10 Szene
Frank Peter Unterreiner
Wer hätte das einmal für möglich gehalten: Die Banken zahlen für ihre Einlagen bei
der Europäischen Zentralbank einen Strafzins. Die obersten Währungshüter möchten
auf Teufel komm raus die Konjunktur antreiben. Weiter gedacht müsste das bedeuten,
dass es für ein Immobiliendarlehen bald Zinsen obendrauf gibt. Das würde natürlich
die Baukonjunktur anheizen und wäre für Investoren der Renditeturbo schlechthin.
Aber nur vorübergehend. Die Jungs und Mädels vom Deutschen Mieterbund sind
schließlich fix und hellewach. Sofort würden sie für Mieter eine Gratifikation vom
Vermieter fordern und über die Genossen von der SPD eine entsprechende Gesetzes-
vorlage in den Bundestag einbringen. Käufer von Reihenhäusern und Eigentumswoh-
nungen würden nachziehen. Was bezahlt mir der Bauträger, wenn ich die schnucke-
lige Wohnung in München-Bogenhausen oder in Hamburg mit Alsterblick abnehme?
Wie viel Prozent bekomme ich vom Makler, wenn ich über ihn miete oder kaufe?
BFW, IVD, ZIA & Co. würden toben! Ein Gutachten, eine Pressemitteilung würde
die andere jagen!
Welt paradox. Und was heißt das konsequent zu Ende gedacht? Dann müsste ja der
Bauunternehmer dem Bauträger Geld dafür geben, dass er bauen darf? Der Käufer
würde im Shopping-Center Bares dafür bekommen, dass er die Jeans mitnimmt?
Und ich müsste Geld dafür bezahlen, dass ich diese Kolumne schreiben darf ! Dies
würde dann vermutlich der Anzeigenkunde bekommen. Vielleicht ein Bauträger
oder Makler, der es an seinen Kunden weiterreicht.
Liebe EZB, da habt ihr ja ganz schön was angestellt mit eurer Idee! Welt paradox,
alles läuft rückwärtsrum ...
kolumne
Welt paradox –
alles rückwärtsrum
Berlin (1)
RAW-Gelände in Berlin-
Friedrichshain wird
nicht bebaut
Das Kultur- und Freizeitdomizil
auf dem RAW-Gelände in Berlin-
Friedrichshain wird nicht mit
Wohnungen bebaut. Die Bezirks-
verordnetenversammlung hat mit
den Stimmen von Grünen, Lin-
ken und Piratenpartei gegen die
Bebauung gestimmt. Das teilt die
Sprecherin der Grünen-Fraktion,
Paula Riester, mit. DerWohnungs-
bau „würde bestehende Konflikte
verschärfen“, so Riester. Im Üb-
rigen entstehe in der Umgebung
neuer Wohnraum, sodass das
Areal des früheren Reichsbahn-
ausbesserungswerks (RAW) mit
seinem Freizeitangebot gebraucht
werde. Das Reichsbahnausbesse-
rungswerk hatte 1989 den Betrieb
eingestellt. Auf demGelände nahe
dem S-Bahnhof Warschauer Stra-
ße sind viele Clubs, Kneipen und
Ateliers von Künstlern, aber auch
eine Kletterhalle, eine Skatehalle
und ein Zirkus.
Plötz Immo-
bilienführer
Deutschland
2014
Die 17. Ausgabe des Plötz Immobi-
lienführers Deutschland gibt erneut
einen Überblick über den bundes-
weiten Immobilienmarkt. Für 115
Städte beschreibt das Buch an die
700 Teilmärkte und macht dazu
4000 einzelne Preisangaben.
Manuela Boeger
(Hrsg.),
Immobilien Manager Verlag,
17. Ausgabe 2014, ISBN 978-3-
89984-331-6, 648 S., 55 Euro
Buchtipp
Berlin (2)
Fünf-Millionen-Euro-Programm
für Wohnungsneubau
Mit einem fünf Millionen Euro schweren Pro-
gramm will der Berliner Stadtentwicklungs-
senator Michael Müller (SPD) den Neubau
von Wohnungen in Berlin fördern. Ende Juni
wollen der Senat und die Bezirke ein Bündnis
unterzeichnen, wie der „Tagesspiegel“ berich-
tet. Der Senat gehe davon aus, dass diemeisten
Bezirke mitmachen werden, sagte eine Spre-
cherin. Die Bezirke verpflichten sich, jährlich
eine bestimmte Anzahl von Neubauten zu
genehmigen, und erhalten dafür Mitarbeiter
und Gelder vom Senat. Pro Jahr sollen 12.000
neueWohnungen genehmigt werden. Der Se-
nat geht davon aus, dass etwa 10.000 Woh-
nungen tatsächlich gebaut werden.
Michael Müller, Senator für Stadt-
entwicklung und Umwelt in Berlin
Foto: SPD Berlin