Mehr Bedürfnis nach Kommunikation
Das Bewusstsein, dass sich konse-
quentes Employer Branding sehr schnell
in erhöhtem Mitarbeiterengagement,
niedrigerer Fluktuation und sinkenden
Recruiting-Kosten widerspiegelt, ist in
den Chefetagen angekommen. Daher
steigt in vielen Unternehmen die Be-
deutung der Arbeitgebermarke – trotz
wirtschaftlicher Flaute und knapp ge-
schnürter HR-Budgets. Employer Bran-
ding wird zunehmend als wirklich
ganzheitlicher Ansatz verstanden. An
die Stelle isolierter Einzelmaßnahmen
treten wohldurchdachte Gesamtkon-
zepte. Auf Kundenseite wächst die
Akzeptanz einer grundlegenden Markt-
forschungs- und Strategiefindungspha-
se sowie fortlaufender Erfolgsmessung.
Auf Kandidatenseite beobachten wir
ein steigendes Bedürfnis nach Kommu-
nikation. Künftige Mitarbeiter wollen
authentische Informationen über den
Arbeitgeber und holen sich diese auch
ganz aktiv ein. Deshalb spielen für uns
Arbeitgeber-Gütesiegel, Online-Bewer-
tungsplattformen, Employer-PR und pro-
fessionell gestaltete Karriereseiten eine
immer größere Rolle.
Dr. Lothar Schmidt, Dr. Schmidt & Partner
Die Mitarbeiter im Mittelpunkt
Employer Branding ist nun endgültig
auf der gemeinsamen Agenda von Ge-
schäftsleitung, HR und der Marketing-
kommunikation gelandet. Mit deutlich
durchschlagendem Effekt: Die Anzahl
der Anfragen und Projekte rund um den
Aufbau von Arbeitgebermarken ist sogar
eher gestiegen. Wir stellen fest, dass das
operative Personalmarketing- und Rec-
Die Bedeutung der Arbeitgebermarke steigt
STATEMENTS. Obwohl die Krise die Unternehmen zum Sparen zwingt, erkennen
die meisten Firmen die strategische Bedeutung des Employer Branding.
W
ie reagieren Unternehmen
in ihrem Employer Bran-
ding auf die Wirtschafts-
krise und was bedeutet das
für den Markt der Employer-Branding-
Agenturen? Drei Experten berichten
über die aktuellen Entwicklungen.
Schluss mit der Maskerade
GanzheitlicheVorgehensweise ist gefragt
und nicht mehr nur reine „Maskerade“.
Die rein äußerliche Betrachtung muss
von einer ehrlichen Bestandsaufnahme
im Inneren abgelöst werden. Die für
die Arbeitgeberattraktivität relevanten
Erfolgsfaktoren treten immer stärker in
den Vordergrund. Es gilt wie noch nie
zuvor, den Arbeitgeber-Markenkern he-
rauszuarbeiten und aus der Anonymität
herauszutreten. Wer sich als attraktiver
Arbeitgeber im Markt behaupten will,
muss „Mehr-Wert“ anbieten. Es geht da-
rum, die Einmaligkeit des Arbeitgebers
herauszukristallisieren. Dazu muss man
natürlich auch die Bedarfe und Anforde-
rungen der Mitarbeiter oder Kandidaten
kennen. Große Unternehmen haben
dieses Thema erkannt und trotzen in die-
sem Bereich auch der Krise. Aber auch
der Mittelstand spürt, dass er sich die-
sem Wandel im Markt anpassen muss.
Egal, ob es sich um große Unternehmen
oder um den Mittelstand handelt, das
Fazit ist immer gleich: Unbesetzte Stel-
len – sei es durch Nicht-Besetzung oder
durch Verlust eines engagierten Mitar-
beiters – beeinflussen maßgeblich das
Unternehmensergebnis.
Johanna Füllgraf, Advalue Media
ruiting-Geschäft gegenüber konzeptio-
neller Arbeit an der Marke rückläufig ist
und eine Employer-Branding-Strategie
zunehmend als wichtige Basis für die
Entwicklung und Gestaltung von Unter-
nehmenskultur und personellen Grund-
lagen angesehen wird. Der Rückgang des
operativen Geschäfts im Recruiting wird
insbesondere von den HR-Bereichen da-
zu genutzt, um Employer-Branding-Pro-
jekte aufzulegen und dann konzeptionell
für die Nach-Krisenzeit gerüstet zu sein.
Der wichtigste Trend: Die eigenen Mitar-
beiter rücken in den Mittelpunkt der Be-
trachtungen und Konzepte. Sie werden
inzwischen als wichtige „Botschafter der
Arbeitgebermarke“ erkannt – vielfach
aber noch nicht anerkannt. Der Umgang
mit Web-2.0-Kommunikationskanälen
wie sozialen Netzwerken und Weblogs
markiert eine wichtige Aufgabenstel-
lung, der sich Unternehmen auch beim
Aufbau und der Pflege ihrer Arbeitgeber-
marke stellen müssen.
Carsten Franke, Milch & Zucker
Von
Daniela Furkel
(Red.)
SPEZIAL
EMPLOYER BRANDING
personalmagazin 10 / 09
56
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN
ist Geschäftsführer von
Dr. Schmidt & Partner in
Norderstedt/Hamburg.
ist Agenturleiterin von
Advalue Media mit Sitz
in Wiesbaden.
Lothar Schmidt
Johanna Füllgraf
ist Vorstand von Milch &
Zucker - The Marketing
& Software Company AG.
Carsten Franke