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wirtschaft + weiterbildung
11/12_2011
special
mba
ersten Reihe noch gab er sich zu erken-
nen. Der 72-jährige war wie immer ein
Phantom. Er war da und doch nicht da.
So unterhielt er sich zwar ungezwungen
und unbehelligt von Fotografen mit den
Ehrengästen, doch niemand begrüßte ihn
namentlich. In Heilbronn weiß man of-
fenbar, wie man mit seinem Ehrenbürger
umgehen muss.
Dieter Schwarz, der selbst nie studiert
hat, habe früh erkannt, dass man eine
gute akademische Managementausbil-
dung brauche, um junge Mitarbeiter
weiterzuqualifizieren und ans Unterneh-
men zu binden, erklärt Erhard Klotz, Ge-
schäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung.
Bereits 2005 (damals noch als Heilbronn
Business School) wurde die Schule für
Unternehmensführung gegründet und
nahm ihren Studienbetrieb zunächst mit
Master-Studiengängen von Partnerhoch-
schulen auf. 2006 erfolgte die institutio-
nelle Akkreditierung durch den Wissen-
schaftsrat und die staatliche Anerken-
nung als Fachhochschule sowie der Start
des berufsbegleitenden MBA-Programms
und des Master-Studiengangs Business
Law (LL.M.). 2008 folgten Executive Trai-
nings und maßgeschneiderte Unterneh-
mensprogramme. Seit Juni 2009 heißt die
Hochschule „German Graduate School of
Management and Law, Heilbronn”.
Im Juli 2011 gab der Wissenschaftsrat die
Reakkreditierung für weitere fünf Jahre
bekannt und schrieb in seinem Bericht:
„Jüngeren Führungskräften wird eine
praxisorientierte und internationale Aus-
bildung angeboten. Hervorzuheben ist
auch das große persönliche Engagement
der Professorenschaft. Konsequent ver-
folgt die Hochschule den Ausbau der
Forschung. Anerkennenswert sind die
Kooperationsbeziehungen der GGS Heil-
bronn zu Universitäten im In- und Aus-
land.“ Dabei kooperiert die GGS mit der
Kelly School of Business an der Indiana
University in den USA, deren Professoren
auch an der Summer School in Heilbronn
unterrichten. Zudem gibt es den Master of
Science Business Management in Koope-
ration mit der Leeds University Business
School, bei dem die Teilnehmer, im Ge-
gensatz zum MBA, keine Berufserfahrung
vorweisen müssen. Unterrichtet wird das
Programm ausschließlich von Professoren
der britischen Universität, die GGS stellt
die Infrastruktur. Der Leeds-Master ge-
hört auch zum Angebot „Master@IBM“.
Dabei können gute Bachelor-Absolventen
bei IBM einsteigen und berufsbegleitend
ein Master-Studium absolvieren. Sie be-
kommen weniger Gehalt, aber dafür das
Studium bezahlt.
„Management galt lange Zeit als etwas,
das man durch Learning bei Doing er-
lernt“, sagt Professor Dirk Zupancic,
Präsident der GGS. Doch das genüge
heute nicht mehr. „Wir wollen Manger
wissenschaftlich fundiert ausbilden.“
Derzeit bietet die Schule, die mit einem
Jahresbudget von sechs Millionen Euro
ausgestattet ist, mit dem LL.M in Busi-
ness Law und in Legal Management zwei
juristische Studiengänge sowie ein MBA-
Programm an.
Unterricht nur auf Englisch
Doch bisher stieß der berufsbegleitende
MBA eher auf schleppende Nachfrage. So
sind in den beiden pro Jahr startenden
Klassen derzeit gerade mal 35 Studenten.
Allerdings sollen es auch nicht mehr als
25 pro Klasse (insgesamt 50) werden,
Mit Lasershow und Feuerwerk wurde im
September der Bildungscampus der Die-
ter Schwarz Stiftung eröffnet. Auf einer
Fläche von 1,6 Hektar entstand hier am
Rande der Heilbronner Innenstadt ein
Campus mit vier modernen kubischen
Bauten aus Klinker und Glas, gruppiert
um eine Grünfläche. Ein Gebäude ist
die neue Heimat der German Graduate
School of Management and Law (GGS).
Die anderen beherbergen die von der
Stiftung finanzierte Akademie für Innova-
tive Bildung und Management (aim), die
sich um frühkindliche Bildung kümmert,
sowie die Außenstelle der öffentlichen
Dualen Hochschule Baden-Württemberg
(DHBW) Mosbach. Im vierten Gebäude
befindet sich das „Forum“ mit einer Aula
für 400 Personen.
Von der Schmuddelecke zum
Schmuckstück
Aus der ehemaligen Schmuddelecke sei
nun ein Schmuckstück geworden, lobte
Heilbronns Oberbürgermeister Helmut
Himmelsbach den Neubau in Anspielung
auf die einstige Brachfläche der Stadt.
Finanziert wurde der Bildungscampus
von der Dieter Schwarz Stiftung, die
wiederum durch die Ausschüttungen
der Lidl Stiftung und Kaufland Stiftung
in Neckarsulm finanziert wird. Über die
Höhe der Baukosten gibt es keine Anga-
ben. Immobilienexperten schätzen, dass
die vier Gebäude mit 12.000 Quadratme-
tern Nutzfläche etwa 35 bis 40 Millionen
Euro gekostet haben.
Natürlich gab es vor diesem Hintergrund
Lobeshymnen auf den großzügigen Stifter
Dieter Schwarz. Doch der öffentlichkeits-
scheue Lidl-Gründer saß weder in der
Die Business School
des Lidl-Gründers
UNI-PORTRÄT.
Die German Graduate School of Management and Law (GGS) in
Heilbronn ist noch recht klein, verfolgt aber ambitionierte Ziele. Im September bezog
sie einen neuen Bildungscampus, der von der Dieter Schwarz Stiftung finanziert wurde.