Seite 20 - Immobilienwirtschaft_2014_07-08

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Investment & Entwicklung
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Titelthema
Insofern verwundert es dannwiederumkaum, dass sich das Volu-
men asiatischer Investitionen in deutsche Immobilien insgesamt
noch in einem eher bescheidenen Rahmen bewegt. Im ersten
Quartal 2014 betrug es laut JLL bei Gewerbeobjekten rund 750
Millionen Euro. Bei einem Transaktionsvolumen von zehn Mil-
liarden Euro entspricht das einem Marktanteil von 7,5 Prozent.
Viel versprechende Zuwächse
„Das haut einen zunächst nicht
unbedingt vom Hocker, doch die Zuwächse sind durchaus viel
versprechend“, betont Tschammler. Zumal das aktuelle Niveau
– bezogen auf den relativen Anteil am Gesamttransaktionsvo-
lumen in Deutschland – bereits das des bisherigen Boomjahres
2006 deutlich übertroffen hat. Für das Gesamtjahr rechnet Helge
Scheunemann, Head of Research von JLL Germany, damit, dass
sich die Immobilienkäufe asiatischer Investoren – abhängig von
der Verfügbarkeit geeigneter Produkte – auf 2,5 Milliarden Euro
summierenwerden. Optimistische Prognosen der Branche gehen
in zwei bis drei Jahren von über fünf Milliarden Euro aus.
Die Lieblingsstädte asiatischer institutioneller Immobilien-
investoren sind Frankfurt und Berlin. Beliebt sind bei Koreanern,
Japanern, aber auch bei den im Immobilien-Monopoly immer
stärker mitmischenden Chinesen vor allem großvolumige Ob-
jekte – wennmöglich bevorzugt in den City-Toplagen. „DasMot-
to lautet: Je größer, desto besser“, sagt Tschammler.
Konkret heißt das: Der Fokus liegt auf Gewerbeimmobilien
imWert von 100 Millionen Euro an aufwärts. Als Beispiele listet
er das Sony Center (geschätzter Kaufpreis: 560 Millionen Euro
im Jahr 2010) und den Opernturm (580 Millionen Euro im Jahr
2010) auf. Käufer war im ersten Fall ein südkoreanischer Pensi-
onsfonds; imzweiten ein institutioneller Investor aus Singapur. In
Berlin schlugen asiatische Investoren im vergangenen Jahr unter
anderem bei den Hallen am Borsigturm (250 Millionen Euro)
und beim Lindencorso (150 Millionen Euro) zu.
Fokus auf grosse Gewerbeimmobilien
„Die Konzentration auf
Objekte dieser Größenordnungmag auf den ersten Blick ebenfalls
überraschend erscheinen“, räumt Tschammler ein. Doch insti-
tutionelle asiatische Investoren gingen bei der Strukturierung
ihrer Immobilienportfolios völlig anders vor als deutsche oder
europäische Anleger aus diesem Segment. Das beginnt schon
mit den gigantischen Summen, die Pensions- und Staatsfonds
sowie Versicherungen aus diesen Ländern verwalten. Im Falle
des Staatsfonds von Abu Dhabi sind es beispielsweise über 600
Milliarden US-Dollar.
Dass Versicherungen sowie Staats- und Pensionsfonds aus
Fernost verstärkt als Akteure auf den europäischen – und so-
mit auch deutschen – Immobilienmärkten zu beobachten sind,
hängt auch damit zusammen, dass Anlagerestriktionen für Ver-
sicherungen in China gelockert wurden. „Das allein wird in den
nächsten fünf Jahren dazu führen, dass weltweit zusätzlich Im-
mobilieninvestitionen imVolumen von 150MilliardenUS-Dollar
Club Deals bevorzugt – wie beim
Erwerb des Gallileo Hochhauses
(Frankfurt) durch sechs Inves-
toren aus Südkorea und mit der
IVG als Investmentmanager.
Fotos: Commerzbank AG; LaSalle Investment Management