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Management
_Mobile Recruiting
personalmagazin 01 / 14
lich – die schwierige Handhabung. Die
Bildschirme der Mobilgeräte sind zu
klein, die Tastatur zu unkomfortabel
für längere Texte. Etliche der Studien-
teilnehmer wenden außerdem ein, dass
die Bewerbung um eine Stelle etwas zu
Ernsthaftes sei, um es mobil zu erle-
digen, wo oft die nötige Konzentration
nicht möglich sei. „Eine Bewerbung ist
kein Vorgang für unterwegs“, meinen 18
Prozent der Befragten. Sieben Prozent
sind allerdings anderer Meinung und
sehen in der mobilen Bewerbung Effizi-
enzvorteile.
In den Freitextantworten kommen bei-
de Perspektiven zum Ausdruck. Ein Teil-
nehmer schreibt: „Eine Bewerbung muss
überdacht und gemacht werden, das ist
auf einem kleinen Mobilgerät nicht mög-
lich.“ Ein anderer findet stärkere Worte:
„Wo soll das noch hinführen? Irgend-
wo ist doch Schluss mit dem App- und
Smartphone-Irrsinn.“ Noch ein anderer
argumentiert hingegen: „Ich sehe das als
eine Art Prozessoptimierung.“
Die Sicht der Recruiter
Die Personalmanager sind da weniger
skeptisch. Über die Hälfte von ihnen
(56 Prozent) kann sich eine mobile Be-
werbung oder zumindest entsprechende
mobile Unterstützungsfunktionen gut
vorstellen, so die oben erwähnte Stu-
die „Mobile Recruiting 2013“. Fast alle
der über 100 befragten Unternehmens-
vertreter zeigen sich gegenüber Mobile
Recruiting aufgeschlossen. 45 Prozent
haben schon mobile Anwendungen oder
Technologien für die Interaktion mit po-
tenziellen Bewerbern bereitgestellt, wei-
tere zwölf Prozent haben welche in Pla-
nung. Die Studienteilnehmer kommen
zum Großteil aus dem Personalbereich
(64 Prozent), seltener aus der Unterneh-
mensleitung (18 Prozent).
76 Prozent der Befragten haben die Be-
werberansprache über mobile Endgeräte
zumindest im Unternehmen diskutiert.
Die Inhalte, bei denen sie sich eine mo-
bile Bereitstellung vorstellen können,
reichen von Stellenangeboten über An-
sprechpartner und Unternehmensinfos
bis hin zu Erläuterungen zum Bewer-
bungsprozess und Anforderungsprofil.
Die mobilen Funktionalitäten können
laut den Personalern vom mobilen
Stellenmarkt bis hin zu Kontaktmög-
lichkeiten und zur mobilen Bewerbung
reichen (siehe Grafik auf Seite 37).
Mit Blick auf die praktische Umset-
zung schätzen die befragten Personaler
eine Kontaktaufnahme über eine E-Mail
zum Versand über das mobile Endge-
rät am attraktivsten ein (63 Prozent),
gefolgt von der Kontaktaufnahme über
das mobile Endgerät via „Anruf-Button“
(55 Prozent) und der Bewerbung über
ein Social-Media-Profil (54 Prozent). Ei-
ne Bewerbung mittels Weiterleitung von
online hinterlegten Bewerbungsunterla-
gen halten 53 Prozent für attraktiv, die
Bewerbung über ein ausführliches, vom
Bewerber zuvor am PC angelegtes Be-
werberprofil 53 Prozent. Die Bewerbung
über ein verkürztes Bewerbungsformu-
lar zum Ausfüllen direkt am mobilen
Endgerät wird von 52 Prozent als pra-
xisrelevant eingeschätzt.
Noch wenige Kennziffern
Mit ihrem Engagement im Mobile Re
cruiting wollen sich die Firmen auf die
zunehmende mobile Nutzung ihrer Kar-
riereangebote einstellen. Aber erst 26
Prozent der Firmen mit mobilen Ange-
boten erheben auch Kennziffern dazu.
Die meisten Unternehmen mit „Mobile
Recruiting Monitoring“ geben an, dass
zwischen elf und 20 Prozent der Besu-
che auf ihrer mobilen Karriere-Website
über mobile Endgeräte erfolgen – meist
über eine Suchmaschine, gefolgt von
externen Onlinestellenbörsen und der
Weiterleitung von der stationären Kar-
riereseite. Erst an vierter Stelle stehen
Social-Media-Kanäle wie Facebook. Be-
liebt bei den mobilen Angeboten ist vor
allem die Suche nach Stellenangeboten.
Die meisten bleiben unter fünf Minuten
auf der mobilen Karriere-Website.
Furcht vor mobilen Sackgassen
So ist es nicht verwunderlich, dass die
Unternehmen beim Mobile Recruiting
die Vermeidung von Brüchen im Kan-
didatenkontakt als größte Herausfor-
derung ansehen. Es geht ihnen darum,
eine mobile Sackgasse zu vermeiden.
Gemeint ist die Konstellation, bei der
mobile Technologien und eine mobile
Karriere-Website zur Verfügung stehen,
die weiteren Prozessschritte über den
mobilen Kanal aber nicht möglich sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Die Sichtweisen der Bewerber und der
Recruiter zum Thema gehen gar nicht
so weit auseinander. Gut 80 Prozent der
Befragten beider Studien befürworten
die mobile Stellensuche. Jeweils rund 60
Prozent wünschen eine mobile Kommu-
nikation. Bei der eigentlichen mobilen
Bewerbung gibt es indes Differenzen.
Allerdings sind die Werte da nicht ganz
vergleichbar, da die Unternehmensbefra-
gung auch mobile Teilfunktionen mit be-
rücksichtigt. Dass die Unternehmen die
mobile Bewerbung stärker favorisieren
als die Bewerber selbst, liegt vornehm-
lich in der Furcht der Unternehmen vor
der mobilen Sackgasse begründet.
„Kandidaten dürfen
nicht zum Eintritt in
Social-Media-Netzwerke
gezwungen werden,
um sich bewerben zu
können.“
Antwort aus der Online-Recruiting-Studie
„Wo soll das noch hin-
führen? Irgendwo ist
doch Schluss mit dem
App- und Smartphone-
Irrsinn.“
Antwort aus der Online-Recruiting-Studie
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