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02 | 2011
Foto: DV
Basel III bedroht
Immobilieninvestitionen
Bankenregulierung.
Die geplanten Regelungen betreffen vor allem
risikoarme Langfristfinanzierungen – und haben deshalb negative
Effekte auf die Immobilienbranche, so der Deutsche Verband.
Seit der Finanzkrise arbeiten Politik
und Bankenkreise weltweit an einer ver-
besserten Bankenregulierung. Dies ist
richtig, um künftig systembedrohenden
Schieflagen an den Finanzmärkten ent-
gegenzuwirken. Doch müssen die Maß-
nahmen unter Berücksichtigung ihrer
realwirtschaftlichen Auswirkungen er-
folgen. Schließlich löste nicht die Re-
alwirtschaft in Europa die Finanzkrise
aus, sondern die spekulative Finanzwirt-
schaft. Aus Sicht der deutschen Immo-
bilienwirtschaft sind besonders die ge-
planten strengeren Vorschriften durch
Basel III besorgniserregend, da negative
Auswirkungen auf die deutsche Lang-
fristfinanzierung zu erwarten sind.
Basel III: Zentrale Regelungen
Bis 2019 soll zum einen die vorgeschrie-
bene Mindestkapitalquote durch den
Aufbau eines Kapitalerhaltungspuffers
von derzeit acht auf 10,5 Prozent erhöht
werden. Einzelne Länder können für sy-
stemrelevante Banken einen weiteren an-
tizyklischen Puffer von bis zu 2,5 Prozent
einfordern. Zusätzlich werden höhere
Anforderungen an das Eigenkapital ge-
stellt. In Konsequenz wird im Verhältnis
Allein die Bildung von Rücklagen wird
nicht ausreichen. Inwieweit die Kapital-
märkte in den Bankensektor investieren,
ist fraglich, wenn Gewinne in Kapital-
puffer gesteckt werden müssen und da-
mit Renditen tendenziell sinken.
Kreditinstitute, die ihr Eigenkapi-
tal nicht erhöhen können, müssen ihr
Bilanzvolumen senken, womit sich der
Kreditvergabespielraum verringert. Pa-
radoxerweise macht dabei die pauschale
Verschuldungsobergrenze risiko- und
damit margenarme Geschäfte tendenzi-
ell unattraktiver.
Von dieser Entwicklung besonders
betroffen wäre die deutsche Langfristfi-
nanzierung im Immobilien- und Infra-
strukturbereich mit ihren risikoarmen,
soliden, niedrigmargigen und auf große
Volumina ausgerichteten Geschäften.
Entweder verringern die Kreditinstitute
diese Langfristfinanzierung oder aber sie
heben die Margen an, um die notwen-
digen Renditen zu erwirtschaften.
Weit schwerer wiegt eine zu strikte
EinschränkungvonFristentransformatio-
nen: So werden grundsätzlich Refinan-
zierungsmöglichkeiten der Kreditinsti-
tute bei langfristigen Krediten reduziert,
sodass diese gezwungen sind, langfristige
Finanzierungen zurückzunehmen. Das
bedeutet für die Kredit nehmende Wirt-
schaft ein erhöhtes Zinsänderungsrisiko
und weniger Planungssicherheit.
Um die bewährte deutsche Langfrist-
finanzierung nicht zu gefährden, müssen
auch die zu erwartenden Auswirkungen
von Basel III beachtet werden. So wichtig
eine verbesserte Regulierung der Finanz-
märkte auch ist, würde sonst jedoch das
Gegenteil erreicht.
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zur Bilanzsumme oder zum Kreditvolu-
men mehr Kernkapital vorgehalten wer-
den müssen; bestimmte Eigenkapital-
arten, etwa stille Einlagen, würden nicht
mehr als Kernkapital anerkannt.
Die zweite wichtige Änderung be-
trifft die Einführung einer pauschalen
Verschuldungsobergrenze, und zwar für
sämtliche Banken. Nach dem Willen des
Basler Ausschusses dürfte dann die Bi-
lanzsumme einer Bank nur noch 33-mal
so groß seinwie ihr Kernkapital. Diese so-
genannte „Leverage Ratio“ von maximal
drei Prozent würde die bisherige risiko-
gewichtete Eigenkapitalquote ergänzen.
Bisher gilt: Je höher das Risiko ist, das
Banken bei Geschäften eingehen, desto
mehr Eigenkapital ist zu hinterlegen.
Schließlich wird Basel III Liquidi-
tätsvorschriften einführen. So müssen
ab 2015 kurzfristige Zahlungsverpflich-
tungen durch das Vorhalten liquider Ver-
mögenswerte gesichert werden. Ab 2018
sollen mit einer langfristigen Refinanzie-
rungskennziffer auch übertriebene Fris-
tentransformationen der Banken ver-
hindert werden – also die Finanzierung
langfristiger Kredite mit kurzfristigen
Einlagen. Dies hatte unter anderem die
Hypo Real Estate in Schieflage gebracht.
Folgen für die Finanzierung
Die neuen Regelungen haben direkte
Auswirkungen auch auf die Realwirt-
schaft, da sich die Kreditvergabemög-
lichkeiten und -konditionen ändern wer-
den. Viele Banken benötigen aufgrund
erhöhter Mindestkapitalquoten und en-
gerer Eigenkapitaldefinition innerhalb
kurzer Zeit zusätzliches Eigenkapital.
Helmut Rausch
Helmut Rausch, Vorstand der WL Bank, Münster, Vizepräsident des Deutschen Verbandes, Berlin