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personalmagazin 05 / 11
ORGANISATION
VERGÜTUNG
Gemeinsam unabhängig
HINTERGRUND. Mit einem neu geschaffenen Kodex will die Vereinigung unab-
hängiger Vergütungsberater ein branchenweites Qualitätssiegel etablieren.
I
nfolge der Krise hat das Thema
„Vorstandsvergütung“ einen Image-
schaden erlitten. Auch die Vergü-
tungsberater müssen sich wieder
um ein besseres Ansehen bemühen. Die
neu gegründete Vereinigung unabhän-
giger Vergütungsberater (VUVB) will
nun wieder mehr Glaubwürdigkeit schaf-
fen. Wie bereits berichtet, haben sich im
VUVB einige wichtige Vergütungsbera-
ter in Deutschland zusammengeschlos-
sen – darunter Experten von Aon Hewitt,
Baumgartner & Partner, Kienbaum und
Towers Watson. Drei große Vergütungs-
beratungen sind bisher nicht beteiligt:
Mercer, Pricewaterhouse Coopers sowie
die Hay Group.
Genaue Inhalte des Kodex
Ziel der Vereinigung ist die Etablierung
einer unabhängigen Vergütungsbera-
tung vor allem in Fragen der Vorstands-
vergütung. Grundlage dazu bildet ein
Kodex, der für alle Mitglieder verpflich-
tend ist. Dieser baut auf den Regelungen
des Deutschen Corporate-Governance-
Kodex auf und präzisiert die Vorgaben
imBereich der Vorstands- und Geschäfts-
führervergütung.
Im Vordergrund des Kodex stehen
fünf Fälle, die genau definieren, wann
eine Beratung als beeinträchtigt und
damit nicht mehr als unabhängig gilt.
Dazu zählen verwandtschaftliche Bezie-
hungen oder ein Angestelltenverhältnis
zwischen dem Berater und einem Mit-
glied des Vorstands aus dem Unterneh-
men, das beraten wird.
Auch eine finanzielle Verbindung ist
in den Kodexvereinbarungen als Fall
für eine Abhängigkeit aufgeführt. Im
Besonderen gilt dies, wenn die Beratung
in den vergangenen fünf Jahren mehr
als 15 Prozent der Gesamteinnahmen
von dem zu beratenden Unternehmen
bezogen hat und dies auch im laufenden
Geschäftsjahr wieder zu erwarten ist.
Des Weiteren schreibt der Kodex vor,
dass der Vorstand darüber informiert
werden muss, wenn bereits mehrere Be-
ratungsprojekte im selben Geschäftsjahr
beim gleichen Unternehmen beauftragt
wurden.
Der Kodex sieht darüber hinaus eine
ausdrückliche Erklärung des Beraters
vor, der darin über mögliche Abhän-
gigkeiten in einem der genannten Fälle
informiert. Außerdem ist ein vorgeschrie-
bener Bestandteil des Beratervertrags,
dass Änderungen in den Abhängigkeiten
demUnternehmen schnellstmöglich mit-
geteilt werden müssen. Hinzu kommt die
Vereinbarung, dass kein erfolgsorien-
tiertes Beratungshonorar gezahlt wird.
Gerade an diesem Punkt – der erfolgs-
abhängigen Vergütung des Beraters –
sieht Dr. Peter Doetsch, Geschäftsführer
von Mercer Deutschland, einen Haupt-
kritikpunkt – und einen Grund, warum
bisher kein Mercer-Berater beteiligt ist:
„Unsere Vergütungsberater werden nie
erfolgsorientiert bezahlt. Das ist ein un-
nötiger Hinweis.“ Und in der Tat trifft
dies wohl auf die meisten Beratungen zu.
„Allerdings stehen Berater häufig unter
dem Verdacht, Provisionen für höhere
Vorstandsgelder zu erhalten. Deshalb
haben wir diesen Punkt im Kodex auch
aufgenommen“, erklärt Michael Kra-
marsch, Mitbegründer der VUVB und
Managing-Partner von Hostettler, Kra-
marsch & Partner.
Kritiker sehen noch Schwachpunkte
Allerdings sehen Kritiker auch in den
anderen Details noch Schwachstellen. So
ist der Kodex nach Ansicht von Doetsch
insgesamt zu wenig weitgehend. Gerade
der Wert für das Maximum der über den
gleichen Kunden verdienten Einnahmen
sei mit 15 Prozent sehr hoch. „Hier ist
zu beachten, dass dieser Wert für große
wie kleine Beratungen gilt“, meint Kra-
marsch dazu. Kleinere Beratungen wür-
den vom Markt gedrängt werden, wenn
dieser Wert niedriger und damit rigider
angelegt wäre.
Eine Unterscheidung der Vorgaben für
große und kleine Beratungen sei für ihn
aber durchaus ein Punkt, den er in die
Diskussion der Vereinigung einbringen
will. „Wir sind dankbar für jeden guten
Hinweis, den wir in der Weiterentwick-
lung des Kodex aufgreifen können“, so
der Vergütungsexperte.
Von
Kristina Enderle
(Red.)
Der Kodex für unabhängige Vergütungsberatung
setzt einen Mindeststandard und frischt den Ruf
der gesamten Branche nach der Krise wieder auf.