden. Die Stiftung Warentest un-
terstellt hier, dass Ausbildungen „auf
dem flachen Land“ nur für wenige
Menschen (potenzielle Leser des Tests)
interessant sind. Diese Einschränkung
macht nur Sinn, wenn man davon aus-
geht, dass Reise- und Übernachtungs-
kosten bei der Auswahl eine große Rolle
spielen. In der Coaching-Szene herrscht
allerdings die Meinung vor, dass die Re-
putation des Ausbildungsinstituts wich-
tiger ist als der Ort, an dem die Ausbil-
dung stattfindet.
Mit diesen Auswahlkriterien im Nacken
blieben dann nur noch acht Ausbildungen
zum Testen übrig. Analysiert wurden sie
durch „verdeckte Inanspruchnahme“.
Von der Stiftung Warentest eigens ge-
schulte Testpersonen besuchten anonym
jeweils eine Coaching-Ausbildung von
Anfang bis Ende. Die Tester (zum Beispiel
Trainer, die Coach werden wollten) hat-
ten ein echtes Interesse an einer solchen
Qualifizierung und erfüllten die Voraus-
setzungen des jeweiligen Anbieters.
Lohn der Tester:
Eine kostenlose Ausbildung
Für die Tester bestand der Lohn „nur“
darin, (neben den Spesen) eine Coa-
ching-Ausbildung von den Warentestern
bezahlt zu bekommen. Interessanter-
weise ist die Testperson vor Ort nicht
dazu da, „ihren“ Kurs zu beurteilen. Ihre
Aufgabe ist es vielmehr, zu beobachten
und abends „sehr viele“ Fragebögen aus-
zufüllen, um die Prozesse im besuchten
Kurs zu dokumentieren. Dabei geht es
vor allem um die Erfassung der vermit-
telten Inhalte, der eingesetzten Medien
und Methoden, des Zeitmanagements
im Kurs, der Teilnehmerorientierung und
der Kursorganisation. Eine Bewertung
nimmt dann ein Gutachter vor, der den
entsprechenden Test konzipiert und die
Fragebögen erstellt hat.
Aus „forschungsökonomischen“ Grün-
den konnten die Coaching-Ausbildungen
nicht von drei unterschiedlichen Testern
zu drei verschiedenen Startterminen be-
sucht werden. Die Folge davon ist, dass
die Stiftung Warentest keine benoteten
Testurteile (von „sehr gut“ bis „man-
gelhaft“) vergeben hat. Es gibt lediglich
„Testkommentare“ zu den einzelnen
Ausbildungen. Diese beruhen auf Quali-
tätskriterien für Coaching-Ausbildungen,
die zusammen mit einem unabhängigen
Fachgutachter definiert wurden. Geprüft
wurden der Inhalt (Hat der Anbieter das
geliefert, was er versprochen hatte?), die
Vermittlung (Teilnehmerorientierung,
Praxisnähe, Hilfestellungen für Peer-
groups), das Lehrmaterial, die Kursorga-
nisation, die Kundeninformation und die
allgemeinen Geschäftsbedingungen.
„Alle geprüften Kurse eignen sich für Ein-
steiger“, fasst Dr. Anett Brauner, Projekt-
leiterin Weiterbildungstests, die Ergeb-
nisse zusammen. Besonders positiv war
laut Warentest bei allen Anbietern, dass
die persönliche Entwicklung der Teilneh-
mer gefördert und die Interventionstech-
niken ausführlich behandelt wurden.
Es gab eine hohe Praxisorientierung im
Präsenzunterricht, fast immer fand eine
Prüfung am Ende statt. Eine Zusammen-
fassung der Testkommentare zu den acht
Anbietern findet sich im Informationskas
ten auf Seite 22.
Neu: Kriterienkatalog soll zur
Professionalisierung beitragen
Einmal in Fahrt entwickelte die Stiftung
Warentest zusammen mit dem Fachgut-
achter und einem neunköpfigen Fachbei-
rat gleich noch allgemeingültige Quali-
tätskriterien für eine Basis-Qualifikation
zum Business-Coach. Die Berufsbezeich-
nung „Coach“ ist in Deutschland nicht ge-
schützt. Es gibt keine geregelte Berufsaus-
bildung und deshalb streng genommen
auch keine Coaching-„Ausbildungen“.
Die Stiftung Warentest spricht deshalb lie-
ber von Coaching-„Qualifizierungen“. Der
r
04.
Notwendige Bestandteile:
Supervision, Intervision, eige-
ner Coaching-Fall, Peergroups
05.
Zehn bis 15
Teilnehmer pro
Durchgang, kontinuierliche
Begleitung mit zwei Dozenten
06.
Jede
Qualifizierung zum
Coach
sollte mit einer Prüfung
abschließen