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wirtschaft + weiterbildung
11/12_2011
special
mba
seinem neuen Curriculum vor. So ver-
bringen die Studenten im Vollzeit-MBA
künftig rund 40 Prozent des Studiums in
Unternehmen. Gerade das Managen von
Komplexität ließe sich durch ein experi-
mentelles Lernen am besten vermitteln,
so MBA-Direktorin Martha Maznevski.
Sie sieht daher im neuen MBA-Programm
so etwas wie ein geführtes Training „on-
the-job“.
Die beiden großen Unterschiede zum Trai-
nee-Programm von Unternehmen seien
einmal die akademische Betreuung und
zum anderen die sorgfältig ausgewählten
Erfahrungen in den Unternehmen. „Wir
suchen für unsere Studenten die besten
Lernmöglichkeiten, sei es bei der Wahl
des Unternehmens oder des Landes“,
sagt Maznevski. Das MBA-Studium ist für
die Professorin daher „eine Art Trainee-
Programm mit Turbolader“.
3 MBA jetzt auch in Etappen
Ein berufsbegleitendes MBA-Studium ist
lang und teuer. Immer mehr Business
Schools bieten ihren Teilnehmern inzwi-
schen flexiblere Konzepte und die Mög-
lichkeit, einzelne Weiterbildungskurse auf
ein späteres MBA-Studium anrechnen zu
lassen. Einer der Vorreiter war die Univer-
sität St. Gallen. Dort gibt es beim Execu-
tive MBA inzwischen zwei Klassen. Eine
zieht das Studium im Klassenverband in
18 Monaten durch. In der anderen haben
die Teilnehmer 48 Monate Zeit, um die
100 Präsenztage zu absolvieren. Auch die
Anrechnung von anderen Weiterbildungs-
programmen – wie etwa das Intensivstu-
dium KMU – auf das MBA-Studium ist bei
den Schweizern inzwischen möglich. Seit
vergangenem Jahr bietet auch die ESCP
in Berlin mehr Flexibilität und hat dafür
das zehnmonatige General-Management-
Programm (GMP) neu konzipiert. Der
berufsbegleitende Weiterbildungskurs
umfasst nun in sechs Modulen die neun
Kernkurse des European Executive MBA.
Wer innerhalb von 18 Monaten nach
dem Kursabschluss noch weitere fünf
Seminare, zwölf Wahlkurse und das in-
ternationale Beratungsprojekt absolviert,
bekommt den Executive MBA. Und seit
diesem Jahr kann man auch beim neuen
Mannheim & Tongji Executive MBA der
Mannheim Business School zu einem be-
liebigen Zeitpunkt in das MBA-Programm
einsteigen oder auch nur einzelne Module
belegen. „Diese Option wird rege nachge-
fragt und wurde auch schon genutzt, ob-
wohl wir sie noch nicht aktiv beworben
haben“, freut sich Professor Jens Wüste-
mann, Präsident der Mannheim Business
School.
4 MBA trifft Consulting
Immer mehr große Unternehmensbera-
ter bieten Managerweiterbildung an und
wildern damit im Bereich der Business
Schools. Die Monitor Group hilft zum
Beispiel ihren Kunden dabei, notwendige
Managementfähigkeiten zu entwickeln.
Korn/Ferry International bietet Leader-
ship-Seminare an. McKinsey unterstützt
mit einer Akademie Unternehmen bei der
Umsetzung von Strategien. Wird es daher
eines Tages vielleicht sogar eine Koopera-
tion zwischen einer Business School und
einer großen Beratung geben? „Warum
nicht?“, sagt Dominique Turpin, Präsident
des IMD in Lausanne. Dort kombiniert
1 Facelifting für Fallstudien
Sie gilt als eine der wichtigsten Lehrme-
thoden in MBA-Programmen: Die Fallstu-
die. In ihr wird ein Szenario aus einem
Unternehmen beschrieben, anhand des-
sen die Studenten festlegen sollen, welche
Managemententscheidungen sie getroffen
hätten. Eingeführt wurde die Methode
bereits 1924 von der Harvard Business
School. Dort bestehen auch heute noch
70 Prozent des Unterrichts aus der Bear-
beitung von Fallstudien. Im Laufe ihres
zweijährigen Studiums müssen die MBA-
Studenten dort mehr als 500 Fallstudien
lösen und sich dabei durch seitenlange
Texte wühlen.
Doch nun werden die Fallstudien dank
moderner Tablet-Technologien nicht nur
digital, sondern auch deutlich interaktiver
und damit attraktiver. Auf dem iPad kann
der Student wesentlich schneller zum Bei-
spiel von einer Textstelle zu einer Tabelle
im Anhang wechseln, sich Notizen ma-
chen oder wichtige Passagen markieren.
Zudem können Videos und Podcasts in-
tegriert werden. Die Fallstudie wird daher
immer mehr zur Business-Simulation. Die
Harvard Business School will in diesem
Jahr 3.500 ihrer insgesamt 17.000 Fall-
studien in entsprechende Tablet-Formate
umwandeln.
2 Reale Probleme anpacken
Immer mehr Schulen setzen auf die Be-
arbeitung realer Probleme statt auf die
Fallstudienpädagogik. Schließlich bezie-
hen sich Fallstudien stets auf die Fälle in
der Vergangenheit. Wohl am weitesten
prescht derzeit das IMD in Lausanne in
Das iPad soll MBA-Fallstudien
attraktiver machen
TRENDS BEIM MBA.
Die Fallstudienpädagogik der amerikanischen MBA-Schmieden, die
für viele das Symbol für eine oberflächliche Managerausbildung ist, soll mittels iPad
zur Business-Simulation aufgewertet werden. Noch radikaler gehen europäische MBA-
Schulen vor, wenn sie verstärkt auf das Lernen in realen Business-Projekten setzen.