Seite 58 - PERSONALquarterly_2014_03

Basic HTML-Version

58
Service
_Forscherporträt
personalquarterly 03 / 14
Mechanismen hinter Personalkennzahlen
Menschen und Institutionen sind zwei Seiten des Arbeitsmarkts. Deren Wirkungs­
beziehungen erforscht Professor Thomas Zwick an der Universität Würzburg.
Ruth Lemmer
,
Freie Wirtschaftsjournalistin, Düsseldorf
E
s gibt Konflikte, die hält Thomas Zwick für komplett
unnötig. Der Inhaber des Lehrstuhls für Personal und
Organisation bei den Betriebswirten an der Julius-
Maximilians-Universität Würzburg arbeitet personal­
ökonomisch, er analysiert große Datensätze. Aber er hält auch
wirtschaftspädagogische und psychologische Forschungsan­
sätze innerhalb der BWL für wichtig. „Personalforscher sollten
nicht ihre wissenschaftlichen Ansätze gegeneinander abgren­
zen“, sagt der Hochschullehrer.
Thomas Zwick wurde in Alexandria geboren, wuchs aber
in Regensburg auf, wo er auch sein Volkswirtschaftsstudium
absolvierte. Fürs Auslandsjahr zog es ihn in die USA nach
Nashville, seine Dissertation schrieb er als wissenschaftlicher
Assistent im niederländischen Maastricht. Dort wurde der
Jungforscher zum Arbeitsmarktökonomen und bezog schnell
betriebliches Handeln zunächst in seine Modelle und später in
ökometrische Fragestellungen ein – zum Beispiel zur dualen
Ausbildung und zur betrieblichen Mitbestimmung.
Zehn Jahre arbeitete Thomas Zwick im Zentrum für Europä­
ische Wirtschaftsforschung, zuletzt als stellvertretender For­
schungsbereichsleiter. Parallel habilitierte er 2006 kumulativ
an der Universität Zürich über „Productivity Effects of Human
Resource Measures“ bei Bildungsexpertin Uschi Backes-Gell­
ner. Der Wechsel zurück in Wissenschaft und Lehre gelang
2008: Zwick wurde an die Ludwig-Maximilians-Universität
München berufen. Er lehrte Personalentwicklung für die Be­
triebswirtschaftsstudenten und übernahm bei denWirtschafts­
pädagogikstudenten den ökonomischen Part der Ausbildung.
In der Forschung beschäftigte sich der Universitätsprofessor
mit der Situation Älterer im Arbeitsmarkt, etwa bei der Evalu­
ation der Hartz-IV-Reform, dem DFG-Schwerpunktprogramm
„Altersgerechte Arbeitssysteme“ und der Akademiengruppe
„Altern in Deutschland“. Ein Ergebnis: An den Betriebskenn­
zahlen kann man ablesen, dass ein starkes Senioritätsprinzip
bei der Entlohnung zur Entlassung der teuren älteren Mitar­
beiter führt und jüngere hoch qualifizierte Frauen die Firmen
nicht attraktiv finden. Denn, so Professor Zwick, „die Einstiegs­
löhne sind signifikant niedriger in diesen Firmen und somit
nur akzeptabel für junge Mitarbeiter, die eine lange Beschäfti­
gungsperspektive im Betrieb schätzen“.
Das Thema Ältere Mitarbeiter nahm der 45-Jährige mit nach
Würzburg, als er dort 2013 BWL-Ordinarius für Personal und
Organisation wurde.
ImHerbst dieses Jahres beginnt ein Projekt imRahmen eines
neuen Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsge­
meinschaft (DFG) zu den zehn Prozent der Erwerbstätigen,
die über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten. „Diese relevante
Gruppe wird bis 75 Jahre in den Sozialversicherungsdaten
erfasst“, sagt Zwick. Außerdem untersucht der Forscher die
Meisterausbildung, eine Fortbildung, die Industrieunterneh­
men häufig freiwillig mit hohen Investitionen unterstützen,
auf ihre Bindungswirkung hin. Immerhin erhöhen sich die
Arbeitsmarktchancen der Meister erheblich.
In einemweiteren Projekt der DFG sieht sich Zwick reale Le­
bensläufe von 3000 patentierenden Erfindern und deren Inno­
vationserfolge an. Anschließend werden Personalentscheider
mit fiktiven stilisierten Lebensläufen konfrontiert. Professor
Zwick will wissen, ob sie die produktivsten Innovatoren he­
rausfiltern.
PROF. DR. THOMAS ZWICK
Lehrstuhl für BWL, Personal und Organisation
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
E-Mail: