61
2.2015
flexibles Energiekonzept erarbeiten, das
über effizienzsteigernde Maßnahmen für
die Wärme- und Stromversorgung hinaus
auch Optionen für den Einsatz von rege-
nerativen Energien aufzeigt.
Niedriginvestive MaSSnahmen
In je-
dem Fall empfiehlt es sich, zunächst nied-
riginvestive Maßnahmen zu betrachten,
bevor man über die Installation neuer
Anlagentechnik nachdenkt. Häufig reicht
beispielsweise ein kleiner Eingriff in die
Steuerungs- und Regelungstechnik, die
Erneuerung alter Bauteile oder die Ände-
rungen des Nutzerverhaltens, um erheb-
liche Energieeinsparungen zu erzielen. Da
diese Maßnahmen oftmals schnell um-
setzbar sind, lassen sich damit kurzfristig
nachhaltige Erfolge erzielen.
Darüber hinaus sollte aber auch über-
legt werden, ob erneuerbare Energien,
wie zum Beispiel Biogas, Biomasse und
Photovoltaik, oder Kraft-Wärme-Kopp-
lung (KWK) in der Immobilie sinnvoll
eingesetzt werden können. Insbesondere
der Einsatz moderner KWK-Anlagen ge-
winnt dabei zunehmend an Bedeutung.
Denn diese erzeugen neben Wärme auch
Strom, der selbst genutzt oder an Dritte
verkauft werden kann. Außerdem spre-
chen Umweltargumente für die hocheffi-
ziente Technik, da diese durch geringere
CO
2
-Emissionen ihren Beitrag zum Kli-
maschutz leistet.
Ganzheitliche Konzepte gefragt
Viele
Immobilienunternehmen schreckt im-
mer noch der hohe Aufwand, den sie
durch eine dezentrale Energieversor-
gung befürchten. Diese Angst ist jedoch
unbegründet, wenn von vornherein ein
ganzheitliches Konzept entwickelt wird,
das neben der technischen Lösung auch
ein Finanzierungsmodell vorsieht. Auf
diese Weise kann das Immobilienunter-
nehmen von einer zukunftssicheren Ener-
gieversorgung profitieren, ohne seine
technischen, finanziellen und personellen
Kapazitäten für das Kerngeschäft unnötig
einzuschränken.
So können zum Beispiel im Rahmen
eines Contractings eigene Aufgaben im
Bereich der Energieversorgung komplett
oder teilweise auf einen Energiedienst-
leister übertragen werden, der dann auch
die finanziellen und technischen Risiken
trägt. Dieser kümmert sich dann um Pla-
nung, Installation, Wartung und Instand-
haltung, Finanzierung sowie Betrieb der
Anlage. Außerdem stellt der Contractor
dem Immobilienunternehmen Wärme,
Kälte, Strom, Druckluft oder Dampf zu
vereinbarten Konditionen zur Verfügung.
Im Rahmen einer solchen Lösung kann
der Kunde sein Objekt mit modernster
Anlagentechnik ausstatten und schont
gleichzeitig sein Budget.
Gerade in verdichteten Wohnsied-
lungen, in denen viele Menschen auf en-
gemRaum zusammenleben, eröffnen sich
völlig neue Perspektiven auch für dieWoh-
nungswirtschaft. Innovative Versorgungs-
konzepte bieten neue Ertragspotenziale.
Denn sie machen sie vom reinen Energie-
verbraucher zum aktiven „Prosumer“, der
dezentrale Energie selbst erzeugt.
Dies bezeugt etwa eine Zusammenar-
beit zwischen der RWE Vertrieb AG und
der LEGImmobilienAGbeimPilotprojekt
„Quartierpower“ in Kreuztal. Die dortige
Fritz-Erler-Siedlung, in der 1.600 Men-
schen in 700 Wohnungen leben, ist die
erste LEG-Wohnanlage, die selbst Strom
erzeugt. Sie besitzt somit eine Vorreiter-
rolle beim Thema Energiewende. Den
Strom erzeugen vier dezentrale Block-
heizkraftwerke (BHKW) mit einer elekt-
rischen Leistung von jeweils 50 Kilowatt,
die in das bestehende Nahwärmesystem
integriert wurden. DiemodernenAnlagen
übernehmen einen Teil derWärmeversor-
gung für die Fritz-Erler-Siedlung. Gleich-
zeitig erzeugen sie Strom, der in das eigene
Quartiernetz eingespeist und zu günstigen
Preisen an die Mieter vermarktet wird.
Mieter und Vermieter profitieren
Die
Vorteile liegen auf der Hand: Dadurch,
dass der Stromda erzeugt wird, wo er auch
verbraucht wird, können einige Kosten
eingespart werden. Sowird denMietern in
der Fritz-Erler-Siedlung die Kilowattstun-
de für einen Preis von 2,5 Cent unter dem
Tarif des örtlichen Grundversorgers an-
geboten. Bei einem Jahresverbrauch von
4.000 kWh entspricht das einer Ersparnis
von rund 100 Euro pro Jahr. Außerdem
wird eine CO
2
-Reduzierung von rund 700
Tonnen pro Jahr erwartet. So profitieren
Mieter und Vermieter gleichermaßen.
Kerngeschäft der Wohnungswirt-
schaft ist die Vermarktung, Vermietung
und Verwaltung von Wohnungen. Das
wird auch inZukunft so bleiben. Trotzdem
führt kein Weg daran vorbei, sich inten-
siver mit Energiethemen zu beschäftigen
und kompetenten Rat dazu einzuholen. Je
früher, desto besser.
summary
»
Mit einem auf den
individuellen Bedarf zugeschnittenen Energiemanagementkonzept
können Immobilien-
unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken.
»
Dafür gibt es jedoch keine Patentlösung
, eine gründliche Analyse der
eigenen Situation ist unumgänglich.
»
Oftmals reichen niedriginvestive Maßnahmen aus, um erhebliche Einsparungen zu erzielen.
»
Weitreichende Vorteile für Vermieter und Mieter bieten
ganzheitliche Versorgungskonzepte auf Basis dezentraler Energien
.
»
Auch diese lassen sich
ohne großen Finanzaufwand
umsetzen.
Fotos RWE
«
Dr. Holger Vogelsang, RWE Vertrieb AG