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Management
_Ausbildung
personalmagazin 03 / 14
Christiane Fink
ist Pro-
jektleiterin für den Azubiaus-
tausch bei der VTL Vernetzte-
Transport-Logistik GmbH.
sich die Azubis auch in ihrer Freizeit
engagieren müssen. So stehen vor der
Reise Workshops bei einem externen
Schulungsanbieter auf dem Programm,
in denen neben Landeskunde sowie ad-
ministrativen Sachverhalten auch sehr
persönliche Themen besprochen wer-
den: Fragen wie „Was mache ich, wenn
ich Heimweh bekomme und wie beuge
ich dem vor?“ oder „Wie gehe ich mit Kri-
sen vor Ort um?“ sind Teil der Gespräche.
„Dank der guten Vorbereitung fiel mir
der Start inder Fremde gar nicht schwer“,
erinnert sich Philomena Grosch, die vor
Kurzem von ihrem Berufspraktikum in
der Schweiz zurückgekehrt ist. Sie wur-
de – wie auch die anderen Azubis – von
VTL für vier Wochen freigestellt und wei-
ter vergütet. „Die Offenheit und Toleranz
der Kollegen im Gastland, der Umgang
miteinander und vor allem die entge-
gengebrachte Herzlichkeit haben es mir
sehr leicht gemacht, mich einzuleben“,
erzählt die 21-Jährige, die auf der Rück-
fahrt jede Menge neue Erfahrungen und
Erlebnisse im Gepäck hatte. Beispiels-
weise lernte die angehende Speditions-
kauffrau in der Schweiz die Verzollung
zum ersten Mal praktisch kennen. „Das
Praktikum hat nicht nur meinen persön-
lichen Blick geweitet, sondern mich auch
fachlich vorangebracht“, erklärt sie.
Soft Skills und Sprache verbessern
Dabei hängen die Aufgaben, die die
Azubis im Partnerbetrieb übernehmen
können, ganz individuell vom jeweili-
gen Unternehmen ab. Natürlich ist der
Umfang der möglichen Mitarbeit auch
von der Sprache des Ziellands sowie den
vorhandenen Sprachkenntnissen der
Auszubildenden abhängig. So nahmen
zwei Auszubildende, die ein Praktikum
in Polen absolvierten, im Vergleich zu
Philomena Grosch mehr kulturelle und
persönliche als fachliche Erfahrungen
mit nach Hause. „Mit der Verständigung
auf Polnisch hat es zwar etwas gehapert,
aber mit unseren Englischkenntnissen
sind wir trotzdem gut zurechtgekom-
men“, erinnert sich Mareike Grösch und
betont, dass sie den Schritt ins Ausland
auf jeden Fall wieder gehen würde.
Dem stimmt auch der 19-jährige VTL-
Azubi Philipp Bausewein zu. Er arbeitete
vier Wochen lang in einer Luxembur-
gischen Spedition. „Am Anfang fand ich
alles sehr schwierig – die neue Umge-
bung, neue Kollegen, die fremde Kultur.
Aber zum Schluss wollte ich gar nicht
mehr zurück, weil es mir so gut gefallen
hat“, erzählt der angehende Speditions-
kaufmann. Vor allem freut ihn, dass er
während des Auslandspraktikums viel
gelernt hat – auch über sich selbst. „Ich
finde es toll, dass ich einen Teil meines
neuen Wissens auch hier in Fulda an-
wenden kann“, sagt er.
Die Investitionen lohnen sich
Davon profitiert auch die Fuldaer Stück-
gutkooperation – wenn auch erst auf
den zweiten Blick. Denn trotz Förder-
mitteln ist der Auslandsaufenthalt der
Auszubildenden zunächst eine finanzi-
elle Belastung für das entsendende Un-
ternehmen. So übernehmen die Firmen
meist die Unterbringungskosten und
die Eltern sollten noch ein Taschengeld
beisteuern. Primär nutzt das Praktikum
also den Auszubildenden.
Für den Arbeitgeber lohnt sich die
Investition insofern als er seine Auszu-
bildenden an sich bindet. Schließlich
möchte VTL engagierte Azubis nach
der Ausbildung weiter beschäftigen. In
den vergangenen drei Jahren betrug die
Übernahmequote immerhin 80 Prozent.
Auf diese Weise bekommt VTL Mitarbei-
ter, die durch erste Auslandserfahrungen
bereits andere Geschäftskulturen ken-
nengelernt und internationale Kontakte
geknüpft haben. Gleichzeitig können die
meisten Auszubildenden nicht nur ihre
Fremdsprachenkenntnisse verbessern,
sondern auch ihre beruflichen Fach-
kenntnisse erweitern und ihre sozialen
Kompetenzen steigern. In der Regel
kommen die Auszubildenden mit einem
gestärkten Selbstbewusstsein, viel Mo-
tivation und neuen Perspektiven von
ihren Praktika zurück. Damit lohnt sich
der Blick über den Tellerrand für beide
Seiten.
© Albert Gehret
Das mittelständische Unternehmen VTL ist durch seine internationalen Kontakte prä-
destiniert für ein Austauschprogramm. Trotzdem muss es einiges investieren.
VTL wurde 1998 gegründet und ist eine führende Stückgutkooperation sowie Anbieter
europaweiter Logistiklösungen. Von Fulda aus vernetzt VTL über 125 mittelständische
Cargo-Unternehmen zu einem Transport-Service. Mit über 1,4 Millionen Sendungen
erzielte die Kooperation 2013 einen Umsatz von 59 Millionen Euro.
VTL bildet zurzeit acht junge Menschen in zwei, bald drei verschiedenen Berufen aus.
Seit 2012 ist ein internationales Austauschprogramm Bestandteil der Ausbildung. Die
Teilnahme ist freiwillig. Die Auszubildenden können selbst wählen, ob sie an einem
Austausch teilnehmen möchten und wenn ja, ob national oder international. VTL stellt
die Teilnehmer für die Dauer des Praktikums frei und bezahlt die Unterkunfts- und Rei-
sekosten. Auch die Ausbildungsvergütung wird weiter gezahlt.
VTL Vernetzte-Transport-Logistik GmbH
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Das Unternehmen
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