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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
Arbeitsgestaltung verbessert werden
können. Informations- und Kommunika-
tionstechnologien sind bei der Flexibi-
lisierung der Arbeitswelt ein zentrales
Instrument und ermöglichen in vielen
Bereichen erst das zeit- und ortsunab-
hängige Arbeiten. Dabei rückt vor allen
Dingen die Qualität und Leistungsfähig-
keit der informations- und kommunika-
tionstechnischen Infrastrukturen in den
Vordergrund. Das heißt vor allem, dass
ein schneller und unkomplizierter Zu-
griff auf benötigte Informationen sowie
die Zuverlässigkeit und Stabilität der
technischen Ausrüstung dringend erfor-
derlich sind.
Mehr Bildschirmfläche, mehr Effizienz
In vielen Unternehmen werden die Po-
tenziale, die sich durch den Technikein-
satz ergeben, jedoch nur unzureichend
genutzt. Dabei lassen sich schon durch
relativ kleine Maßnahmen sehr große
Produktivitätssteigerungen
erzielen.
So konnten wir beispielsweise bei ei-
ner empirischen Laborstudie, bei einer
komplexen Aufgabenstellung und auf
Ebene des Einzelarbeitsplatzes nach-
weisen, dass eine mehr als 30-prozen-
tige Steigerung der Produktivität allein
durch die Vergrößerung der digitalen
Arbeitsfläche erreicht werden kann.
Untersuchungsteilnehmer, die an ei-
nem Setting aus drei Bildschirmen ar-
beiteten, erledigten ihre Aufgaben nicht
nur schneller als eine Vergleichsgrup-
pe, die mit nur einem Bildschirm ausge-
stattet war, sondern auch noch mit viel
weniger Fehlern.
Daneben gehört das Bescheidwissen
zu den wichtigsten Faktoren, welche die
Office-Performance positiv beeinflussen.
Dies kann in starkem Maße durch die
räumliche Gestaltung befördert wer-
den. Beispielsweise kann durch eine
offenere und transparentere Gestaltung
der Büroumgebung die gegenseitige
Wahrnehmung und somit auch die Be-
gegnungs- und Kommunikationswahr-
scheinlichkeit erhöht werden. Auf der
anderen Seite ist jedoch zu bedenken,
dass derartige offenere Strukturen oft-
mals auch mit einer gesteigerten akusti-
schen Belastung einhergehen.
Dieses einfache Beispiel zeigt, dass
eine spezifische Büroform nicht per se
besser oder schlechter ist. Dass jedoch
eine sehr starke Korrelation zwischen
dem Bürodesign, das heißt der funkti-
onalen und gestalterischen Form der
Büroumgebung und der Leistungsein-
schätzung der Nutzer besteht, konnten
wir im Rahmen der empirischen Studie
„Office Excellence“ mit mehr als 6.000
Teilnehmern zeigen. Daraus folgt, dass
ein Bürokonzept nur dann erfolgreich
zu Wohlbefinden und Leistungsfähig-
keit beitragen kann, wenn es speziell für
die spezifischen Aufgabenstellungen,
Tätigkeitsprofile und Kulturen eines
Unternehmens und seiner Organisati-
onseinheiten entwickelt wurde.
Multilokale Arbeitswelten
In der jüngsten Forschungsphase unse-
res Verbundforschungsprojekts „Office
21“ haben wir, auf Basis eines iterativen
Forecast-Prozesses mit rund 150 Exper-
ten, das Szenario „Arbeitswelten 4.0“
entworfen. Dabei wird ein Zukunftsbild
der Arbeits- und Lebenswelten im Jahr
2025 vorausgedacht.
Das Szenario zeigt, dass die Nach-
frage nach flexiblen Arbeitsformen
massiv steigen wird. Der zunehmende
Betreuungsbedarf, insbesondere von äl-
teren Angehörigen, kann hierbei als ein
Hauptmotiv für diese Zunahme angese-
hen werden. Insgesamt erwarteten 80
Prozent der teilnehmenden Experten bis
2025 – also bis in etwa zehn Jahren – ei-
ne deutliche Steigerung der Flexibilisie-
rung. Etwa zwei Drittel gehen davon aus,
dass eine hohe Flexibilität bei der Wahl
des täglichen Arbeitsortes die Regel sein
wird. Wir bezeichnen diese Arbeitswei-
se als multilokales Arbeiten. In Abhän-
gigkeit von Aufgabe und individuellem
Lebenskontext werden unterschiedliche
Orte und Situationen zur Leistungser-
bringung genutzt: Homeoffice, Büro, Co-
Working-Space. Diesen räumlichen und
zeitlichen Wechsel wird es sowohl tages-
und wochenweise als auch über längere
Phasen geben.
Es ist zu erwarten, dass einige der im
Szenario beschriebenen Entwicklungen
sich schon vor 2025 realisieren. Dies
wird immer dann geschehen, wenn sich
die unserer Ansicht nach drei zentralen
Trendcluster Gesellschaft/Lebensstile,
Nachhaltigkeit und Technik/Vernetzung
wechselseitig befördern.
Das Büro und sein Stellenwert
An dieser Stelle stellt sich unweigerlich
die Frage, welche Rolle das Büro in Zu-
kunft noch spielen wird? Wir denken,
dass trotz einer zunehmenden Diversi-
fizierung von Arbeitsorten das Büro sei-
nen Stellenwert als zentraler Ort im Ar-
beitsgeschehen der meisten Mitarbeiter
behalten wird.
Dies lässt sich nicht nur damit
begründen, dass Forschung und
Unternehmens­praxis den hohen Stellen-
wert von persönlicher Zusammenarbeit
und räumlicher Nähe für die Innovati-
onskraft von Organisationen hinläng-
lich aufgezeigt haben. Der individuelle
Wunsch nach räumlicher Nähe und
persönlicher Interaktion lässt sich in be-
sonderer Weise auch durch die rasante
Verbreitung sogenannter Co-Working-
Spaces ablesen. Immer mehr selbststän-
dige Einzelunternehmer oder kleinere
Start-ups, insbesondere aus dem Bereich
der digitalen Medien, mieten sich einen
Arbeitsplatz in einem derartigen Space
an, anstatt alleine Zuhause zu arbeiten.
Für die Nutzung eines Co-Working-
Space sprechen dabei zwei Gründe: zum
Persönliche Zusammen-
arbeit und räumliche
Nähe sind erwiesener­
maßen von hohem
Stellenwert für die Inno-
vationskraft von Organi-
sationen.