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-8.2014
Die aufgeführten Leistungsbereiche der
Energieservice-Dienstleister bilden in
ihrer Gesamtheit ein neues Aufgabenfeld
ab. Dieses wird imDetail durch die beste-
hendenAusbildungsberufe undWeiterbil-
dungsangebote noch nicht abgedeckt. Ge-
rade auch im Hinblick auf den prognosti-
zierten zukünftigen Fachkräftemangel im
technischen Bereich werden Schulungen
in den Teilbereichen, welche in die De-
tailtiefe gehen, unabdingbar. Zusätzlich
erfordert die immer komplexer werdende
Gebäudetechnik ebenfalls gezielt ausgebil-
detes Personal.
Kostensenkungshebel zur Energieein-
sparung
Für eine energetische Analyse
sind die detaillierten Verbrauchsdaten
für die einzelnen Medien eine Grundvo-
raussetzung. Leider liegen diese Daten in
vielen Fällen sehr rudimentär vor und bil-
den oft nur eine sehr grobe Gebäude- und
Anlagenstruktur ab.
Ein detailliertes Zählkonzept ist für die
Analyse ein sehr hilfreiches Instrument,
um Verbrauchskennzahlen zu ermitteln,
Anomalien zu erkennen und somit wei-
terführende Maßnahmen einzuleiten und
diese auch später zu kontrollieren. Dabei
ist das alleinige Vorhandensein einer
Vielzahl an Verbrauchszählern noch kein
Garant für eine nachhaltige Energieredu-
zierung. Bei einem neu zu errichtenden
Zählkonzept sollten somit auch Kosten-
Nutzen-Aspekte Berücksichtigung finden
sowie das gezielt geschulte Personal für die
Datenauswertung eingeplant werden. Die
detaillierte Auswertung der Verbrauchs-
daten erfolgt mit Bezug zu technischen
Anlagen und Nutzeranforderungen.
Dabei können die abgeleiteten Optimie-
rungen in geringinvestive und hochinves-
tive Maßnahmen unterteilt werden.
Zu den geringinvestiven Maßnah-
men zählen zum Beispiel die zeitliche
Anpassung der Anlagensteuerung auf die
tatsächliche Nutzung der Räume, der Aus-
tausch von alten Beleuchtungselementen
oder eine eventuell mögliche Konzen-
tration der unterschiedlichen Nutzer auf
einzelne Versorgungsstränge. Zusätzlich
können weitere Maßnahmen, die einen
höheren Investitionsaufwand verursa-
chen, umgesetzt werden. Dazu zählen
der Austausch von energieintensiven
Heizungs- und Lüftungsanlagen, die Ver-
besserung der baulichen Hülle oder auch
der Einsatz von Anlagen zur Erzeugung
von erneuerbaren Energien. In vielen Fäl-
len werden die Gesamtwirtschaftlichkeit
betreffende Kriterien für die Planung und
Umsetzung der einzelnenMaßnahmen re-
levant sein.
Ein weiteres, aber auch entschei-
dendes Kriterium für die Reduzierung
von energetischen Verbräuchen ist die
Einbeziehung der jeweiligenNutzer. Denn
ohne diese bleiben die vorher getätigten
technischen und meist mit einem hohen
finanziellen Aufwand verbundenen Maß-
nahmen nur allzu häufig wirkungslos.
Im ersten Schritt sollten die jeweiligen
Verantwortlichen das Thema Energie zur
Chefsache erheben und die Verantwor-
tung nicht auf die zweite oder dritte Ebe-
ne verlagern. Die damit verbundene Vor-
bildwirkung und ein bewusst aufgebauter
Druck zur Energieeinsparung erhöhen die
Erfolgschancen, da ansonsten die vielen
gut gemeinten Ansätze sehr schnell im
Sand verlaufen.
Grundsätzlich ist es immer wieder
verblüffend, dass viele Nutzer/Mitarbei-
ter ein anderes energetisches Verhalten,
imVergleich zu den eigenen vierWänden,
an den Tag legen. Aus diesem Grund bil-
den zum Beispiel Informationsveranstal-
tungen zum Umgang mit dem Gebäude
und eine durchgehende Transparenz der
jeweiligen Medienverbräuche eine erste
Basis zur Einbindung der Nutzer. Wenn
es die Unternehmens-/Nutzerstruktur er-
laubt, können Wettbewerbe, die etwa den
niedrigstenVerbraucherbereich ermitteln,
ein probates Mittel sein. Spätere Vergabe
von Prämien/Auszeichnungen ist ein An-
sporn auch für Vorschläge.
Wachsender markt
Die aufgeführten
Punkte zeigen, dass der Energiemanage-
ment-Markt weiterhin ein komplexer,
aber auch wachsender Markt sein wird.
Die FM-Unternehmen sind gerade durch
die direkte Nähe zu den jeweiligen Immo-
bilien, technischen Anlagen und Nutzern
prädestiniert, diesemannigfaltigenAufga-
ben erfolgreich zu erfüllen. Die ständigen
Veränderungen, sei es auf gesetzlicher,
wirtschaftlicher oder technischer Ebene,
erfordern jedoch auch spezielle Aus- und
Weiterbildungen im Bereich des Ener-
giemanagements. Diese anspruchsvollen
Aufgaben bedeuten richtig gute Markt-
chancen für FM-Unternehmen.
«
Prof. Dr. Jörg Mehlis, Hochschule Mittweida Fakultät
Maschinenbau, Professur Facility Management
vIEL HILFT VIEL:
MaSSnahmen zur Energieeinsparung
Quelle: Mehlis
Detaillierte Ver-
brauchserfassung
Geringinvestive
Maßnahmen
Hochinvestive
Maßnahmen
Nutzer-
sensibilisierung
›
Erstellung
Zählkonzept
›
Vergleich Auf-
wand/Nutzen
›
Datenauswertung
›
Optimierungs-
maßnahmen
›
…
›
Anpassung An-
lagensteuerung
›
Konzentration
von Nutzung
(Strang ...)
›
Überprüfung
Beleuchtungs-
konzept und
-mittel
›
…
›
Erstellung Ener-
giekonzept
›
Austausch Hei-
zungs-, Lüftungs-
anlage etc.
›
Dämmmaß-
nahmen
›
Contracting
›
Einsatz erneuer-
barer Energien
›
…
›
Nutzereinwei-
sung/Infoveran-
staltung
›
Teamwettbewerb
zu Verbrauchs-
werten
›
Prämierung von
Verbesserungs-
vorschlägen
›
…