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Kolumne
Frank Peter Unterreiner
02 | 2011
Mit großem Pathos wendet sich die Immobilienwirtschaft dem Thema Corporate
Social Responsibility – wieder ein Anglizismus, wie könnte es anders sein – zu,
lebt aber ansonsten völlig ungeniert nach dem Motto aus Berthold Brechts Drei-
groschenoper „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“. Zunehmend
wird in ökologisch korrekte, das heißt, zertifizierte Gebäude investiert. Das wohl
aber überwiegend oder ausschließlich deswegen, weil sich diese langfristig
besser vermieten und wieder verkaufen lassen. Letztlich also ein Triumph der
Ökonomie.
Ein Sieg der Moral hingegen wäre es zu sagen: Wir werden nicht tätig in
Ländern, in denen offensichtlich gegen die Werte verstoßen wird, auf deren Er-
rungenschaft wir so stolz sind und die wir als selbstverständlich erachten. Neben
Ländern wie dem Iran und Nordkorea müssten dann auch Libyen, Russland und
China auf der roten Liste stehen. In Libyen herrscht mit Muammar al-Gaddafi
der dienstälteste Potentat der Welt. Lockerbie, zugeben, ist schon ein Weilchen
her, doch die Festsetzung von Ausländern als Mittel der politischen Repressalie
ist weiterhin beliebt. Dumm nur, dass dort ein 100-Milliarden-Dollar-Programm
anläuft für den Bau von Infrastruktur aller Art. Mit dem Schauprozess gegen
Michail Chodorkowski und Platon Lebedjew hat Russland aller Welt völlig unge-
niert gezeigt, was es von einem Rechtsstaat hält: Nichts! Ärgerlich nur, dass dort
ein riesiger Nachholbedarf nach modernen Immobilien aller Art besteht. Eine
korrupte Justiz hat auch China. Allerdings ist das Reich der Mitte auch einer der
Zukunftsmärkte schlechthin.
Ist dies alles ein Problem der Immobilienbranche? Zugegeben, es betrifft die
Wirtschaft insgesamt und auch uns als Konsumenten. Wir heizen mit Gas aus
Russland, tanken Benzin aus Libyen und kaufen billiges Spielzeug aus China. Es
würde der Immobilienbranche aber nicht schaden, wenn sie dazu ihre Stimme
erhebt und Moral nicht nur dann einfordert, wenn sie sich positiv auf die Bilanz
auswirkt.
Das Hamburger Emissionshaus Real Invest legt nach fünf bereits platzierten
Zweitmarktfonds den Real Invest VI auf. Im Fokus der Ankaufsstrategie
stehen Fondsanteile von deutschen Core-Immobilien in den Top-Lagen
deutscher Großstädte. Die jährlichen Auszahlungen werden mit fünf bis
acht Prozent prognostiziert. Der Real Invest VI ist auf eine Laufzeit von
neun Jahren ab Ende 2011 angelegt. Das Fondsvolumen liegt bei 25 bis 30
Millionen Euro, die Mindestzeichnungssumme bei 20.000 Euro.
REAL INVEST
Neuer Zweitmarkt-Immobilienfonds
Erst kommt die Bilanz,
dann die Moral
Datenmaterial: Fraunhofer, Arbeits-
gruppe für Supply Chain
Services (SCS) 2010
Grafik: Immobilienwirtschaft
Illustration LKW: shutterstock
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