15
2.2015
E
s war auf einer der zahlreichen immobilienwirtschaftlichen
Fachveranstaltungen, als Florian Pronold, parlamenta-
rischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, auf
die Mietpreisbremse zu sprechen kam. Da habe er doch
von einem Verband – es sei wohl der IVD gewesen – ein
Gutachten überreicht bekommen, aus dem hervorgehe, dass die
Folgen der Mietpreisbremse gar nicht so schlimm seien wie von
denWohnungseigentümern behauptet. Der SPD-Politikermeinte
damit das Frühjahrsgutachten des Rates der Immobilienweisen.
Kleiner Schönheitsfehler: Die Expertise wurde ihm keineswegs
vomImmobilienverbandDeutschland (IVD) übergeben, sondern
vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA).
Soll man den Staatssekretär wegen seines Irrtums tadeln?
Wohl eher nicht. Denn nicht nur viel beschäftigte Bundespo-
litiker mit breitem Aufgabenfeld, sondern auch intime Kenner
der deutschen Immobilienwirtschaft tun sich schwer damit, den
Überblick über die hiesige Verbändelandschaft zu behalten. Ge-
wiss, Größen wie der IVD, der GdW Bundesverband deutscher
Wohnungs- und Immobilienunternehmen und der Bundesver-
band Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW)
lassen sich noch einigermaßen leicht einordnen. Aber wissen Sie
auf Anhieb, was die Abkürzung BIIS bedeutet? Können Sie sagen,
welche Interessen der bsi vertritt? Und ist Ihnen bekannt, welche
beiden Verbände auf das Kürzel BVI hören?
KeinWunder, dass seit vielen Jahren in schöner Regelmäßig-
keit auf Tagungen und inMedien das Klagelied über die Zersplit-
terung der deutschen Immobilienverbände ertönt. Immer wieder
wird dabei als leuchtendes Gegenbeispiel die Automobilindus-
trie angeführt, die es mit einem einheitlichen Spitzenverband
geschafft habe, ihre Interessen durchzusetzen, während sich die
wirtschaftlich so bedeutende Immobilienbranche in Stellungs-
kriegen sich bekämpfender Kleinverbände verzettele.
Doch dabei darf man die Heterogenität der Immobilienwirt-
schaft nicht vergessen. „Hinter der Immobilienwirtschaft steckt so
viel Volumenwie inkeiner anderenBranche“, sagt GdW-Präsident
Axel Gedaschko. „Deshalb gibt es unterschiedliche Geschäftsmo-
delle und divergierende Interessen“ – und diese könnten nicht alle
von einem einzigen Verband abgebildet werden.
Zum Beispiel die Verwalter
Doch selbst Immobilienfachleu-
te mit ähnlichem Fachgebiet haben nicht selten die Wahl un-
ter mehreren Verbänden. Ein Beispiel dafür sind die Immobi-
lienverwalter, deren Interessen gleich drei Verbände vertreten:
der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV), der
Bundesfachverband der Immobilienverwalter (BVI) und der
IVD, der mit vollem Namen „Immobilienverband Deutschland
– Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und
Sachverständigen“ heißt.
Für Martin Kaßler, den Geschäftsführer des DDIV, ist die Sa-
che klar: Einziger wirklich schlagkräftiger Kämpfer für die Sache
der Haus- undWohnungsverwalter sei der DDIV. „Der IVD ist im
Wesentlichen ein Maklerverband, und der BVI hat viel weniger
Mitglieder als wir und ist politisch nicht aktiv“, argumentiert Kaß-
ler. Der DDIV hingegen sei mit 1.800Mitgliedsunternehmen der
am stärksten wachsende Verband in der Immobilienwirtschaft.
„Dass die Politik in letzter Zeit die Interessen der Wohnungs-
eigentümergemeinschaften stärker berücksichtigt – zumBeispiel
bei der energetischenModernisierung – ist unser Verdienst“, sagt
Kaßler selbstbewusst.
„Verbände müssen heute ihren Mitgliedern stärker deut-
lich machen, warum es sich lohnt, Mitglied zu sein“, betont der
DDIV-Geschäftsführer. Da würde wohl auchThomasMeier nicht
widersprechen, Präsident des BVI, der 440 Mitglieder vertritt.
Der BVI zeichnet sich nach Meiers Worten dadurch aus, dass
die Mitgliedschaft „ein wahrhaftes Gütesiegel“ ist, da der
summary
»
Die deutsche Immobilienbranche wird von einer
Vielzahl von Verbänden
repräsentiert.
»
In einzelnen Teilbereichen
(Immobilienverwalter, Makler, Gutachter)
konkurrieren mehrere Verbände
miteinander.
»
Nach Ansicht von Experten verhindert die Vielschichtigkeit
der Branche die
Bildung eines übergreifenden Verbandes
.
»
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) sieht
sich auf einem guten Weg, das
politische Gewicht der Branche
zu erhöhen.
Jenseits von RICS (S.20), DV (S.21)
und ZIA: Wie sehen Immobilien-
verbände mit einer oder wenigen
Zielgruppen ihre Aufgaben? Ist es
der „außergewöhnlich offene und
herzliche Erfahrungsaustausch“
oder der Kampf für politische Re-
formen, der ihr Selbstverständnis
begründet? Die Heterogenität der
Philosophien ist erklärbar, die Viel-
stimmigkeit innerhalb eines eng
begrenzten Bereichs stößt jedoch
immer stärker auf Kritik.
»
Foto: satori/Fotolia.com