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SPEZIAL
_ZUKUNFT PERSONAL
personalmagazin 10 / 14
nächsten Schritt des Anwenders und bie-
tet die entsprechenden Menübausteine
und Hilfen an.
Anwender und Anwendung
müssen zusammenpassen
Die Kernregel im Unternehmensumfeld:
Es gibt keine allgemeingültige Usability.
Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit
hängen davon ab, dass Anwendung und
Anwender zusammen passen. Wie ist die
Aufgabe, welches Vorwissen besteht und
in welchem Kontext steht die Aufgabe?
Nicht jeder User, nicht jede Transaktion
benötigt jedes Mal die gleichen Prozess-
schritte. Nicht jede Aufgabe lässt sich
durch Modernisierung verbessern, das
wird jeder bestätigen, der die Auswahl
zwischen Tastatur und Smartphone-Dis-
play beim Schreiben einer Nachricht hat.
Die meisten Unternehmen haben nicht
das nötige Wissen oder die Ressourcen,
um solche Konzepte zu entwickeln oder
beim Einkauf von HR-Software deren
Usability testen zu können. Professor Jan
Borchers hat dazu einen eigenen Lehr-
stuhl für Medieninformatik an der RWTH
Aachen, auch spezialisierte Anbieter
leisten hier wertvolle Hilfe. In aufwän-
digen Studien wird Anwenderverhalten
getestet und typisiert. Daraus werden
mit dem Kunden Konzepte entwickelt.
Allerdings sehe es im HR-Umfeld mo-
mentan (noch) genauso „katastrophal“
aus wie überall im Unternehmens-
umfeld, sagt Borchers. Er spricht vom
„transitiven Missionieren“ und meint,
dass zunächst der Softwarehersteller
überzeugt werden muss, dann des-
sen Kunde. Meist entscheidet nämlich
noch immer der IT-Leiter und nicht
der Anwender. Borchers ist überzeugt:
„Usability wird Kernwissen werden für
Unternehmen und das ist für uns alle ein
Riesengewinn.“
Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Die Prinzipien hinter Usability sind allgemeingültig, sie lassen sich auf Consumer-
Elektronik ebenso anwenden wie auf HR-Software. Mit folgenden Kriterien sorgen Sie
bei Ihren Mitarbeitern für Spaß und Zufriedenheit beim Umgang mit der Technik.
Erstens:
Einfachheit. Jede Funktion, die Sie nicht benötigen, macht die Bedienung
komplizierter. Fragen Sie sich deshalb: Was ist wirklich die Aufgabe – des Produkts, der
Software, der Funktion?
Zweitens:
Nutzerorientierung. Die Anwenderfreundlichkeit (Usability) einer Anwen-
dung kann nicht unabhängig vom Anwender bestimmt werden. Wer wird die Software
bedienen? Beziehen Sie gegebene oder fehlende Vorkenntnisse, Ausbildungen und
Fertigkeiten in die Gestaltung ein und vor allem: Sprechen Sie Klartext und die Sprache
der Anwender.
Drittens:
Bedienbarkeit. Gestalten Sie Bildschirmlayout, das Graphical User Interface
(GUI) und die Interaktion mit dem System nach allgemeingültigen, applikationsüber-
greifenden Designprinzipien. Dazu gehören:
Intuitivität: Gute Anwendungen halten den Interaktionsaufwand klein und sinnvoll.
Sie bieten wenige Fenster, einfachen Überblick und sinnvolle Standardwerte etwa in
Drop-Down-Menüs.
Gestaltgesetze der Wahrnehmung: Wir nehmen als zusammengehörig wahr, was
auch zusammensteht. Das bedeutet, dass Funktionen dort auffindbar sind, wo sie
angewendet werden, und thematisch Zusammengehöriges auch visuell als Gruppe
erkennbar ist.
Sichtbarkeit und Feedback: An einem gut gestalteten Gerät erkennt man sofort, in
welchem Zustand es sich befindet und welche Funktionen es anbietet. Außerdem
liefert solch ein Gerät stets Informationen über getätigte Eingaben zurück – optisch,
haptisch oder akustisch. Für die Bedienbarkeit von Software bedeutet das: Funktionen
oder Eingabeelemente werden nur dann angezeigt, wenn sie benötigt werden und/
oder ausgefüllt werden können. Wiedererkennen statt Erinnern entlastet das Arbeits-
gedächtnis. Anwendungen nutzen Gewohnheiten und Erfahrungen zum Beispiel durch
natürliche Abbildungen: „Auf“ und „ab“ sind hierarchisch angeordnet. Schieberegler
steuern Licht und Lautstärke. Nur wichtige Systemmeldungen dürfen unmittelbare
Eingaben verlangen. Der Arbeitsprozess sollte nicht unterbrochen werden.
Keine Überraschungen: Benutzer sollen das System unter Kontrolle haben und nicht
von ihm überrascht werden. Ein Negativ-Beispiel ist „Clippy“, die Büroklammer, die im-
mer auftauchte, wenn jemand gerade eine Präsentation vor Publikum gestartet hatte.
Konsistenz und Kohärenz: Ähnliche Eingaben sollten ähnliches Feedback zur Folge
haben. Wiederkehrende Aufgaben werden unterstützt, indem Anwender vereinfach-
ten Zugriff auf oft verwendete Funktionen und Objekte haben.
Dialog statt Monolog: Gute Benutzeroberflächen ermöglichen einen Dialog über das
Systemverhalten, statt nur eine starre Lösung anzubieten.
Fehlertoleranz: Fehler sind menschlich. Sie gehören zur Benutzung technischer Geräte
genauso dazu wie zu unserem sonstigen Leben. Doch Fehler erzeugen Stress. Der Be-
nutzer will den Fehler möglichst schnell beheben und wieder zu seiner eigentlichen
Aufgabe zurückkehren. Die oben stehenden Usabilty-Prinzipien können viele Fehler
vermeiden.
Viertens:
Denken Sie Prozesse immer ganz zu Ende. Auf diese Weise vermeiden Sie
unnötige Aktion und Interaktion, Fehl- oder Doppeleingaben und schaffen Aktualität
und Transparenz.
So wird Technik schön und einfach
PRAXISTIPPS
DR. RALF GRÄSSLER
ist
geschäftsführender Gesell-
schafter der Veda GmbH.
QUELLE: VEDA GMBH