Seite 57 - personalmagazin_2011_05

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Marktteilnehmer stark schwächen,
wenn nicht sogar in die Insolvenz
treiben könnte. Der Zeitarbeitsmarkt
könnte also im laufenden Jahr noch
einige Veränderungen erleben, auch
bedingt durch mögliche Aktivitäten
großer Anbieter mit Niederlassungen
in den neuen EU-Mitgliedsstaaten.
Als sicher gilt jedoch, dass auch
im laufenden Jahr die Unternehmen
in Deutschland noch stärker auf die
Dienstleistung Zeitarbeit zurück-
greifen werden. Das bestätigt eine
Umfrage von „Flex Pro“ (Universität
Erlangen-Nürnberg) unter 1.221 pro-
duzierenden kleinen und mittleren
Unternehmen: 87 Prozent nannten
das Abfangen von Auftragsspitzen
ganz klar als wichtigsten Grund für
denEinsatz vonZeitarbeit. 77Prozent
schätzen den Vorteil, Arbeitsverhält-
nisse schnell und unbürokratisch
wieder zu beenden. Und 46 Prozent
nutzen Zeitarbeit, um erkrankte Mit-
arbeiter zu ersetzen. 40 Prozent der
Firmen hatten bereits Erfahrung mit
Zeitarbeitnehmern.
Qualifikation wird zum Top-Thema
Zum Haupthinderungsgrund für den
Einsatz von Zeitarbeit befragt, sagten
die Umfrageteilnehmer, dass Zeitar-
beitnehmer ein spezielles Wissen,
das für die Aufgabe erforderlich sei,
nicht mitbringen würden. Die Umfra-
ge zeigt auch, wie wichtig es für die
Personaldienstleister ist und künftig
werden wird, ihre Zeitarbeitnehmer
weiterzubilden: Für 78 Prozent der
Unternehmen steht das Qualifikati-
onsniveau der Zeitarbeitnehmer an
erster Stelle, wenn sie einen Perso-
naldienstleister auswählen.
weiter an. Nun stehen die Personal-
dienstleister eher vor dem Problem,
ihren Kunden eine ausreichende
Anzahl an qualifizierten Zeitarbeit-
nehmern zur Verfügung zu stellen.
Veränderte Rahmenbedingungen
Deshalb sind einige der Umfrage-
teilnehmer vielleicht auch zurück-
haltender gewesen, als sie zu ihren
Umsatzerwartungen für 2011 Stellung
nehmen sollten: 15 Prozent machten
keine Angaben. 81 Prozent rechnen
mit weiteren Umsatzsteigerungen um
mehr als fünf Prozent, und ein Umfra-
geteilnehmer erwartet ein Wachstum
von bis zu fünf Prozent.
Ein weiterer Grund für die Zurück-
haltung der Personaldienstleister in
Sachen Zukunftsprognosen liegt viel-
leicht auch in den aktuellen Ände-
rungen der Rahmenbedingungen: Im
Dezember 2010 war die Tarifgemein-
schaft Christlicher Gewerkschaften
für Zeitarbeit und Personalservice-
agenturen (CGZP) für nicht tariffähig
erklärt worden. Im März 2011 wurde
ein Mindestlohn für Zeitarbeitneh-
mer beschlossen (siehe Titelstrecke
ab Seite 12). Und imMai 2011 tritt die
Arbeitnehmerfreizügigkeit in Kraft,
die den deutschen Arbeitsmarkt
für Bürger der neuen EU-Mitglieds-
staaten öffnet. Wie sich dies alles auf
die Branche auswirken wird, ist noch
nicht klar abzusehen.
So gilt es als möglich, dass Perso-
naldienstleister, die einen Tarifver-
trag mit die CGZP eingesetzt haben,
rückwirkend die Differenz zu den
Gehältern der vergleichbaren Ar-
beitnehmer der Stammbelegschaft
nachzahlen müssen – was einige
05 / 11 personalmagazin
ZEITARBEITSMARKT
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Fast alle Zeitarbeitsfirmen verzeichneten im
Jahr 2010 hohe Wachstumsraten. 85 Prozent
rechnen auch 2011 mit Umsatzsteigerungen.