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2.2015
lässige Technologie, die bei vielen renom-
miertenGroßunternehmen imEinsatz ist.
Unsere Architekten haben sich intensiv
mit der Plattform auseinandergesetzt.
Wir sind sicher, dass unser Technologie-
partner Progress unserenKunden und uns
sehr gute Perspektiven bietet. Die Anfor-
derungen, die wir an unsere neue Lösung
Wowinex stellen, können wir mit der Pro-
gress-Datenbank gut umsetzen. Wir wer-
den in den nächsten fünf Jahren weitere
erhebliche Mittel inWowinex investieren.
Wie hoch ist die Investitionssumme?
Wir planen Investitionen im zweistelligen
Millionenbereich.
Die Haufe Gruppe hat in den letzten
Jahren unterschiedlichste ERP-Systeme
oder Hausverwaltungsprogramme ak-
quiriert. Wird nun allen Kunden ein
skalierbares Wowinex angeboten?
Nein. Wir werden langfristig sowohl die
wesentlichen Segmente – auf der einen
Seite Immobilien- und Fremdverwalter
und auf der anderen Seite die Wohnungs-
unternehmen – als auch die unterschied-
lichenUnternehmensgrößen differenziert
bedienen.
Was bleibt dann von den derzeit sie-
ben Produkten übrig?
Wir streben eine
Vier-Produkt-Strategie mit Lexware
Hausverwalter, Haufe Powerhouse, Hau-
fe Wowinex und Haufe inhouse an. Die
Haufe Immobilienverwaltung läuft noch
bis 30. Juni 2015. Anschließend werden
wir Haufe Hausverwaltungsmanagement
und Haufe ImmoExpress ablösen. Lang-
fristig führen die Wege in die Cloud und
dafür wird es neben der Modernisierung
vonwowinex eine Neuentwicklung geben.
Bedeutet langfristig, dass am Ende Ih-
rer Fünf-Jahres-Planung zwei Produkte
übrig bleiben?
Wir werden zwei Cloud-
fähige-Lösungen in zwei bis drei Jahren
amMarkt haben. Die Kundenwerden ent-
scheiden, wie schnell sie wechseln. Heute
ist die Skepsis gegenüber Cloudlösungen
noch groß wegen der Datensicherheit…
… Ist ja auch berechtigt ...!
Doch genau
dieses Argument wird sich umkehren!
Denn die meisten Kunden werden bald in
ihren Betrieben die erforderlichen Sicher-
heitsstandards nicht mehr gewährleisten
können. Unternehmen müssen sich pro-
fessionell aufstellen, um ihre personen-
und unternehmensbezogenen Daten mit
geeigneten Partnern zu schützen.
Riskieren Sie in diesen fünf Jahren nicht,
viele Ihrer Kunden an die Konkurrenz zu
verlieren?
Nein. Wir bieten heute wettbe-
werbsfähige und zuverlässige Lösungen,
mit denen unsere Kunden rechtssicher
und effizient alle Prozesse rund um die
Immobilie managen. Und wir bieten eine
hervorragende langfristige Perspektive als
innovativer Lösungspartner. Die meisten
Anbieter in unserenMärkten können die-
se langfristige Perspektive nicht leisten.
Deswegen sehe ich uns wirklich sehr gut
aufgestellt.
Welche Konkurrenten erwarten Sie
denn auf diesem Weg?
Die hohen An-
forderungen an schlanke Lösungen, die
die Unternehmensprozesse effizient un-
terstützen, Arbeiten mit mobilen Endge-
räten ermöglichen und die erforderlichen
Sicherheitsstandards bieten, erfordern
hohe Investitionen. Daher erwarten wir
eine weitere Konsolidierung imMarkt. Als
führender Anbieter mit einer klaren Stra-
tegie sehen wir uns gut aufgestellt. Weitere
Anbieter in diesem Markt, mit denen wir
auch in Zukunft rechnen, sind sicherlich
Aareon und Immobilienscout.
Wie skizzieren Sie Ihre Marktstrategie
in den wichtigsten Ausprägungen?
Das
Wichtigste ist für uns die prozessorien-
tierte Unterstützung unserer Kunden in
der Verwaltung und Bewirtschaftung ih-
rer Immobilien, damit sie ihre Aufgaben
schneller, effizienter, komfortabler undmit
höherer Qualität erledigen können. Dafür
werdenwir unsere Lösungen – eigene und
solche von Partnern – weiterentwickeln,
damit der Nutzer alle Aufgaben an seinem
Arbeitsplatz und in seinem Ökosystem
abdecken kann. Das umfasst neben der
Software Dienstleistungen, Fachwissen,
Training und Beratung sowie Austausch
in der Community.
Dafür allerdings ist Cloudfähigkeit un-
abdingbar.
Das ist richtig. Es erfordert die
Cloudfähigkeit aller Produkte. Denn für
uns gehört auch die Umstellung von funk-
tions- und modulorientierter hin zu einer
prozessorientierten Arbeitsweise dazu.
Dort sehen wir in Zukunft unser Allein-
stellungsmerkmal. Ein weiterer wichtiger
Aspekt ist die Nutzung von Plattformen
innerhalb der gemeinsamen Infrastruktur
der Haufe Gruppe, um den Kunden über-
legene Lösungen zu wettbewerbsfähigen
Preisen bieten zu können. Wir werden auf
diese Weise unsere Investitionen auf viele
Kundenverteilenkönnen. Damit bietenwir
unseren Kunden hochmoderne Technolo-
gie zu sehrwettbewerbsfähigenPreisen.
zur person
Dr. Carsten Thies
ist seit 2010 Geschäftsführer der Haufe-Lexware GmbH & Co. KG und seit der Verschmelzung der ESS AG mit
der Haufe Gruppe 2013 Vorstandsvorsitzender der Haufe-Lexware Real Estate AG. Vor seinem Eintritt in die Geschäftsführung des ehemaligen, zur
Haufe Gruppe gehörenden WRS Verlags im Jahr 2008 war Carsten Thies bei der Springer Science & Business Media und bei Roland Berger Strategy
Consultants tätig. Er studierte nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann Betriebswirtschaftslehre in Würzburg und Swansea (UK). Er beendete
sein Studium in Hamburg mit einer Promotion in Volkswirtschaftslehre.
Das Thema Digital Real
Estate befindet sich immer
stärker im Aufwind. Dieses
Interview ist Auftakt einer
lockeren Folge von Be-
standsaufnahmen bei maß-
geblichen Branchenplayern.
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Jörg Seifert, Freiburg