Seite 32 - personalmagazin_2013_08

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Management
_Mitarbeitergewinnung
personalmagazin 08 / 13
dort studiert haben, und den Kontakt zwi-
schen ihnen, ihrem ehemaligen Profes-
sor und der Hochschule wiederbeleben.
Wenn diese Mitarbeiter Führungskräfte
im Unternehmen sind, sollten sie auch
Exkursionen und Studienarbeiten betreu-
en. Hochschulmarketing funktioniert oft
über die persönliche Beziehung und ist
weniger ein Thema des Personalbereichs.
personalmagazin:
Wie binden Sie Prak-
tikanten weiter an Ihr Unternehmen,
damit sie später zu Mitarbeitern werden?
Meyer:
Wir haben ein Bindungspro-
gramm. Daran können studentische
Mitarbeiter teilnehmen, die während
ihres Praktikums mit ihren Leistungen
überzeugt haben. Mit Angeboten zur
fachlichen und persönlichen Weiter-
entwicklung bleiben wir in Kontakt zu
ihnen. Für diejenigen, die aktuell ein
Praktikum absolvieren, gibt es Prakti-
kantentage, an denen sie sich austau-
schen können und Tipps zu Themen wie
Berufseinstieg und Karriere erhalten.
personalmagazin:
Was können kleinere
Firmen vielleicht sogar besser als große?
Meyer:
Je kleiner ein Unternehmen ist,
des­to schneller und persönlicher kann die
Zusammenarbeit erlebt werden. Es kann
auch ein besonderes Vertrauensverhält-
nis zwischen Führung und Belegschaft
aufgebaut werden. Kleinere Firmen sind
oft unbürokratischer und ideenreicher
als Großunternehmen, wenn es etwa da-
rum geht, Vorträge zu halten oder Exkur-
sionen durchzuführen.
personalmagazin:
Wie kann ein Unter-
nehmen, das nicht so bekannt ist, seine
Attraktivität als Arbeitgeber steigern?
Tilmann Meyer:
Bekanntheit und Attrakti-
vität eines Unternehmens gehen Hand
in Hand. Für kleine Firmen heißt das:
Werbeaktivitäten auf eine bestimmte
Region konzentrieren, klar auf die Ziel-
gruppe fokussieren. Da helfen schon
ganz pragmatische Wege, beispielswei-
se die Mitgliedschaft der Mitarbeiter im
Sportverein zu fördern. Als authentische
Multiplikatoren erzählen sie in ihrem
Umfeld, wie es ihnen im Unternehmen
geht. Das schafft ein Stück weit Renom-
mee und Attraktivität für die Firma. Die
eigenen Mitarbeiter einzubinden, ist
auch im Personalbeschaffungsprozess
hilfreich: Sie wissen, welche Stärken
das Unternehmen hat. Dieses Erfah-
rungswissen kann auch auf sozialen
Plattformen ausgetauscht werden.
personalmagazin:
Dort kann es schnell
auch negative Bewertungen geben. Was
kann ein Arbeitgeber dagegen tun?
Meyer:
Jeder Verbesserungsvorschlag und
jede Kritik bieten die Möglichkeit, an der
Attraktivität als Arbeitgeber zu arbeiten.
Das Unternehmen sollte also unbedingt
die Chance nutzen, seiner Zielgruppe
zuzuhören. Zwar kann nicht jeder Ein-
trag eins zu eins umgesetzt werden, aber
jeder Eintrag signalisiert Interesse am
Unternehmen. Wie auch immer Beiträge
ausfallen, die Reaktion sollte sachlich,
schnell und offen erfolgen. Man sollte
zudem bedenken: In der Summe aller
Bewertungen sind vereinzelte negative
Stimmen nicht überzubewerten.
personalmagazin:
Wichtig für die Perso-
nalgewinnung sind Hochschulkontakte.
Aber oft lehnen Hochschulen Kooperati-
onen mit kleineren Firmen ab – weil sie
schon mit den großen zusammenarbei-
ten. Was können die kleinen tun?
Meyer:
Unbeirrt eine klare Strategie ver-
folgen: sich auf Ziel-Hochschulen konzen-
trieren – das ist unsere Ausrichtung. Es
macht keinen Sinn, als Hundertster an die
RWTH Aachen oder die LMU München
zu gehen, wenn da schon andere große
Player etabliert sind. Das Beste ist also,
zu analysieren: Woher kommen meine
guten Mitarbeiter? Häufig sind es solide
Hochschulen, die unter Umständen sogar
in der eigenen Region ansässig sind. Un-
bedingt die Mitarbeiter ansprechen, die
Tilmann Meyer
ist Leiter Personalbe-
schaffung und Entsendung bei der Brose
Gruppe. Er teilte seine Erfahrungen mit den
Teilnehmern des Praxisworkshops.
Das Interview führte
Daniela Furkel.
„Mitarbeiter als Multiplikatoren“
INTERVIEW.
Auch kleinere Unternehmen haben viele Möglichkeiten, ihre Arbeitgeber-
attraktivität zu steigern, erläutert Tilmann Meyer vom Automobilzulieferer Brose.